Steffen Henssler hat genug - und schmeißt bei „Schlag den Henssler“ hin

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Bürger zeigen der AfD die Rote Karte: Teilnehmer der Demonstration vor der Stadthalle Weilheim im Juli.

Proteste in Murnau, Garmisch-Partenkirchen und Peiting

Mit AfD-Promis kommen die Demonstranten

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Höcke, Weidel, Bilge: Die rechtsgerichtete Partei Alternative für Deutschland (AfD) startet im Vorfeld der Landtagswahlen eine Promi-Offensive in der Region. Dagegen formiert sich Widerstand: Grünen-Kandidat Andreas Krahl aus Seehausen ruft zu Protesten auf. Die Polizei geht die Einsätze nach den rechten Krawallen in Chemnitz mit besonderer Vorsicht an.

Landkreis– Björn Höcke, derumstrittene AfD-Fraktions-Chef im Thüringer Landtag, tritt am Dienstag in Peiting auf; die weniger prominente Leyla Bilge besucht am Samstag, 8. September, Murnau (19 Uhr, Kultur- und Tagungszentrum). Bilge, die nach eigenen Angaben als 16-Jährige zwangsverheiratet wurde, ist eine kurdischstämmige Frauenrechtlerin und gilt als Vorzeige-Migrantin der Rechtsaußen-Partei. Und Alice Weidel, AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, wird für Freitag, 14. September, um 19 Uhr im Partenkirchner Gasthof Rassen erwartet.

Kommt AfD-Prominenz in die Region, ist Andreas Krahl stets zur Stelle. Er hält der Partei in schöner Regelmäßigkeit ein breites gesellschaftliches Bündnis entgegen. Schon im Juli hatte er dafür gesorgt, dass über 500 Menschen der AfD beim Besuch des Bundesvorsitzenden Rolf Meuthen die Rote Karte zeigten. Nun meldete Krahl Demonstrationen in Peiting, Murnau und Garmisch-Partenkirchen an, alle unter dem Motto „Is ja ekelhAfD!“. „Man muss sich hier ganz klar dagegen positionieren, davon bin ich felsenfest überzeugt“, sagt der Riedener, der bei der Landtagswahl als Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Stimmkreis Weilheim/Schongau ins Rennen geht. Mit über 1000 Mit-Demonstranten rechnet Krahl in Peiting, mit jeweils 500 in Murnau (Protest ab 16 Uhr) und Garmisch-Partenkirchen (voraussichtlich ab 18 Uhr). Man brauche eine „klare Geschlossenheit aller Demokraten“, betont der 29-Jährige. Sie sollen ein deutliches Signal setzen „gegen Hass, Rassismus und Ausgrenzung“.

In Garmisch-Partenkirchen weiß Krahl die Rechtsanwältin Elisabeth Koch jedes Mal wieder an seiner Seite, wenn ein AfD-Schwergewicht im Ort vorstellig wird. „Eine Selbstverständlichkeit“, sagt Koch, die sich an dieser Stelle als Privatfrau, nicht als CSU-Politikerin engagiert. „Da muss man Flagge zeigen“ – zumal die AfD in der Ludwigstraße auftritt, in der auch ihre Kanzlei ihren Sitz hat. In Murnau werden unter anderem Murnau Miteinander, die politische Gruppierung Mehr Bewegen und Maike Seewald von der V-Partei³ als Bündnispartner fungieren. Krahl wünscht sich mehr Demonstranten vor dem Kultur- und Tagungszentrum als AfD-Sympathisanten im Gebäude – und Proteste, die fröhlich, friedlich und bunt verlaufen.

Ein größeres Polizeiaufgebot soll Sicherheit garantieren. Nach den Ausschreitungen eines rechten Mobs in Chemnitz geht der Murnauer Verantwortliche Joachim Loy den Einsatz mit noch mehr Wachsamkeit an. In den Augen des Murnauer Inspektions-Chefs, der in Peiting Verbindungsbeamter zur Gegendemo ist, hat sich die Situation „grundsätzlich verschärft. Wir haben eine aufgeheizte Stimmung“, findet er. „Ich denke, die Rechts-Links-Thematik ist aggressiver geworden. Wir müssen da Obacht geben.“ Loy will auf die Atmosphäre, die bei AfD und Demonstranten in Peiting herrscht, in Murnau entsprechend reagieren. Grundsätzlich schließt er nicht aus, dass Angehörige des rechten und des linken Spektrums von auswärts in den Ort kommen könnten: „Aber wir werden alles im Griff haben“, verspricht er. Die Polizei will „mit starken Kräften vor dem Kultur- und Tagungszentrum vertreten sein und die beiden Parteien trennen“. Die AfD-Vertreter sollen ungestört ihre Veranstaltung abhalten, die Gegendemonstranten unbehelligt ihrem Protest Ausdruck verleihen können.

Der Alternative für Deutschland können die ständigen Kundgebungen nicht gefallen – auch wenn Edeltraud Schwarz, Vorsitzende des Kreisverbands Oberbayern Süd-West, klarstellt: Generell habe jeder das Recht zu demonstrieren, wenn er sich an die Regeln halte. „Wir machen das prinzipiell nicht bei politischen Gegnern.“ Es gebe die Versammlungsfreiheit und ein Versammlungsrecht: „Ich persönlich frage mich nur, warum man sich nicht mit uns an einen Tisch setzt und miteinander redet.“

Mit dem Ruf nach Kommunikation rennt Schwarz bei Andreas Krahl offene Türen ein – doch dieser zielt in eine andere Richtung: Man müsse politische Diskussionen führen, die AfD „mit Themen stellen“, sagt Krahl. Er jedenfalls will sich weiter gegen Rechts und damit gegen die AfD engagieren. „Egal wann und wo: Ich werde dem immer entgegentreten.“ Durch Schweigen, glaubt der Intensiv-Krankenpfleger an der Unfallklinik, mache man die Partei nur noch mehr salonfähig.

Dabei gilt: Die Situation in Murnau hat sich etwas entspannt, noch bevor Leyla Bilge die AfD-Bühne betritt. Ursprünglich war die Gemeinde am Samstagabend als Schauplatz eines weiteren Treffens des rechten politischen Randes vorgesehen gewesen. Ein Vertreter des NPD-Bezirksverbands Oberbayern hatte zum Liederabend mit Redner in ein einschlägig bekanntes Murnauer Ladengeschäft geladen, diesen aber vor kurzem wieder abgesagt.

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