310 EURO DIEBESGUT

Mit Kinderwagen auf Beutezug: Zwei Mütter vor Gericht

Die beiden afghanischen Frauen sind in Garmisch-Partenkirchen mit einem Kinderwagen auf Diebestour gegangen. In drei Läden haben sie zahlreiche Kleidungsstücke mitgehen lassen - und flogen auf. Nun müssen sie eine Strafe berappen. 

Garmisch-Partenkirchen – Weil sie einen „Beutezug mit Kinderwagen“, wie der Staatsanwalt es formulierte, durch ein Garmischer Einkaufszentrum unternommen haben, saßen jetzt eine 21- und eine 23-jährige Afghanin im Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen. Beide angeklagt des gemeinschaftlichen Diebstahls. Die seit zwei Jahren in München und Augsburg wohnenden Migranten hatten einen Verwandtenbesuch in der Marktgemeinde dazu genutzt, mithilfe des Kinderwagens, der der Jüngeren gehörte, einen trickreichen Beutezug in drei heimischen Läden zu unternehmen. Doch die beiden flogen trotz aller Raffinesse auf, weil das aufmerksame Personal sie überführte. Richter Paul Georg Pfluger verdonnerte die Frauen jetzt zu ansehnlichen Geldstrafen: Die 23-Jährige muss 1200 Euro berappen, die 21-Jährige, deren Kinderwagen eine wesentliche Helferrolle gespielt hatte, 1500 Euro.

„Die jungen Mütter nützten in den Geschäften ihre Vorteile zielgerichtet aus“, sagte Staatsanwalt Matthias Braumandl und beantragte für die 23-Jährige 1600 Euro Geldstrafe, für die 21 Jährige 1500. Deren Verteidiger Michael Röhrig indes hielt nur 600 Euro für angebracht, sein Anwaltskollege Axel vom Brocke für die ältere Afghanin lediglich 900 Euro.

Der Ankläger hatte dargelegt, wie es die beiden eng miteinander verwandten Afghaninnen unter Mitnahme des 21-jährigen Bruders der Jüngeren anstellten, ihren Werdenfels-Besuch am 21. August 2015 zwischen 18 und 19 Uhr zu einer Straftat zu nutzen. In drei Geschäften an der Von-Brug-Straße entwendeten sie zahlreiche Bekleidungsstücke vom T-Shirt bis zur Jeans und vom Herren-Sweatshirt sowie der Damenjacke über die Jogginghose bis hin zur Kinder-Lederjacke und Babyschuhen. Der Bruder musste jeweils das von den Frauen auserwählte Stück zu einer Umkleidekabine bringen, in der sich dann eine von ihnen samt Kinderwagen befand, in dessen Tiefen das Diebesgut verschwand. Der Schaden blieb indes im Rahmen: Im einen Geschäft belief er sich auf 143 Euro, im anderen auf 164 und im dritten gar auf nur 3 Euro.

Die Angelegenheit flog allerdings auf, „weil sich die drei Personen auffällig verhielten“, wie ein Polizeibeamter berichtete. Die meisten der Beutestücke fanden wieder den Weg zurück in die Läden, die beiden Frauen saßen jetzt vor dem Kadi, während der Bruder nicht zur Verhandlung erschien: Richter Pfluger lag ein ärztliches Attest vor, das dem 21-Jährigen eine akute psychische Erkrankung und Verhandlungsunfähigkeit bescheinigte. Sein Verfahren wurde deshalb abgetrennt. Er muss mit einem Strafbefehl von voraussichtlich 1500 Euro rechnen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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