Angeklagter sagt zu Polizisten: „Du Depp“

„Max Mustermann“ zu Geldstrafe verurteilt

Alkohol, Drogen und jetzt das: Ein Garmisch-Partenkirchner musste sich wegen Beleidigung vor dem Gericht verantworten. Er war wegen seines Sucht-Problems schon öfter auffällig geworden.

Garmisch-Partenkirchen – Zuerst teilte er dem Polizisten nur mit, dass er den Allerweltsnamen „Max Mustermann“ hat. Doch anschließend folgte gleich eine Beleidigung: „Du Depp“, sagte der 35-jährige Garmisch-Partenkirchner zu einem Ordnungshüter, der ihn am Bahnhof einer Personenkontrolle unterzogen hatte. Doch dabei blieb es nicht. Danach folgte eine drohende Ankündigung: „Wenn ich dich mal ohne Waffe treffe, dann knallt’s.“ Logisch, dass er daraufhin eine Anzeige bekam.

All das führte dazu, dass dem Hartz-IV-Bezieher jetzt im Amtsgericht eine spürbare Geldstrafe verpasst wurde: 2250 Euro urteilte Richter Andreas Pfisterer. Möglicherweise hätte er angesichts der vielen Vorstrafen des Mannes auch Gefängnis verhängt, doch er wusste wohl, dass dem Angeklagten Mitte November ohnehin ein mindestens einjähriger Aufenthalt in einer geschlossenen Anstalt bevorsteht. Er bekommt nämlich eine Therapie, die ihn von seinem Grundproblem heilen soll. Seit vielen Jahren ist er stark vom Alkohol abhängig. Und nicht nur davon. „Er steht auch unter multiplem Substanzgebrauch“, sagte ein psychiatrischer Gutachter, „und hat auf diesem Sektor schon alles konsumiert von Amphetaminen bis zu Opiaten aller Art.“

Darauf hatte bereits Staatsanwältin Dr. Julia Koch verwiesen, als sie in der Anklage den Vorfall schilderte, bei dem der Garmisch-Partenkirchner am 15. November 2015 gegen 10 Uhr von zwei heimischen Polizisten kontrolliert wurde und dann den jüngeren der zwei Beamten beleidigte. Der berufslose Angeklagte räumte seine Beschimpfungen rückhaltlos ein und nannte als Grund schlicht die Wahrheit: „Das war alles Blödsinn, das war voll der Alkohol.“

Auf diesem Sektor habe er nichts ausgelassen, vom harmlosen Bier bis hin zu Rauschgiften aller Art. Deswegen habe er sich in den vergangenen zehn Jahren auch schon zwei Therapien unterzogen. Im November beginne er nun erneut und für mindestens ein Jahr eine solche Behandlung in einem geschlossenen Haus. „Ich bin sehr willig, diese Therapie auf mich zu nehmen.“

Ob diese Maßnahme Erfolgsaussichten habe, wollte Richter Pfisterer von dem psychiatrischen Gutachter wissen, und erfuhr: „Er steht unter schwerer Abhängigkeit von erheblichen Alkoholmengen und multiplem Substanzgebrauch. Doch was die Erfolgsaussicht anbelangt, kann man nur feststellen, dass nichts von vornherein aussichtslos ist. Letztendlich unterliegt es seinem persönlichen Willen, wenn er abstinent leben will.“ Als er den Polizisten beleidigt habe, sei die Steuerungsfähigkeit des Mannes im Übrigen zumindest vermindert gewesen.

Aus diesem Grund beantragte die Staatsanwältin auch trotz der zahlreichen, meist alkoholbedingten Vorahndungen keine Freiheits-, sondern eine Geldstrafe – allerdings in Höhe von üppigen 4500 Euro.

Verteidiger Rainer Höfer plädierte daraufhin für 2400 Euro. Richter Pfisterer war noch milder und verhängte 2250 Euro (150 Tagessätze à 15 Euro). Schließlich seien die Beleidigungen nicht übermäßig gravierend gewesen.

Wolfgang Kaiser

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