Beste Aussicht: Digitalministerin Judith Gerlach und Schanzenchef Thomas Scheck auf dem Startbalken.
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Beste Aussicht: Digitalministerin Judith Gerlach und Schanzenchef Thomas Scheck auf dem Startbalken der Skisprungschanze.

Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) zu Gast in Garmisch-Partenkirchen

Digitale Erlebniswelt: Neue Ideen für Olympia-Skistadion

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Überlegungen, das Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen stärker touristisch zu nutzen, gibt es schon länger: Jetzt stellte Robotik-Experte Sami Haddadin eine neue Vision vor: eine virtuelle Erlebniswelt, die die Themen des Urlaubsorts aufgreift, ob nun Sport, Natur oder Michael Ende. Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach zeigte sich angetan.

Garmisch-Partenkirchen – „Gut, dass wir Turnschuhe angezogen haben“, meinte Judith Gerlach während der Besichtigung der Skisprungschanze in Garmisch-Partenkirchen. In der Tat war bei dem Termin ein sportliches Outfit nicht verkehrt, schließlich führte Schanzenchef Thomas Scheck die Besuchergruppe um die Digitalministerin des Freistaats die steile Treppe hinauf zum Startbalken. Doch es ging dort oben nicht nur um öffentlichkeitswirksame Fotos, sondern um einen außergewöhnlichen Vorschlag, mit dem der Urlaubs- und Wintersportort sein Olympia-Skistadion als Sehenswürdigkeit aufwerten und ein wichtiges Puzzleteil im Zuge der Digitalisierung setzen könnte.

Für Geriatronik-Projekt verantwortlich

Am Schanzenkopf stellte nämlich Prof. Dr. Sami Haddadin, der maßgeblich das Geriatronik-Projekt im Kreisort vorantreibt, ein Konzept für eine Hightech-Erlebniswelt vor, die seiner Ansicht nach in dem historischen und denkmalgeschützten Stadionkomplex bestens aufgehoben wäre. Die Idee, die die Möglichkeiten der Digitaltechnik voll ausschöpft, entwickelte der Experte für Robotik und künstliche Intelligenz an der Technischen Universität München gemeinsam mit Doktoranden. Den Anstoß dazu hatte Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) gegeben, die jetzt ihre Parteifreundin Gerlach um Unterstützung bat.

„Der Ort ist fantastisch. Wir haben ein einmaliges Potenzial“, schwärmte Haddadin. Neu ist der Gedanke nicht, die Sportstätte, die derzeit für viele Millionen Euro aufwändig saniert wird, als Tourismusmagnet mehr ins Scheinwerferlicht zu rücken. Doch Haddadin will ganz neue Wege beschreiten. Sein Motto: Tradition trifft auf das Medium der Moderne. Das kommt an – erst recht bei den Christsozialen, die den Parteislogan „Laptop und Lederhose“ verinnerlicht haben.

Im Mittelpunkt der Vision sollen Terminals stehen, an denen man mithilfe von Datenbrillen und Steuerungsgeräten alles Mögliche erleben kann, das mit Garmisch-Partenkirchen in Verbindung steht. Der Wissenschaftler, der in der bayerischen Politik hohes Renommee genießt, denkt etwa an Live-Drohnenflüge über dem Stadion oder an aufgezeichnete Sprünge von der Schanze. Auch andere Themen wären ihm zufolge vorstellbar, zum Beispiel eine virtuelle Wanderung auf die Zugspitze oder durch die Partnachklamm – idealerweise auf einem Laufband, um diese Naturerfahrungen möglichst realitätsnah zu vermitteln. Selbst Ausnahmeschriftsteller Michael Ende, der berühmte Sohn der Marktgemeinde, und seine unvergesslichen Meisterwerke der Jugendliteratur bieten sich nach Ansicht Haddadins bestens als Stoff an. Wie wäre es mit einem virtuellen Rundflug auf Fuchur, dem Glücksdrachen aus der „Unendlichen Geschichte“?

Technisch sieht der Leiter des Lehrstuhls für Robotik und Systemintelligenz keine Probleme. „Das ist alles möglich“, ist er überzeugt. Die erforderliche Ausstattung gäbe es zu kaufen. Fragt sich nur: Wie viel kostet so etwas? „Ein paar Millionen“, schätzt Haddadin auf Nachfrage. Aber man könnte das Ganze schrittweise aufbauen.

„Das ist eine tolle Idee“

Die Ministerin war jedenfalls begeistert. „Das ist eine tolle Idee“, sagte Gerlach in einer ersten Reaktion. „Das könnte eine großartige Attraktion sein.“ Ihr Haus werde die Pläne prüfen. Grundsätzlich stelle der Kreisort die Weichen richtig: „Die Bürger sind es inzwischen gewohnt, ganz einfach eine Reise online zu buchen oder einen Pullover mit einem Klick zu bestellen. Auch der Staat und die Kommunen müssen hier nachziehen. Es freut mich deshalb sehr, dass Garmisch-Partenkirchen digital die Ärmel hochkrempeln und noch mehr Angebote für die Bürger sowie die vielen Gäste des Ortes online bringen will.“

Bei Rathauschefin Koch klingt es ähnlich: „Wir sind in puncto Digitalisierung, denke ich, auf einem ganz guten Weg. Das Ende ist hier allerdings noch lange nicht in Sicht.“ Es müssten noch viele Verbesserungen auf allen Ebenen umgesetzt werden. Dazu zählt laut Koch auch die digitale Ertüchtigung des Olympia-Skistadions.

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