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Ist stolz auf ihre Auszeichnung: Katrin Eissler hat sich gegen hunderte Bewerberinnen durchgesetzt. 

Beim Festakt war die Bundeskanzlerin dabei

Frauenpower in einer Männerdomäne: Speditions-Chefin erhält besonderen Preis

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Sie ist die erste Frau in Bayern, die diese Auszeichnung erhalten hat. Katrin Eissler hat in Berlin einen Preis für Unternehmerinnen verliehen bekommen. 

Mittenwald/Berlin – Es wimmelt vor Hunden und Security-Personal. Da kann Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr weit sein. Sie schreitet aufs Podium, spricht zu den Gästen. „Live hab’ ich sie noch nie gehört“, sagt Katrin Eissler. Ihr Eindruck: „Ich glaub’, sie hat sich wohlgefühlt in der Gruppe der Unternehmerinnen.“ Die gebürtige Mittenwalderin sitzt im Publikum, als eine von rund 350 Frauen. Sie wird an diesem Donnerstag in Berlin auch noch ans Mikrofon treten – und eine Siegerrede halten.

Knapp eine Woche vor dem Festakt bekommt die 42-Jährige den entscheidenden Anruf. Sie erfährt von ihrem großen Triumph. Eissler setzte sich gegen hunderte Bewerberinnen aus ganz Deutschland durch und wird vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) mit dem Next Generation Award ausgezeichnet. Als Erste in Bayern. „Ich hab’ gefroren“, sagt sie. Gänsehaut pur.

Zum zweiten Mal hat der VdU heuer den Preis – als Schirmherr fungiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier – verliehen. Voraussetzung für die Kandidatur ist unter anderem, dass die Geschäftsfrauen vor mindestens zwölf Monaten ein Unternehmen übernommen haben, 50 Prozent der Gesellschaftsanteile halten und eine geschäftsführende Funktion innehaben. Das Ziel dahinter: erfolgreiche weibliche Nachfolger sichtbarer machen.

Auszeichnung hat sie in ihrer Entscheidung bestätigt

Eissler, die in Garmisch-Partenkirchen wohnt, ist seit Januar 2015 in zweiter Generation Inhaberin und Geschäftsführerin der Spedition Neuner in Mittenwald. Der Familienbetrieb wurde 1974 gegründet und ist neben dem klassischen Speditionsgeschäft mit eigener Flotte in der Kontraktlogistik unterwegs.

Die Entscheidung, diesen Weg einzuschlagen, fiel Eissler nicht schwer. „Ich liebe die Branche mit allen ihren Ecken und Kanten.“ Die kennt sie ob ihrer verschiedenen Stationen. Die 42-Jährige ist Speditionskauffrau mit abgeschlossenem, berufsbegleiteten Studium zur Verkehrsfachwirtin und sammelte bereits Erfahrungen in Logistikkonzernen in London sowie als Controllerin in München und Frankfurt am Main.

„Der Award“, sagt sie, „hat mich in der Entscheidung bestätigt, den Betrieb zu übernehmen.“ Trotz der teilweise 17-Stunden-Tage ist sie vollends zufrieden mit ihrer Tätigkeit. Zumal ihr die Eltern von Anfang an an vollstes Vertrauen schenken und sich aus dem Tagesgeschäft heraushalten.

Innovativ und risikofreudig

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Eissler bezeichnet sich selbst als innovativ und risikofreudig. Muss sie auch sein, um in einer männerdominierten Branche zu bestehen. „Die Frauenquote wird nicht ganz erreicht“, sagt sie und lacht. Die Geschäftsführerin hat mit ihrem Kurs die Expertenjury jedenfalls überzeugt. Sie kann Wachstum vorweisen. „Wir haben unsere Flotte erweitert und mehr Kontraktpartner.“ Gleichzeitig erhöhte sie die Manpower auf 35 Mitglieder. Etwa 20 seien es mal gewesen, sagt Eissler. Auch digital stellt sich der Betrieb auf, bietet interne und externe Schulungen an.

Am Montag kehrte Eissler zurück ins Mittenwalder Büro – „voller Elan und neuem Esprit“. Aus dem Festakt in Berlin zieht sie viel Kraft für den Alltag. Statt Gezicke sei so viel Power im Raum gewesen. Mit vielen Unternehmerinnen unterhielt sie sich auf Augenhöhe, neue Ideen entstanden.

Alle sind stolz. Die Eltern, die Zwillingsschwester und ihr Ehemann. Der ist nicht ganz unbeteiligt am Erfolg. „Hinter jeder erfolgreichen Geschäftsfrau und Mutter“. sagt Eissler, „steckt eben auch ein starker und verständnisvoller Ehemann.“

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