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Den 50. Hochzeitstag haben Erhardt und Renate Fischer noch auf ihrer Terrasse gefeiert. 

Tagblatt-Weihnachtsaktion 2018 

Mit Hospizverein den letzten Wunsch erfüllt

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Sie musste sterben  und wollte dazu aus der Klinik nach Haue. Mit Hilfe des Hospizvereins Werdenfels konnten Erhardt Fischer und seine Tochter Nicole der geliebten Ehefrau und Mutter diesen letzten Wunsch erfüllen. 

Garmisch-Partenkirchen – Hoffnungslos – diese Diagnose hat das Leben von Erhardt Fischer und seiner Tochter Nicole verändert. Auf den Kopf gestellt. Und sie noch mehr zusammengeschweißt. Für die geliebte Ehefrau und Mutter gab es keine Hoffnung mehr. Sie musste sterben. Noch im Klinikum Garmisch-Partenkirchen erklärte die 73-Jährige, dass sie heimwolle. Ein Wunsch, den Erhardt und Nicole Fischer gern erfüllten. „Meine Frau hat in all den Jahren so viel für uns getan, viel Zeit für uns geopfert“, sagt der 82-Jährige. „Wir wollten ihr etwas zurückgeben.“ Unterstützt wurde sie dabei vom Hospizverein Werdenfels – durch Beratung, praktische Begleitung auf diesem scheren Weg und einfache Anwesenheit.

„Wertvoll“ nennt Nicole Fischer diese Hilfe. Wertvoll in einer Zeit, die ihr und ihrem Vater zugesetzt hat. Die sie belastet hat. „Wenn man das Leiden sieht, den Kampf, fragt man sich, ob man alles richtig macht.“ Auch da war die Hospizhelferin zur Stelle, nahm der 47-Jährigen und ihrem Vater die Sorgen, zerstreute ihre Selbstzweifel.

Schon im Klinikum erfuhren die Fischers von dem Angebot, das es seit mittlerweile 20 Jahren im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt und das das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt durch seine Weihnachtsaktion unterstützt. Als klar war, dass die unheilbar Kranke heimkommt, war die Ehrenamtliche an ihrer Seite – spätestens alle zwei Tage und immer, wenn Bedarf bestand. „Sie hat sich einfach hingesetzt, meine Mutter beruhigt“, erinnert sich Nicole Fischer. Von der Helferin erfuhr sie auch, wie wohltuend ein Fremder für einen Sterbenden sein kann. „Sind Angehörige da, fällt ihm das Loslassen viel schwerer.“ Es waren solche Hinweise, die ihr und ihrem Vater die Situation erleichterten. Auch die Informationen, wie sich der geliebte Mensch in der letzten Phase seines Lebens verändert, dass er buchstäblich zerfällt, waren wichtig. Um damit umzugehen. Und vor allem, um nicht völlig zu verzweifeln und an dem Schicksal zu zerbrechen.

Von der chronischen Leberkrankheit, den beiden Tumoren an dem Organ, die im Jahr ihres Todes bösartig werden sollten, wussten die Fischers bereits seit 2014. „In den letzten drei Jahren war es dann so, dass meine Mutter immer mehr Unterstützung im Alltag gebraucht hat.“ Nachdem ihr das Treppensteigen schwerer viel, ergriff ihr Vater die Chance, als im Haus eine Erdgeschoss-Wohnung frei wurde. Die war wertvoll, als Renate Fischer bettlägerig war. „Sie hat die Natur immer sehr geliebt“, erzählt ihr Mann. Die schönen Herbsttage im Oktober 2017, wenige Wochen vor ihrem Tod, konnte sie noch auf der Terrasse genießen. „Das Bett haben wir einfach rausgeschoben.“ So feierten sie auch ihren 50. Hochzeitstag – mit alkoholfreiem Sekt. „Den hat sie noch sehr aktiv miterlebt, danach ging’s ihr zunehmend schlechter.

Bei der Betreuung haben sich Vater und Tochter abgewechselt – auch nachts. Um möglichst rund um die Uhr da zu sein, nahm Nicole Fischer ihren ganzen Jahresurlaub und nutzte die Möglichkeit, vom Homeoffice aus zu arbeiten. Neben der Hospizhelferin beriet die Pflegekraft, die zweimal am Tag zum Waschen vorbeikam, die Fischers. „Man muss ja wissen, wie man einen Patienten hochnimmt, wie man ihn umlagert, damit es zu keinen Druckstellen kommt“, sagt die 47-Jährige. Ebenso, wie wichtig es ist, Lippen feucht zu halten, erfuhr sie auf dieses Weise. „Man kommt als Baby auf diese Welt und geht wieder als Baby, wenn man zum Pflegefall wird.“ Mit dem entscheidenden Unterschied: Der ältere Mensch kann sich äußern, wenn ihm etwas unangenehm ist. Wenn er sich unbehaglich fühlt, Hilfe zu brauchen, etwa auf der Toilette. Das kostet Überwindung. Vor allem den Pflegebedürftigen.

Für sie und ihren Vater war die Sorge für ihre Mutter und Frau selbstverständlich. „Etwas, was man gerne tut, um es ihr so angenehm wie möglich zu machen.“ Die große Belastung, der Druck begann für die Fischers erst mit dem nahenden Tod. „Dann kommt der Kopf ins Spiel, vorher funktioniert man“, sagt Nicole Fischer.

Denkt sie an ihre Mutter, fällt ihr die enorme Lebensfreude ein, die sie stets ausstrahlte. Auch nach der schlimmen Diagnose. „Bis zum Schluss war sie sehr stark.“ Und sie denkt an gemeinsame Momente, Reisen, die sie mit ihren Eltern unternommen hat. „Kostbar“ nennt sie diese Zeit. Dafür ist sie dankbar. Genau wie für die Unterstützung vom Klinikum, vom Hausarzt, vom Pflegedienst und vor allem vom Hospizverein Werdenfels, als es ans Abschied nehmen ging. „Ich habe sehr großen Respekt vor der Arbeit der Hospizhelferinnen.“ Was diese leisten, ohne einen Cent dafür zu verlangen, sei enorm. „Und ganz bestimmt nicht selbstverständlich.“

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