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Übernimmt die Stationsleitung von Dr. Christian Beer (r.): Dr. Til Seiler. Er kommt vom Klinikum Großhadern. 

Palliativ-Versorgung im Landkreis

Mehr Hilfe für schwerstkranke Menschen

In der Palliativ-Station des Klinikums Garmisch-Partenkirchen stehen mehr Betten für Patienten, deren Krankheit weit fortgeschritten ist, zur Verfügung. Und für Familien, die ihre schwerstkranken Lieben daheim betreuen, gibt es ab Januar zudem ein neues Angebot. Auf diese Weise entsteht ein breites Netzwerk.

Garmisch-Partenkirchen – Es gibt immer mehr ältere Menschen in unserem Landkreis. Und deshalb steigt seit Jahren auch der Bedarf an spezieller Versorgung. Vor knapp zehn Jahren wurde deshalb im Klinikum in Garmisch-Partenkirchen eine Palliativ-Station mit sechs Betten in Betrieb genommen. Bis zu 300 Menschen werden dort pro Jahr versorgt.

Stationärer Ausbau

Weil die Nachfrage nach stationären Plätzen in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen ist, hat das Klinikum reagiert und die Station um drei Betten erweitert. „Die Maßnahme war dringend erforderlich“, sagt Klinikus-Geschäftsführer Bernward Schröter.

Patienten mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen, vor allem Krebspatienten, aber auch Blut-, Lungen- oder Herzkranke, finden hier Hilfe. „Palliativbehandlung hat zum Ziel, starke Schmerzen, Luftnot, Übelkeit oder Schwächezustände zu lindern“, erklärt Dr. Helmut Lambertz, Chefarzt der Fachabteilung für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin im Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Im Rahmen eines ganzheitlichen Therapieansatzes beziehen die Mediziner dabei sowohl körperliche als auch psychosoziale Aspekte in die Behandlung mit ein. „Sechs bis sieben Fachdisziplinen, von Ärzten, Pflegern, Psychologen über Kunst-, Ergo- und Musiktherapeuten, arbeiten eng zusammen. Wenn Patienten palliativ betreut werden, steigen die Behandlungserfolge bei manchen Krankheitsbildern deutlich an.“

Hinter diesem Konzept steht auch der bisherige Oberarzt der Station, Dr. Christian Beer: „Das gängige Bild, dass jeder Patient zum Sterben zu uns kommt, ist falsch. Eine Besserung und Stabilisierung des Gesundheitszustands sind für eine gewisse Zeit meist möglich, und wir streben immer eine Entlassung aus der Klinik an.“ In jedem Fall bräuchten Betroffene wie Angehörige eine besonders intensive Betreuung.

Ambulanter Dienst

Neben den bis zu 300 stationären Aufnahmen im Jahr, die im Schnitt elf Tage auf der Palliativ-Station bleiben, sollen bald auch Patienten ambulant daheim betreut werden. Ab Januar wird sich ein Team für spezialisierte, ambulante Palliativ-Versorgung – kurz „SAPV“ – um sie kümmern. „In Garmisch-Partenkirchen waren wir in dieser Hinsicht bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte“, gesteht Schröter. Nun tritt das Klinikum zusammen mit dem Hospizverein der gemeinnützigen GmbH „Opal Oberland Hospiz- und Palliativversorgung“ bei. Sie war, wie Geschäftsführer Benjamin Bartholdt erklärt, bislang in den Landkreisen Miesbach sowie Wolfratshausen und Bad Tölz tätig. In Garmisch-Partenkirchen wird ein Standort geschaffen, um die Menschen im Landkreis direkt betreuen zu können.

Netzwerk

„Wir sind eine kleine Ergänzung, aber eine große Hilfe“, beschreibt Bartholdt das Angebot der insgesamt 18 Fachkräfte. Ihr Einsatz muss vom Hausarzt verordnet und von den Krankenkassen genehmigt werden. Die Mitarbeiter ergänzen die Hilfe, die einem schwerstkranken und sterbenden Menschen von seinem Arzt und Pflegedienst, von seiner Familie und vielleicht dem Hospiz-Verein zukommt. Unter anderem gibt es eine 24-Stunden-Notruftelefonnummer.

Rechtsanspruch

Durch das neue Angebot soll Familien mitunter die Entscheidung leichter fallen, ihre Liebsten am Ende deren Lebens daheim zu haben. Bei vielen Betroffenen herrsche nach Erfahrung von Chefarzt Dr. Lambertz die Angst vor, ihre Angehörigen zu früh nach Hause zu holen und in schwierige Situationen zu kommen. „So bleiben die Patienten länger im Klinikum“, als es den Familien lieb ist. Hilfreich sei da das neue Angebot. Es auf die Beine zu stellen, war nicht einfach. „Wir haben es zehn Jahre lang versucht“, unterstreicht Bernhard Fauser, der Vorsitzende des Hospizvereins. Dabei haben die Bürger einen Rechtsanspruch auf die ambulante Versorgung

Personal-Wechsel

Wichtiger Baustein im Landkreis: Der bisherige Leiter der Palliativ-Station, Dr. Beer, der das Vertrauen vieler Familien genießt, wechselt mit zwei Kollegen zu Opal. Sein Nachfolger Dr. Til Seiler kommt vom Klinikum Großhadern und hat sein Amt als neuer Stationsleiter an der Auenstraße bereits angetreten. „Ich werde versuchen, die ausgezeichnete Arbeit meines Vorgängers fortzusetzen“, erklärt der in Penzberg lebende Familienvater.

Er ist Teil eines Konzepts, bei dem vieles Hand in Hand und ergänzend passiert. „Unsere Betten werden sicher nach wie vor ausgelastet bleiben“, ist Dr. Lambertz überzeugt. Mehr noch: „Durch die zu erwartende Entlastung werden Ärzte- und Pflegepersonal aus dem spezialisierten Bereich künftig bei Bedarf auch Kranke auf anderen Stationen des Klinikums mitbetreuen können.“ Ein weiterer von vielen Vorteilen eines Angebots, das auf ein Ziel fokussiert ist: Menschen in schwerster Zeit zu helfen.

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