Großprojekt: das historische Olympia-Skistadion wird für 16,4 Millionen Euro saniert.
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Großprojekt: das historische Olympia-Skistadion wird für 16,4 Millionen Euro saniert.

Großprojekt soll Ende des Jahres fertig sein

Sanierung des Olympia-Skistadions: Mit Verspätung ans Ziel

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die aufwändige Sanierung des denkmalgeschützten Olympia-Skistadions in Garmisch-Partenkirchen befindet sich auf der Zielgeraden: Ende dieses Jahres soll das rund 16,4 Millionen Euro teure Großprojekt der Marktgemeinde mit Verspätung abgeschlossen sein – rechtzeitig zum Neujahrsskispringen.

Garmisch-Partenkirchen – Das hufeisenförmige Olympia-Skistadion ist das Wahrzeichen Garmisch-Partenkirchens – eine durch das Neujahrsskispringen weltbekannte Sportstätte und eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit. Seit 2017 ist die 1939 entstandene Anlage – etwa zwei Jahre vor den Olympischen Winterspielen 1936 wurden Tribünen aus Holz sowie das noch bestehende Olympiahaus errichtet – eine Dauerbaustelle. Ein Kraftakt für den Markt, in finanzieller und bautechnischer Hinsicht. Denn die umfangreiche und dringend notwendige Generalsanierung ist aufgrund der strengen Auflagen des Denkmalschutzes alles andere als ein Kinderspiel.

„Das ist kein Standard-Projekt“

„Es gibt kein Lehrbuch. Wir bewegen uns in einem einmaligen Sonderbau“, erläutert Magnus Winterholler, Architekt im Bauamt und für das ambitionierte Vorhaben, an dem zahlreiche Handwerksbetriebe mitwirk(t)en, zuständig. „Das ist kein Standard-Projekt“, fügt sein Chef, Bauamtsleiter Jörg Hahn, hinzu. Schließlich müsse das Bauwerk mit den Tribünen und der großen Freifläche am Fuße der Schanzen „vielfältige Anforderungen“ erfüllen. Hahn ist zufrieden mit dem Erreichten, spricht von einer „multifunktionalen Ausbaustufe“. Das heißt: Die Anlage kann vielfältig genutzt werden – für den Spitzen- und Breitensport, für touristische Zwecke und als Veranstaltungsort. Schließlich sollen dort nicht nur sportliche Events über die Bühne gehen, sondern auch kulturelle und gesellschaftliche.

Ursprünglich sollte der zentrale Bauabschnitt, die Sanierung der Gebäudehülle, bis Ende 2019 fertig sein. Doch daraus wurde nichts – und die Corona-Pandemie sorgte zusätzlich für Verzögerungen. Doch nun ist endlich Licht am Ende des Tunnels. Der Abschluss sämtlicher Arbeiten ist für Ende des Jahres vorgesehen. Dazu zählen auch der „Innenausbau Ostkurve“ und der „Neubau Flutlichtanlage“. Im Bau- und Umweltausschuss wurde einer der letzten großen Aufträge vergeben. Es handelte sich um Fliesen- und Bodenlegearbeiten.

Kostenexplosion in der Baubranche

Doch nicht nur der Zeitplan kam durcheinander. Auch die Ausgaben zogen spürbar an – aufgrund der allgemeinen Kostenexplosion in der Baubranche und aufgrund von zusätzlichen Wünschen und unvorhergesehenen Belastungen. „Vor Überraschungen ist man nie gefeit“, sagt Winterholler.

Nach der aktuellen Kalkulation verschlingt das prestigeträchtige Vorhaben mit den drei Abschnitten stattliche 16,4 Millionen Euro. 2020 war man von „nur“ 15,25 Millionen Euro ausgegangen. Allerdings muss die dauerklamme Kommune die Summe nicht alleine schultern. Es fließen ordentlich Fördergelder aus Töpfen des Bundes und des Freistaates. Insgesamt machen die Finanzspritzen 3,86 Millionen Euro aus. Allein die besagte Flutlichtanlage wird großzügig mit 70 Prozent (der zuwendungsfähigen Kosten) bezuschusst.

Zur Erinnerung: Die Gemeinde trat bereits kräftig auf die Kostenbremse. So legte die Ortspolitik die ursprünglich geplante Instandsetzung des Tribünenbereichs (geschätzte Kosten: drei Millionen Euro) auf Eis. Unklar ist, ob das bereits erstellte Museums- und Erlebniskonzept auf dem Areal tatsächlich realisiert wird. Ebenfalls offen: die Frage, was aus der Ausstellung „Die Kehrseite der Medaille“ wird. Das Gemeinschaftsprojekt von Lokalhistorikerin beleuchtet die braune Vergangenheit. Das Skistadion diente bekanntlich den Nazis als Ort der Propaganda und Machtdemonstration. Dem Vernehmen nach soll das Konzept der Präsentation überarbeitet werden.

Flutlichtmasten werden aufgestellt

Auf der Baustelle wird indessen an etlichen Ecken gewerkelt. Ein Großteil ist bereits erledigt oder zumindest weit fortgeschritten. Dies fängt bei der kompletten Haustechnik samt neuer Heizung und den sanitären Anlagen an und hört bei der Fassaden- und Dachsanierung sowie der Neugestaltung der Stadionflächen auf, die unter anderem über moderne Unterflurverteiler für die Versorgungstechnik verfügen. Im August sollen die sieben Flutlichtmasten für eine professionelle Beleuchtung, ausgestattet mit umweltfreundlicher LED-Technik, angeliefert und aufgestellt werden. Derzeit werden hierfür die Fundamente erstellt. Es fehlen dann nur noch Maler-, Fliesen und Bodenbelagarbeiten sowie die Bauendreinigung.

An Beispielen, in denen der Denkmalschutz die Dinge erheblich erschwerte, mangelt es nicht. „Der Bestand muss so weit wie möglich erhalten bleiben“, erläutert Winterholler die Vorgabe. So mussten etwa die Originalfenster restauriert werden. Und auch die Halterungen der Fahnenstangen, ein charakteristisches Merkmal, mussten wieder an die Außenfassade montiert werden – ein kompliziertes Unterfangen. Heute würde man die Masten einfach aufstellen. Hahns trockener Kommentar: „Billiger wird es dadurch nicht.“

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