Einstimmiges Votum des Gemeinderats 

Nach 14 Jahren ist es nun fix: GaPa-Tourismus wird eine GmbH

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Es ist geschafft: 14 Jahre und zahlreiche Anläufe hat es gebraucht, bis GaPa-Tourismus eine neue Rechtsform erhalten hat. In selten gekannter Einmütigkeit votierte der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat für eine GmbH. Jetzt muss noch ein Geschäftsführer oder eine neue Doppelspitze gefunden werden.

Garmisch-Partenkirchen – Für Peter Ries, den ehemaligen Direktor von GaPa-Tourismus, der sich Ende vergangenen Jahres in den Vorruhestand verabschiedete, war es ein Tag der Freude, mit dem er nicht mehr gerechnet hatte. „Dass ich das noch erleben darf“, sagte Ries. Er saß mit zahlreichen Mitarbeitern des Amts 80, unter dieser Bezeichnung läuft die Tourismus-Abteilung bislang in der Rathausverwaltung, auf der Tribüne des Großen Sitzungssaals und bekame eine bahnbrechende Entscheidung des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats hautnah mit. Mit 28:0 votierten die Kommunalpolitiker dafür, dass GaPa-Tourismus ab dem 1. April 2019 als GmbH am Markt aktiv ist. Für diese Rechtsformänderung hatten Ries und Peter Nagel, der inzwischen in Berchtesgaden in gleicher Funktion wie in Garmisch-Partenkirchen arbeitet, viele Jahre lang gekämpft. Viele Jahre vergeblich. Elisabeth Koch, die CSU-Fraktionsvorsitzende, nannte eine Zeitspanne von „14 Jahren“.

Das Gutachten der vier beteiligten Beratungsbüros war ebenso eindeutig ausgefallen wie das Votum der Gemeinderäte. Die GmbH sei jene Rechtsform, „mit der das Erreichen der gesteckten wirtschaftlichen und strategischen Ziele am besten gewährleistet wird“, sagte Rechtsanwalt Andreas Schriefers, der zusammen mit Lars Bengsch von der dwif-Consulting die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierte. Koch bezeichnete die Empfehlung als „eindeutig und überzeugend. Erfolgreicher werden wir GaPa-Tourismus nur dadurch machen, dass wir der GmbH den Freiraum verschaffen, den sie braucht, um unabhängig von den Strukturen der Verwaltung zu agieren“.

Gemeinde behält Mitspracherecht und Kontrollfunktion

Schriefers räumte im Rahmen der Präsentation mit dem Gerücht auf, die Rechtsformänderung koste Arbeitsplätze. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Ihm zufolge wird der Personalstand wachsen. „Um rund elf Prozent.“ Die GmbH habe positive Auswirkungen auf den Gemeindehaushalt. Die Ausgaben erhöhten sich nur um rund sieben Prozent, der Zuschuss steige zwischen null und fünf Prozent und die Einnahmen legten um drei bis vier Prozent zu. Die neue GmbH, für die es noch keinen Namen gibt und die mit einem Stammkapital von 50 000 Euro ausgestattet ist, wird auch in Zukunft bis zu einem gewissen Grad vom Markt alimentiert werden. Der Zuschuss, sagte Koch, dürfe das heutige Niveau allerdings nicht übersteigen.

Die Gemeinde behält ein Mitspracherecht und eine Kontrollfunktion, die der Aufsichtsrat, analog dem der Gemeindewerke, ausüben soll. Schriefers: „So viel Kontrolle wie nötig, so viel Freiheit wie möglich.“ Den Vorsitz soll Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) bekommen, die Fraktionen, die im Ältestenrat vertreten sind, jeweils zwei Mitglieder entsenden. Auch einen Beirat hält Schriefers für sinnvoll. „Daran sollte unsere Schlüsselindustrie beteiligt sein“, meinte CSB-Fraktionschef Florian Hilleprandt. Wer in diesem Gremium allerdings den Mund aufmachen wolle, müsse „auch den Geldbeutel aufmachen“.

Zeitnahe Ausschreibung des Chefpostens

Die Einflussmöglichkeiten des Gemeinderats werden indes beschnitten. Eine Tatsache, die Dr. Stephan Thiel (Unabhängig-Grüne Fraktion) kritisierte. „Ich muss etwas Wasser in den Wein gießen“, sagte er. Er beklagte, dass Transparenz für die Bürger verloren gehe. „Ich wünschte mir, wir hätten die Informationsfreiheitssatzung auch auf GmbH ausgeweitet.“ Martin Schröter (FDP) sprach gar von „Selbstentmachtung“.

Der Erfolg der neuen Gesellschaft steht und fällt mit dem Kopf. Nach dem Abgang von Ries und Nagel herrscht ein Führungs-Vakuum, das jetzt so schnell wie möglich gefüllt werden soll. Die Gutachter können sich erneut eine Doppelspitze vorstellen, die laut Schriefers „allerdings nicht zwingend gleichberechtigt sein muss“. Die Ausschreibung des Chefpostens soll zeitnah geschehen. Der neue Frontmann muss ein Alleskönner sein. Verkäufer und gleichzeitig Finanzexperte. Leute mit diesem Anforderungsprofil sind dünn gesät und sicherlich nicht billig. Welche Qualifikation die haben müssen, fasste Florian Möckl plakativ zusammen. „Was wir brauchen, ist eine Eier legende Wollmilchsau“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler.

Rubriklistenbild: © THOMAS SEHR

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