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Bei allen wichtigen Bauschritten der neuen Seilbahn Zugspitze ist Peter Huber vor Ort. Wie 2017, als die Rollensattel angebracht werden.

„Es ist gut so“

Zu viel Geduld, zu wenig Akku: Nach 38 Jahren bei der BZB geht Peter Huber in den Ruhestand

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„Servus Peter“ steht auf dem Schild am Rathausplatz, neben einem Bild von der Baustelle zur neuen Seilbahn-Zugspitze. Sie war Peter Hubers letztes Projekt bei der Bayerischen Zugspitzbahn. Mit diesem Gruß verabschiedet sich das Marketing-Team von seinem Vorstand. Nach 38 Jahren geht er in den Ruhestand. Und es ist gut so, sagt Huber.

„Servus Peter“ sagt das Marketing-Team der Zugspitzbahn.

Garmisch-Partenkirchen – Geduldiger ist er geworden. Zumindest sagt Peter Huber das über sich selbst. Klingt positiv. Gerade bei jemandem, der nicht gerade als Mister Gelassenheit bekannt ist. Nur – Huber gefällt diese Seite nicht an sich. Weil wenn man geduldig wird, wird man – in seiner Welt – langsam. Dann geht nicht mehr so viel vorwärts. Und das kann er nicht leiden. Peter Huber gefällt nur ein Peter Huber mit 100 Prozent. In all seiner Ungeduld und seinem unbedingten Einsatz. Das hat ihm zuletzt gefehlt. „Meine Batterien waren leer“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. Deshalb hat sich der 64-Jährige in den Ruhestand verabschiedet. Nach 38 Jahren bei der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB).

Als Betriebsleiter fängt Huber 1981 bei der Bayerischen Zugspitzbahn an

Als Betriebsleiter der Alpspitzbahn fing der studierte Maschinenbauer am 1. April 1981 an, 2002 übernahm er den Posten des Technischen Vorstands. Huber hat sie miterlebt, die düsteren Zeiten nach der Fusion der Wankbahn AG und er Bayerischen Zugspitzbahn AG. Als das Unternehmen der Gemeinde tiefrote Zahlen schrieb, die Verantwortlichen über zehn Mitarbeitern kündigen mussten, Flächen – wie das Areal in Garmisch, auf dem heute der Discounter Lidl samt Parkplatz stehen – verkauften, um Löhne und Gehälter zu bezahlen. Doch auch wenn mancher Kommunalpolitiker es anders sah: Für Huber war immer klar, dieses Unternehmen wird Erfolg haben. Er behielt recht. Jahr für Jahr baute man das Minus ab – bis zur Wende 2007/08. Zum ersten Mal schrieb die BZB schwarze Zahlen. Huber und sein Team – „super Leute“, wie er oft betont – gaben immer weiter Gas.

Einweihung der neuen Bahn: Peter Huber (M.) und Projektleiter Martin Hurm.

Als Vorstand verantwortete er die vielen Bauprojekte des Unternehmens, die er zuvor bereits ohne den Posten in der Geschäftsführung mit vorangetrieben hatte. Den Bau der Gletscherbahn etwa sowie der Gletscherstation am Zugspitzplatt, den neuen Wetterwandecklift, den Kandahar-Express, das Alpspix. Und natürlich das neue 50-Millionen-Euro-Projekt, die Seilbahn Zugspitze. „Herausragend in jeder Hinsicht“, sagt Huber. Eine Genugtuung auch. Weil sie beweist: Die „ganzen Gscheidhaferl und Zweifler“ haben sich geirrt. All die Kunden und vor allem manch ein Kommunalpolitiker, von denen er immer nur „das geht nicht“, und „zu teuer“ gehört hat. Die Bahn war Hubers persönlicher Traum, seit den 1980er Jahren hat sie ihn beschäftigt. Im Dezember 2017 wurde sie eingeweiht. Nach drei Jahren Bauzeit, neun Monate brauchten die Arbeiter rein für die Seilbahn. Eine Zeit, die – Huber betont es noch einmal – ohne seine Mannschaft nicht zu stemmen gewesen wären. Den Vorsitz beim Verband Deutscher Seilbahn legte er für das Projekt nieder. Das wird ihm zu viel werden, das war ihm klar. Wurde es auch so.

Bauzeit zur Seilbahn Zugspitze: Zweifel kommen auf

In der Bauzeit kam es zum ersten Mal. Dieses Gefühl, dass sich der Akku nicht mehr ganz laden lässt. Gesundheitliche Probleme folgten. Schwerwiegende. Genaueres müsse niemand wissen, sagt Huber, sei nicht wichtig. Doch gab ihm die Situation zu denken. „Ist es das alles noch wert?“ Die Antwort fand er bald. Entgegen dem Wunsch des Aufsichtsrates verlängerte der 64-Jährige seinen Vertrag als Technischer Vorstand nicht. Am 1. November begann sein Leben als Pensionist.

Was er jetzt macht? Wie so ein Ruhestand ausschaut? Ob er eher viel Freizeit hat oder ständig unterwegs sein wird? Huber hat keine Ahnung. Hat sich auch keine Gedanken gemacht. „Ich weiß nicht, was ich jetzt so treib.“ Seinen Sohn wird er in den USA besuchen. An seinen Oldtimer-Motorrädern wird er herumschrauben. Im Winter wird er Skifahren gehen auf den Pisten, die er so gestaltet hat, dass er sich freut, wenn er im Ruhestand darauf schwingt, sagt er und lacht. Aber wie es sich anfühlen wird, wenn er nicht mehr Teil der BZB-Familie ist – er wird’s herausfinden. Sicher spürt er nur: Es ist gut, zu gehen.

Huber weiß die Bayerische Zugspitzbahn in guten Händen

Huber weiß das Unternehmen, das wirtschaftlich so gut dasteht wie noch nie, in guten Händen. Die Zusammenarbeit mit den Gemeindewerken als Gesellschafter laufe bestens. Hubers Wunschkandidat Karl Dirnhofer fungiert künftig als Technischer Leiter und damit Hubers Nachfolger. Sein Posten in der Führung wird nicht neu besetzt, Matthias Stauch ist nun alleiniger Vorstand.

Sollte jemand Fragen haben – Huber hilft gerne. Dass er aber einen Beraterposten oder dergleichen übernimmt, kann er sich aktuell nicht vorstellen. Aber wer weiß. Er hat ja noch keine Ahnung, wie so ein Ruhestand funktioniert. Eines aber schließt er kategorisch aus: ein Engagement in der Kommunalpolitik. Zum Schutz für sich und andere. „Da gäb’s Tote“, sagt Huber und lacht. Mindestens rechnet er recht schnell mit einer Anzeige wegen Beleidigung. Zu sehr nervt es ihn, wenn nur – im schlimmsten Fall Blödsinn – geredet statt gehandelt wird. Dafür reicht die Geduld dann doch nicht.

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