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Good cop, blöd cop: Wolfgang Hagn (M.) und Christoph Walter verhören Lena Halve.

Mehr Komödie, weniger Krimi 

“Mordsleich am Rießersee“ begeistert Publikum 

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Voller Erfolg für die „Mordsleich vom Rießersee“. Das Theaterstück ist bei der Premiere ausverkauft. Das Publikum lacht lauthals – auch wegen der Spitzen gegen die Lokalpolitik.

Garmisch-Partenkirchen– Er liegt im seichten Wasser des Rießersees. Nackt. Tot. Mit einer Wunde am Kopf und am Rücken. Ausgerechnet er, Elmar Schachinger (Hans Jürgen Dämmrich). Österreichs Schlagerstar, der mit seinen Hits wie „Gnadenlos in der Tracht“ die Charts stürmte. Ausgerechnet in der „Hochsicherheitszone“ Garmisch-Partenkirchen, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel seit dem G7-Gipfel ungestört Zeit verbringen möchte. Wer hat das Opfer nur auf dem Gewissen? Wer ein Motiv? Die zwei Ermittler stehen vor einem schwierigen Fall. Nicht nur aufgrund der zahlreichen Verdächtigen.

Zwei absolut grundverschiedene Charakterköpfe hat Matthias Weckmann, Autor der Kriminalkomödie „Die Mordsleich vom Rießersee“, zu Zwangspartnern gemacht. Und dabei den richtigen Riecher bewiesen. Das Premierenpublikum, darunter Vertreter aus Politik und Tourismus, amüsierte sich im ausverkauften Kleinen Theater prächtig über die Dispute des ungleichen Gespanns.

Griabig-unorthodox trifft auf akribisch-analytisch

Das lag daran, dass Christoph Walter als Wachtmeister Böck von der Polizei Garmisch-Partenkichen und Wolfgang Hagn als Hauptkommissar Zellner von der Kripo München ihre Rollen regelrecht zelebrierten. Der eine als Provinz-Bulle, der gern mit Lederhose und Haferlschuhen zum Dienst erscheint und na ja, nur über einen begrenzten Horizont verfügt, der andere als harter Kerl mit Sonnenbrille und Lederjacke. So unterschiedlich die Optik, so unterschiedlich die Arbeitsweise. Griabig-unorthodox trifft auf akribisch-analytisch. „Good cop, blöd cop.“ Weckmann bediente Klischees und gab ihnen ein Gesicht.

Der Mord gerät angesichts der humorigen Dialoge schnell zur Nebensache. Dem Zuschauer ist das ganz recht. Vor allem dann, wenn Böck seinen Kollegen ganz unbewusst provoziert. Und das passiert Nonstop. Der Wachtmeister braucht nur von der Leberkassemmel als „Königin unter den Semmeln“ zu schwärmen oder Zellner, den Evangelen, als Ungläubigen beschimpfen – schon fährt letzterer aus der Haut. Dazu braucht er keine Worte, die Mimik entgleist, das Publikum feixt. Ein Werdenfelser, der einen Städterer an den Rand der Verzweiflung treibt – guter Stoff für ein Stück mit Heimatbezug.

Ins Visier der Ermittler geraten alle, mit denen sie es zu tun bekommen

Bei all ihren zwischenmenschlichen Problemen vergessen sie aber nicht, den Täter zu suchen. Verdächtig sind viele, schließlich hatte es sich der Schlagerstar mit dem halben Ort verscherzt. „Das schafft auch nicht jeder“, merkte Zellner an. Außer einer, klärte Böck gewohnt trocken auf. „Der wurde aber 2014 demokratisch abgewählt.“ Ein Füllhorn an Spitzen gegen die Lokalpolitik oder Begebenheiten wie die „Kamelstraßen“ in der Marktgemeinde durften in der Krimi-Komödie ebensowenig fehlen wie die verschiedensten Tatmotive.

Ins Visier der Ermittler geraten alle, mit denen sie es zu tun bekommen. Die esoterische Pensionsbetreiberin Frau Müller (Ursula Wipfelder), die nicht nur Schachinger mit ihrem Bauchtanz bezirzte, oder ihre naive Tochter Lisa-Marie (Lena Halve), der der Schlagerstar eine große Gesangskarriere versprach. Und dann gibt es da noch den reichen, grummligen Bauern Kneißl (Wolf-Stefan Bögl), den das Opfer vor dem Ableben erpresste und Frau Stock (Melanie Cohn), die Managerin, die Schachinger nach seiner Skikarriere überhaupt erst in den Schlagerhimmel hievte. „Je länger man hier ermittelt, je mehr potenzielle Täter gibt’s“, klagt Zellner.

Jede Rolle hatte seine Eigenheiten, die Regisseurin Tatjana Pokorny gekonnt aus den Darstellern herauskitzelte. Die wahren Helden des Stücks waren aber Walter und Hagn. Als Schauspieler, als Ermittler.

Mit vereinten Kräften überführen sie schließlich den Schuldigen. Dank eines Geniestreichs von – kaum zu glauben – Böck. Denn nicht nur die beiden Darsteller kommen bei der „Mordsleich vom Rießersee“ groß raus, sondern – soviel sei verraten– auch des Wachtmeisters liebste Mahlzeit: die Leberkässemmel.

Weitere Vorstellungen:

von „Die Mordsleich vom Rießersee“, bei der Tatjana Pokorny Regie führt, finden am Samstag, 13. (bereits ausverkauft), und Mittwoch, 24. Mai, statt. Karten sind bei Gap-Ticket (Telefon: 0 88 21/7 30 19 95) oder beim Kreisboten (0 88 21/79 90) erhältlich.

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