Mit geschultem Personal an der Seite, wie hier einem Rot-Kreuz-Sanitäter in der Bürgermeister-Schütte-Schule in Garmisch-Partenkirchen, können auch die so genannten Testsealabs genutzt werden.
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Mit geschultem Personal an der Seite, wie hier einem Rot-Kreuz-Sanitäter in der Bürgermeister-Schütte-Schule in Garmisch-Partenkirchen, können auch die so genannten Testsealabs genutzt werden.

Nicht für Kinderhände gedacht

Ministerium liefert falsche Corona-Tests an Schulen - jetzt werden sie ausgetauscht

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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190 000 Corona-Selbsttests wurden an Schulen im Landkreis geliefert. Kinder dürfen diese allerdings nicht nutzen. In der Packungsbeilage steht klar, dass dafür geschultes Personal erforderlich ist. Der Fehler liegt beim Gesundheitsministerium, das diese Tests bestellt hat.

  • Die Schulen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen werden mit Corona-Selbsttests versorgt.
  • Jetzt kam es aber zu einem Problem mit Tests eines anderen Herstellers.
  • Die Corona-Tests dürfen nur von geschultem Personal angewandt werden.

Landkreis – Langsam werden sie knapp, die Corona-Selbsttests von Siemens. Deshalb war es gut, dass am Freitag vor einer Woche eine größere Menge eines anderen Herstellers an die verschiedenen Schulen im Landkreis geliefert wurde. Auch um einen entsprechenden Vorrat zu haben. Eigentlich. Bei genauerer Durchsicht der Packungsbeilage hat sich allerdings gezeigt, dass diese „GICA Testsealabs“ nur von geschultem Personal angewandt werden dürfen. In Kinderhände sollten sie folglich nicht gelangen. „Wohl deshalb wurden wir am Donnerstag benachrichtigt, dass wir sie nicht verwenden dürfen“, sagt ein Lehrer, der namentlich nicht genannt werden will.

Das Vorgehen an sich, jetzt einen gewissen Vorrat anzuschaffen, macht dem Pädagogen zufolge durchaus Sinn. Nach einer ersten Lieferung von Antigen-Tests von Siemens, die kommende Woche ausläuft, wurde vom Bayerischen Gesundheitsministerium eine größere Menge geordert, um möglichst bis Schuljahresende versorgt zu sein. Dem Vernehmen nach allein gut 190.000 für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Angesicht der Menge an Schulen – allein 20 Grundschulen gibt es im Landkreis – klingt diese Zahl durchaus plausibel. Dem gegenüber stehen offenbar Kosten in Höhe von etwa 800.000 Euro.

Manche Schulen haben medizinisch geschultes Personal

Dass 190.000 Tests, die nur von geschultem Personal verwendet werden dürfen, ausgegeben wurden, bestätigt Landratsamtssprecher Stephan Scharf. Ebenfalls räumt er den jetzt anstehenden Austausch von Test-Kits ein, „die falsch angeliefert wurden“. Und zwar „von so vielen wie nötig“. Eine genaue Zahl vermag der Behördensprecher nicht zu nennen. Einige Schulen kämen mit den Testsealabs schließlich klar. „Die haben medizinisch geschultes Personal, das sich der Sache annimmt“, erklärt Scharf. Auch Lehrer, die im Vorfeld der Testpflicht gebrieft wurden, könnten diese weiter nutzen.

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Feststeht, dass am Freitag eine neue Ladung Selbsttests von Roche im Landkreis angekommen ist. Diese können genau wie das Pendant von Siemens auch Kinder selbst vornehmen. Bis kommende Woche „werden 45.200 an die Schulen ausgegeben“. Scharf rechnet nicht damit, dass besagte Fehllieferungen auf einmal ausgetauscht werden können. „Das hängt auch davon ab, was wir bekommen.“ Um bis Schuljahresende auf der sicheren Seite zu sein, hat der Landkreis 400.000 Selbsttests geordert. Das klingt viel, Scharf weiß aber, dass viele Einrichtungen häufiger testen als gefordert. „Wohl aus Sicherheitsgründen, das ist ja gut.“ Damit habe der Landkreis auch gar kein Problem, „wir müssen nur unsere Bestellung anpassen“.

Mutter fühhlt sich „nicht ausreichend informiert“

Von Seiten des Gesundheitsministeriums, das die Tests geordert hat, war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten. Um die Verteilung kümmert sich das Kultusministerium. „Wir haben 17,6 Millionen Tests an die Landratsämter verschickt“, hatte Minister Michael Piazolo (Freie Wähler) im Bayerischen Rundfunk verkündet. „Das müsste reichen.“ Wie viele davon aber nur von geschultem Personal genutzt werden können, war nicht zu erfahren.

Diese Geschichte, die offenbar auch in anderen Bundesländern passiert ist, trägt nicht dazu bei, die Mutter einer Erstklässlerin von dem Ganzen zu überzeugen. Im Familienkreis haben sie vor dem Besuch bei den Großeltern schon einmal einen Schnelltest gemacht. „Das war ein Drama“, erzählt die Garmisch-Partenkirchnerin. Weil’s um Oma und Opa ging, willigte ihre Tochter letztlich ein. „Das hat sie aber sehr beschäftigt, sie hat noch eine Stunde später immer wieder geschaut, ob es bei dem negativen Ergebnis bleibt.“ Nach dieser Erfahrung ist sie unsicher, ob sie ihrem Kind den Schulbesuch zumuten soll. „Es kann doch nicht sein, dass der mit Angst und Drohungen verbunden ist.“ Vorsorglich will sie nun kommende Woche eine Test-Situation miterleben. Denn aktuell „fühle ich mich nicht ausreichend informiert“.

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