Mieten im Landkreis: „Ein teures Pflaster“

  • schließen

Hohe Nachfrage, begrenztes Angebot, extreme Preise: Wer im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wohnt, muss vor allem für Mieten und Wohneigentum tief in die Tasche greifen. Das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben. Zuzug und knappe Flächen lassen keinen anderen Schluss zu.

Landkreis – Die Landschaft – überaus reizvoll. Die Lebensqualität – enorm hoch. Der Zuzug – leicht ansteigend. Die Folge: Die Spirale bei Miet- und Immobilienpreisen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen dreht sich immer schneller und hat Höhen erreicht – auch im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen –, die vor ein paar Jahren von Experten noch als Hirngespinste abgetan wurden. Das beweist ein Report der Hypovereinsbank (HVB). „Der Markt Garmisch-Partenkirchen zählt zu den teuersten Wohnstandorten im Oberland, wobei ausgesuchte Lagen und Objekte das Münchener Preisniveau erreichen“, sagt Lukas Paul Stöger, Filialleiter in Garmisch-Partenkirchen. An zweiter Stelle rangiert Murnau, das wegen der guten Verkehrsanbindung zudem für München-Pendler interessant ist.

Mieten im Landkreis: Seit 2015 ist der Quadratmeterpreis drastisch gestiegen

Susanne Bart leitet die HVB-Filiale in Murnau.

Seit 2015 ist der Quadratmeterpreis pro Neuvermietung in Garmisch-Partenkirchen in der Spitze von 12,50 Euro auf 15 Euro gestiegen, in Murnau von 12 Euro auf 14 Euro. Schwankten 2015 die Kaufpreise für Einfamilienhaus in Garmisch-Partenkirchen zwischen 600 000 und 800 000 Euro (Murnau 570 00 bis 750 000 Euro), musste man im April 2019 dafür schon 850 000 bis 1,2 Millionen Euro (Murnau 800 000 bis 950 000 Euro) hinblättern. Die Steigerungen in Murnau bezeichnet die dortige Filialleiterin Susanne Bart als „extrem. Es geht in Richtung Garmisch-Partenkirchen“. In Mittenwald und Oberammergau kann man etwas günstiger Hausbesitzer werden (siehe Grafik).

Christoph Kaiser ist Finanzierungsspezialist.

Die Preise für Bauland sind in Garmisch-Partekirchen und Murnau innerhalb der vergangenen Jahre regelrecht explodiert. Der Quadratmeter wird inzwischen für 600 bis 1400 Euro angeboten. „Und es gibt Ausreißer nach oben“, sagt Christoph Kaiser, Spezialist bei der HVB für private Immobilienfinanzierung in der Region. 2015 lag die Spanne noch zwischen 390 und 770 Euro.

Der Landkreis – ein teures, häufig ein zu teures Pflaster. Allerdings nicht für alle. Kaiser zufolge wird der Nachfrage- und damit der Preisdruck „durch den Zuzug von wohlhabenden älteren Menschen und das Interesse von internationalen privaten Kapitalanlegern verstärkt“. Die Ausländer, die in Immobilien investieren, sollen vor allem wohlhabende Russen sein und US-Staatsbürger, die einst als Soldaten in Garmisch-Partenkirchen stationiert waren und die die Schönheit der Region zu schätzen wissen.

Das begrenzte Angebot hat die Preisentwicklung sowohl im Neubau als auch im Bestand beschleunigt. Das mittlerweile knappe Angebot an Bestandswohnungen führte dem HVB-Report zufolge zu einer Preisdynamik, die der des Neubausegments entspricht. Beim Blick auf die einzelnen Regionen im Landkreis erfolgt in Garmisch-Partenkirchen die größte Maßnahme. Aktuell am Bahnhof mit dem Bau eines neuen Wohnquartiers mit einer Mischung aus Gewerbe, Tourismus und Wohnen.

Kostengünstiges Wohnen ist Mangelware

Kostengünstige Wohnungen für junge Familien und einkommensschwächere Personen ist seit Langem Mangelware. Zweitwohnsitze tragen maßgeblich zur Knappheit bei. Teile des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats versuchen dem entgegenzusteuern. Bislang ohne zählbares Ergebnis. In Mittenwald sind derzeit wenig und nur kleinere Projekte in Bau oder Planung. Erst langfristig ist dort mit einer umfangreicheren Wohnbaumaßnahme zu rechnen. Auch in Murnau ist der Markt angespannt bei nur wenigen Neubauvorhaben. Die Miet- und Kaufpreissteigerungen fielen infolge des begrenzten Angebots und entsprechend der Lageattraktivität hoch aus. Der Druck ist auch in Oberammergau deutlich spürbar. Neubau findet in innerörtlichen Baulücken oder als Ortsabrundung statt.

Entspannung der Lage ist nicht in Sicht

Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht – schon gar nicht bei Mietwohnungen. Das Angebot ist begrenzt, die Nachfrage hoch. Und das in allen Ortschaften des Landkreises, was die Mieten weiter steigen lässt. Die stärksten Erhöhungen, so die Hypovereinsbank, waren in den vergangenen 36 Monaten zu beobachten. In diesem Zeitraum stiegen sie zwischen drei bis fünf Prozent pro Jahr. Eine Entwarnung für den Landkreis können die HVB-Experten nicht geben. Das Niveau kennt nur eine Richtung: nach oben, jedoch etwas moderater als zuletzt. „Seit dem Jahr 2010 wird zwar wieder mehr gebaut, das Volumen bewegt sich mit durchschnittlich rund 190 Einheiten pro Jahr jedoch immer noch auf eher niedrigem Niveau“, sagt Bart. Schlechte Aussichten trotz schöner Landschaft und hoher Lebensqualität.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Der Kulinarik-Botschafter aus Mittenwald
Andreas Hillejan zählt zu den 50 besten Köchen in Deutschland – zu diesem Schluss kommt zumindest der Schlemmer Atlas. Die Urkunde durfte der Chef des Marktrestaurants …
Der Kulinarik-Botschafter aus Mittenwald
Johann Eitzenberger Bayerns höchster Feuerwehrmann
Die Altbayern haben zusammengehalten. Die Delegierten aus Oberbayern, Schwaben, Niederbayern und der Oberpfalz – und nicht nur die, es gab auch Stimmen aus Franken – …
Johann Eitzenberger Bayerns höchster Feuerwehrmann
Ostallgäu: Münchnerin stürzt 70 Meter in die Tiefe - tödlich am Kopf verletzt
Tödlich endete ein Alpen-Ausflug für eine Frau aus München. Sie stürzte bei der Tour 70 Meter in die Tiefe und verletzte sich am Kopf.
Ostallgäu: Münchnerin stürzt 70 Meter in die Tiefe - tödlich am Kopf verletzt
Ausbau der Murnauer Postgasse: Ein Jahr Aufschub
Eigentlich sollte die Postgasse im Herzen Murnaus bereits nächstes Jahr ein neues Gesicht erhalten. Doch nun wird das Bauprojekt auf 2021 verschoben. Der Bauausschuss …
Ausbau der Murnauer Postgasse: Ein Jahr Aufschub

Kommentare