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Starkes Team: Die Lehrerinnen (h.v.l.) Laura Teichmann, Antje Schaffer und Schulleiter Johannes Klucker mit ihren Schützlingen (v.v.l.) Adrian Joachim, Victoria Bönisch und Soner Anilir, di e ihre Probezeit erfolgreich bestanden haben. 

Bereicherung im Bildungswesen 

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

„Man braucht Durchhaltevermögen und viel Einsatzbereitschaft, das Angebot richtet sich ausschließlich an leistungsbereite und leistungsfähige Schüler“, sagt Johannes Klucker, der seit acht Jahren an der Berufsschule in Garmisch-Partenkirchen die so genannte „Berufsschule Plus“ anbietet.

Garmisch-Partenkirchen –  „Parallel zu ihrer Ausbildung können Schüler durch Teilnahme am Zusatzunterricht die Fachhochschulreife erwerben. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe“, erklärt Klucker das Prinzip. Wer studieren möchte, kann das sogleich im Anschluss an einer Fachhochschule tun. Und auch für die Betriebe sieht Klucker einige Vorteile: „Sie bekommen hoch motivierte, bestens ausgebildete Absolventen, die absolut engagiert und belastbar sind.“

Für das eigene Schulprofil sei dieser Baustein des Bildungssystems als Dokumentation einer besonderen Vielfalt natürlich ebenso förderlich. Antje Schaffer organisiert dieses zusätzliche, attraktive Angebot, das es in Oberbayern nur noch an drei weiteren Berufsschulen gibt (in Freilassing, Starnberg und Mühldorf). „Wir waren schon beim ersten Versuch dabei“, verrät die engagierte Lehrerin, die im Zusatzunterricht das Fach Deutsch lehrt.

An zwei Nachmittagen in der Woche in sechs bis sieben Stunden im Anschluss an die normale Schulzeit sind sie und drei weitere Lehrkräfte im Einsatz, um den Schülern in insgesamt fünf Fächern das nötige Wissen zu vermitteln, das diese brauchen, um die anspruchsvolle Prüfung zum Fachabitur zu bestehen. „Die Durchfallquote ist leider recht hoch, am Ende schafft es in etwa jeder Dritte“, sagt Klucker, der über 13 Jahre Stellvertretender Schulleiter an der Fachoberschule in Weilheim war. Verständlich, müssen die Anwärter doch ein enormes Lernpensum zusätzlich absolvieren, um neben ihrem normalen Berufsschulabschluss, der ihnen ja auch schon einiges abverlangt, auch noch das Berufsabitur, wie es auch genannt wird, abzulegen. „Aber wer sich mit eisernem Willen und Lernbereitschaft durchbeißt, der erspart sich ein ganzes weiteres Schuljahr.“ Denn normalerweise muss man nach seiner bestandenen Berufsschulausbildung noch ein weiteres Jahr draufsatteln, um die Fachhochschulreife zu erwerben.

Schaffer sieht zwar auch die hohe Anforderung an die Schüler, hebt aber die besondere Möglichkeit hervor: „Wer es schaffen möchte, hat reelle Chancen und verbessert seine beruflichen Aufstiegschancen deutlich.“ Und sie appelliert an alle, die sich vielleicht nicht trauen: „Probiert es aus, solch eine Chance kommt nicht wieder.“

Die Pädagogin möchte dieses Angebot all jenen Schülern aus dem Landkreis schmackhaft machen, die sich etwas zutrauen und die Zeit gewinnen wollen. Einer von ihnen ist Adrian Joachim aus Oberammergau, der das erste Jahr mit Zusatzunterricht an der Berufsschule Plus erfolgreich hinter sich gebracht hat (das erste Schuljahr gilt als Probezeit, die bestanden ist, wenn der Schüler in jedem Zusatzfach mindestens die Note 4 erreicht hat). „Ich habe mich gegen die FOS und für diese Ausbildung entschieden und es nie bereut“, erklärt der 17-Jährige. Neben ihm auf der Schulbank sitzt Soner Anilir, ebenfalls aus Oberammergau. Der 24-jährige türkischstämmige und in Garmisch-Partenkirchen geborene Schüler möchte später einmal Betriebswirtschaftlehre studieren und wollte deshalb schon immer sein Abitur ablegen. „Aber in Augsburg, wo ich zunächst meine Ausbildung zum Versicherungskaufmann begonnen hatte, gab es diese Möglichkeit nicht.“ Sparringspartnerin Victoria Bönisch aus Farchant freut sich „über die super netten Lehrer und die kleine Klassengröße“, da sei das Lernen gar nicht so schwer. Auch die 19-Jährige möchte später einmal studieren, am liebsten im IT-Bereich. Voraussetzung für die Teilnahme am Zusatzunterricht: ein Mittlerer Schulabschluss mit einer Durchschnittsnote von mindestens 3,5 in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch sowie ein Vertrag über eine mindestens zweijährige betriebliche Ausbildung beziehungsweise der Besuch einer mindestens zweijährigen Berufsfachschule.

Barbara Falkenberg 

Anmeldungen

für das Schuljahr 2017/18 sind ab sofort bis Donnerstag, 28. September, im Sekretariat, Berufliches Schulzentrum Garmisch-Partenkirchen, Am Holzhof 5, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Telefon: 0 88 21/94 31 90 möglich. Sollten sich mehr als 30 Schüler bewerben, erfolgt das Auswahlverfahren nach Leistungsgesichtspunkten und den Möglichkeiten, am Zusatzunterricht teilnehmen zu können.

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