Ein mögliches Vorbild: Die Wohnbau GmbH Weilheim ist sehr aktiv. Beispielsweise zieht die Gesellschaft derzeit in Murnau an der Lindenthalstraße Häuser mit 42 öffentlich geförderten Wohnungen hoch.
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Ein mögliches Vorbild: Die Wohnbau GmbH Weilheim ist sehr aktiv. Beispielsweise zieht die Gesellschaft derzeit in Murnau an der Lindenthalstraße Häuser mit 42 öffentlich geförderten Wohnungen hoch.

Zugspitz Region GmbH soll Konzept erarbeiten

Mit vereinten Kräften: Kreistag peilt Gründung einer Wohnbaugesellschaft an

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Das Vorhaben steht schon seit Längerem auf der Wunschliste der Kreispolitik ganz oben, jetzt kommt Bewegung in die Sache: Die Zugspitz Region GmbH wurde beauftragt, ein Konzept für eine landkreisweite Wohnungsbaugesellschaft zu erarbeiten. Fürs Erste soll es dabei nur ums Verwalten der Mietobjekte gehen, eventuell später auch ums Bauen.

Landkreis – Die Kommunen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen stehen unter Druck: Sie müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen – und zwar möglichst schnell. Denn die Mietpreise haben vielerorts ein Niveau erreicht, das sich die unteren und mittleren Einkommensschichten häufig nicht mehr leisten können.

Es verwundert daher nicht, dass der Ruf nach einer gemeinsamen Wohnungsbaugesellschaft, die die Kräfte bündelt, Synergien nutzt und in der Sache Gas gibt, immer lauter wird. Neu ist die Idee nicht. Beispielsweise kann die im Nachbarlandkreis angesiedelte Wohnbau GmbH Weilheim, zu deren Gesellschafterkreis auch Murnau und Uffing gehören, eine Erfolgsstory vorweisen. Inzwischen zählt sie mit 1675 überwiegend geförderten Unterkünften zu den größten Anbietern der Region.

Antrag der SPD

So weit ist man hier im Landkreis noch lange nicht. Die Bemühungen stehen erst ganz am Anfang. Aber immerhin brachte der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung in Krün das Ganze ins Rollen: Das Gremium beauftragte die Zugspitz Region GmbH damit, sich Gedanken zu machen, wie man eine solche Organisation auf die Beine stellen kann. Den Anstoß dazu hatte die SPD mit einem Antrag gegeben.

Vorerst soll sich die gewünschte Wohnungsbaugesellschaft, so der politische Auftrag, nur um die Verwaltung von Mietshäusers kümmern. Allerdings könnten „perspektivisch“, wie es unverbindlich im Beschluss heißt, eines Tages auch Neubau-Projekte hinzukommen. Der Grund für diese Zurückhaltung dürfte, wie zu vernehmen ist, in erster Linie finanzieller Natur sein: Denn in den Genuss der großzügigen Zuschüsse und günstigen Darlehen des Freistaats, mit denen dieser den kommunalen Wohnungsbau ankurbeln möchte, kommen derzeit nur die Gemeinden selbst – und nicht die von ihnen gegründeten Betriebe.

19 Gemeinden signalisieren Interesse

Dennoch: Das Interesse, eine landkreisweite Wohnungsbaugesellschaft aus der Taufe zu heben, ist vorhanden, wie eine Umfrage von Sebastian Kramer zeigte. Nach Angaben des Geschäftsführers der Zugspitz Region GmbH wären 19 der 22 Landkreis-Gemeinden mit von der Partie – auch die beiden Zentren Garmisch-Partenkirchen und Murnau. Kramer rechnet damit, dass nächstes Jahr im Herbst ein konkretes Konzept auf dem Tisch liegt. Er könne sich eine GmbH vorstellen, berichtet er – mit den Gemeinden und dem Landkreis als Gesellschafter.

Die Vorteile eines solchen Konstrukts liegen nach Ansicht des Wirtschaftsförderers auf der Hand: Verwaltung und Instandhaltung ließen sich auf diese Weise wesentlich effizienter abwickeln. „Das sichert den Wert der Immobilien und erhöht die Einnahmen aus den Mieten“, erläutert der Experte. Allerdings muss eine Voraussetzung erfüllt sein: „Es ist ganz wichtig, dass wir eine bestimmte Größe erreichen.“ 400 Wohnungen sollten es laut Kramer mindestens sein. Er ist optimistisch, diese Marke zu erreichen. Denn das Klinikum Garmisch-Partenkirchen habe bereits signalisiert, seine rund 230 Mitarbeiter-Wohnungen einzubringen.

Kramer geht davon aus, dass es beim reinen Verwaltungsbetrieb nicht bleiben wird. „Ich bin überzeugt: Der nächste Schritt ist das Bauen“, sagt er. Dann werden allerdings auch die rechtlichen Fragen komplizierter, wenn beispielsweise die Eigentumsverhältnisse in der Gemeinschaft oder der Umgang mit den Mieteinnahmen geregelt werden müssen. Kramer ist sich sicher, auch diese Hürde zu nehmen: „Es gibt für alles eine Lösung.“

Die Kreispolitiker sind zufrieden, den Startschuss abgegeben zu haben. „Das ist der richtige Weg“, kommentierte in der Sitzung Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU). Gerade für die kleinen Gemeinden, die auf dem Gebiet der Immobilienwirtschaft weder über das nötige Know-how noch über die personellen Kapazitäten verfügten, würde ein solches Bündnis eine enorme Entlastung mit sich bringen. Peter Keller (ÖDP) erinnerte daran, dass es bei der bloßen Betreuung der Liegenschaften nicht bleiben dürfe. Oberstes Ziel müsse eine „deutliche Verbesserung der Wohnraumsituation“ sein.

So sieht es auch Sigrid Meierhofer, Kreisrätin und Bundestagskandidatin der SPD. Man fange jetzt mit einem „kleinen Schritt“ an. Auch Garmisch-Partenkirchens Altbürgermeisterin ist sich gewiss, dass der Einstieg in die Bautätigkeit nicht lange auf sich warten lassen wird. Denn Angebot und Nachfrage klafften meilenweit auseinander. Meierhofer: „Das Problem kann nur durch das öffentliche Bauwesen gelöst werden.“

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