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Großbaustelle: Die Modernisierung des Museums wird viel teurer als gedacht.

Entscheidung zum Werdenfels Museum: Kreisräte die „Deppen“?

Museumsumbau: Kosten explodieren und Kreisbaumeister Zenger in Erklärungsnot

25 Prozent mehr: Die Kosten bei der Modernisierung des Werdenfels Museums explodieren. Mehr noch regt die Kreisräte auf, dass eine wichtige Entscheidung ohne sie getroffen wurde. Kreisbaumeister Alkmar Zenger gerät wegen der Fassade in Erklärungsnot.

Stand Dezember 2015: Bei der Frage nach dem Fassaden-Entwurf, über den jetzt diskutiert wurde, verweist das Landratsamt auf diesen einfachen Plan von Ende 2 015.

Garmisch-Partenkirchen – Eine Rüge bei der Arbeit ist nie schön. Wenn der Chef Anton Speer heißt, Landrat ist, und er vor den versammelten Kreisräten verbale Watschn verteilt, hat man ein Problem. „Ich bitte Sie, bringen Sie das in Einklang“, forderte Speer (Freie Wähler) seinen Kreisbaumeister auf. Die von Alkmar Zenger ausgelöste Diskussion nannte der Behörden-Leiter schlichtweg „nicht akzeptabel“. Das war nicht der einzige unschöne Moment im Streit um die künftige Fassade des Werdenfels Museums, bei dem Zenger schlecht aussah.

„Vorgehensweise, die mir nicht gefällt“

Was gleich mehrere Lokalpolitiker auf die Palme brachte, war eine simple Tatsache. Zenger hatte in seinem Bericht erklärt: „Nun geht es um die Ausführung der Fassade, für die ein Entwurf vorliegt.“ Sprich: Entscheidungen sind bereits gefallen. Und das, obwohl Zenger laut Wolfgang Bauer (CSU) zugesagt hatte, zuvor ins Gremium zu gehen. „An das haben Sie sich nicht gehalten“, kritisierte Garmisch-Partenkirchens Zweiter Bürgermeister. „Das ist eine Vorgehensweise, die mir nicht gefällt.“

Zumal, rief Bauer in Erinnerung, die Fassade „eine zeitgenössische Interpretation“ sei. Bei einem Gebäude, das im historischen Zentrum von Partenkirchen steht. „Wir gehen daran jeden Tag vorbei. Wir werden angesprochen“, machte Elisabeth Koch (CSU) klar. Sie warf Zenger indirekt vor, die Kreisräte als „Deppen“ dastehen zu lassen.

„Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt“

„Das sind Diskussionen, die es nicht braucht“, sagte Walter Echter (CSB) in Richtung des Kreisbaumeisters. Er habe zugesagt, die Lokalpolitiker in Entscheidungsprozesse einzubinden. „Wir werden stattdessen vor vollendete Tatsachen gestellt“, meinte Bauer. Und das auch noch „fast schon nebenbei“, monierte Andreas Grasegger (Bayernpartei).

Zenger selbst erinnerte an die „anderen Voraussetzungen“, die es vor dem Baustart gab. So sei im Wettbewerb noch eine Lochfassade für das Rückgebäude vorgesehen gewesen. Dann habe man sich für die große Modernisierungslösung samt Neubau entschieden. Die Fassaden-Gestaltung sollte aus einem Guss sein. Für große Irritationen sorgte Zenger dann mit seinen Ausführungen zum Entscheidungsprozess, in den Dr. Michael Rapp (CSU) als Kreisrat eingebunden gewesen sein soll. „Das ist der Stellvertretende Landrat und damit Behördenvertreter“, polterte Koch daraufhin. Rapp nahm nicht an der Sitzung teil und konnte dementsprechend nicht Stellung nehmen, ob er Teil eines Entscheidungsgremiums war oder nicht. Auf Tagblatt-Anfrage rudert Zenger nun aber ohnehin zurück: Demnach sei er von „einigen“ Kreisräten missverstanden worden. Seine Aussagen sollen sich plötzlich auf die Innenraumgestaltung bezogen haben. Und das inmitten einer hitzigen Diskussion um eine Fassade.

Termin vor Ort vereinbart

Wie genau diese denn aussehen soll, wie der Entwurf gestaltet ist, dessen Ausführung schon anstand, bleibt derweil offen. Auf Anfrage der Heimatzeitung verweist das Landratsamt lediglich auf den bereits veröffentlichen Fassadenplan vom Dezember 2015. Dieser sei auch im Juli 2016 dem Kreisausschuss gezeigt worden. Eine eher einfache Skizze. Dass nicht mehr vorliegen soll, verwundert angesichts der modernen Computerpräsentation, die es für das Projekt gibt. Mehr Klärung könnte ein Termin vor Ort bringen, den Zenger nun sehr schnell anberaumt hat. Bereits am heutigen Donnerstag soll die Baustelle besucht und über die Fassade diskutiert werden.

Fast schon unter ging in dem Streit die Kostenexplosion, die Zenger zu verkünden hatte. Statt 2,1 Millionen soll der Umbau nun 2,9 Millionen Euro kosten. Ein Anstieg um 25 Prozent. Als Grund wurde unter anderem das „enge historische Umfeld“ genannt. Eine Erklärung, die Kreisrat Martin Schröter (FDP) nicht gelten ließ: „Das muss man doch schon vorher gewusst haben.“

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