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Murnau von oben: Erfährt die Gemeinde eine Bevölkerungsexplosion?

So ergeben sich die erstaunlichen Einwohnerzahlen 

Gemeinden auf Wachstumskurs

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Mehr als 1000 Zuzüge pro Jahr verzeichnet Murnau, in Garmisch-Partenkirchen meldeten 2016 über 2600 Menschen neu ihren Hauptwohnsitz an. Beide Orte scheinen anziehend. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Murnau/Garmisch-Partenkirchen – Keine Frage: Murnau ist eine Schönheit. Wohnimmobilien erzielen astronomisch hohe Preise, wer ein erschwingliches Eigenheim sucht, sieht sich eher nicht am Staffelsee um. Spielt Geld indes keine Rolle, leistet man sich gerne ein Objekt in der malerischen Blauer-Reiter-Umgebung. Claudia Weinhart, Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt, verrät kein Dienstgeheimnis, wenn sie sagt: „Murnau und Umgebung sind hoch begehrt.“

Und doch staunte mancher nicht schlecht, als Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) beim Neujahrsempfang der Gemeinde von „mehr als 1000 Zuzügen“ in einem Jahr sprach. Erfährt Murnau eine Bevölkerungsexplosion? Nein, natürlich kehren auch Menschen dem Ort den Rücken oder sterben. Und es gibt bei dieser Zahl Haken und Ösen – sowie ein spezielles Murnauer Phänomen.

Dafür sorgt die Unfallklinik. Das renommierte Haus zieht Patienten aus dem Ausland an, speziell auch Araber wähnen sich an der Professor-Küntscher-Straße in besten Händen. Viele reisen mit der ganzen Familie an und bleiben oft über einige Monate. Und selbst, wenn sie längst wieder in ihre Heimat nach Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emiraten oder Katar zurückgekehrt sind, geistern viele noch in Murnau herum – in Weinharts Register. In der Regel, sagt diese, melden Konsulats-Vertreter die Patienten und ihre gerne drei, vier Begleiter – mehrere hundert Araber pro Jahr – bei der Gemeinde als Neubürger an, wenn nach drei Monaten die Visa der Nicht-EU-Bürger auslaufen, aber „meist“ nicht wieder ab, wenn sie Murnau verlassen. Das Problem fuchst Weinhart, die diverse Stellen kontaktierte, ohne ihm Herr geworden zu sein. „Wir haben nie genaue Zahlen, die Sache verfälscht unsere Statistik“, klagt sie. 2016 hat sie 300 „Pseudo-Murnauer“ „auf die Schnelle“ getilgt, bei denen klar war, dass sie sich längst nicht mehr in der Region aufhalten. Vor allem bei den arabischen Begleitern, die in Privatunterkünften wohnen, gestaltet es sich allerdings schwierig, noch aktuelle Bewohner von längst Abgereisten zu unterscheiden. „Wir haben einen gewissen Prozentsatz an Karteileichen“, räumt Weinhart ein.

Dazu gehören Saisonarbeiter, speziell im Baugewerbe, nicht. Wer auf einer Baustelle in Murnau sein Geld verdient, müsse angemeldet werden, auch wenn er nicht lange bleibe, sagt Weinhart. Das pumpt die Bevölkerungszahlen zusätzlich auf. Doch bei dieser Klientel klappt es zumindest mit den Abmeldungen, wenn sie den Arbeitsort wechselt. Weinhart schätzt, dass rund 600 echte Neu-Bürger pro Jahr nach Murnau kommen. 300 bis 400 Menschen, glaubt sie, müsse man von der Bevölkerungszahl abziehen, weil sie schlicht gar nicht mehr im Ort leben. Generell schwanke die Zahl der jährlichen Zuzüge. Aktuell sind rund 12 260 Menschen mit Haupt- und etwa 530 mit Nebenwohnsitz gemeldet. Mitte 2013, nach einer viel kritisierten, durch den Zensus bedingten Schrumpfung, war die Gemeinde nur auf etwas über 11 500 Menschen mit Hauptwohnsitz gekommen.

Auch in Garmisch-Partenkirchen stehen die Zeichen summa summarum auf Wachstum. Über 2000 Zuzüge im Jahr sind nach Angaben von Thomas Bader, Chef des Einwohnermeldeamts, die Regel. 2016 waren’s bei den Hauptwohnsitzen gar über 2600, so dass Ende Dezember knapp 28 000 Einwohner zu Buche standen, mit Nebenwohnsitzen sogar über 29 000. Zum Vergleich: 2010 waren in beiden Kategorien noch etwa 27 600 Menschen registriert gewesen. Im gleichen Zeitraum stieg der Ausländeranteil nach Baders Worten deutlich an – von rund 11 auf etwa 18 Prozent. Hier, so Bader, fielen die Erstaufnahmeeinrichtung und die Flüchtlinge ins Gewicht. Dazu kommen auch in Garmisch-Partenkirchen die Intermezzo-Einwohner: Bauarbeiter und Saisonkräfte wie Skilehrer.

Selbst Karteileichen, so ärgerlich sie sein mögen, haben zumindest einen positiven Nebeneffekt. Denn Einwohner bedeuten für Orte bares Geld. Die Bevölkerungszahl ist eine entscheidende Größe, wenn es darum geht, welche Summe über den kommunalen Finanzausgleich in den Gemeindesäckel fließt.

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