+
Frust pur. Deutschlands Nationaltorwart Manuel Neuer verlässt den Platz. Und die Weltmeisterschaft.

Nach dem Aus bei der Fussball-Weltmeisterschaft

DFB-Trikot wird kein Renner mehr - Kinder jubeln trotzdem weiter

  • Katharina Bromberger
    VonKatharina Bromberger
    schließen

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland geht weiter. Ohne Deutschland. Die Stimmung ist auch im Landkreis getrübt, Trikots bleiben liegen, das Interesse an Public Viewing sinkt. Ein Tipp: Wer sich schwertut mir dem Verarbeiten, kann sich ein Beispiel an Kindern nehmen.

Landkreis – Lukas Spindler ist in der Früh aufgewacht – und wollte von der Weltmeisterschaft nichts mehr wissen. Den Tag nach dem Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft empfand der Unterammergauer als noch schlimmer als den Moment selbst. In der Arbeit, im Sporthaus Mühlstraßer in Oberammergau, wird er auch noch brutal an die Niederlage gegen Südkorea erinnert: Ein Stapel an Deutschland-Trikots wartet auf Abnehmer. Um die 40, schätzt Spindler. Zudem Schals und Caps. Das Team hatte großzügig geordert, hat an ein gutes Resultat der Deutschen – mindestens Viertelfinale – geglaubt. Jetzt „will die Sachen wahrscheinlich nicht mal jemand geschenkt“.

Die Trikots „werden sicher kein Renner mehr“, sagt Roland Öller, Inhaber des Sportgeschäfts STS in Murnau. Doch er hatte ohnehin vorsichtig bestellt. Maximal 15 Stück liegen herum. Auf all die kleinen WM-Fanartikel hatte er verzichtet. Im Einzelhandel mache man damit kein Geschäft mehr, „das bestellen die Leute im Internet“.

„Gott sei Dank hatten wir nicht viele da“

Erleichtert schaut Tobias Papistock von der Sport-Zentrale Papistock in Oberammergau auf den Trikotständer. Etwa fünf Stück hängen dort. „Gott sei Dank hatten wir nicht viele da.“ Ob er mit einem frühen Aus gerechnet hat? Er persönlich – ja. Nach der schlechten Vorbereitung. Aus einem anderen Grund aber führt das Geschäft nur wenige Trikots. 130 Euro für das offizielle Dress der Spieler – „das ist Wahnsinn“.

Über enorme oder besorgniserregende finanzielle Einbußen durch das WM-Aus klagt jedenfalls keiner der Einzelhändler. Ebenso wenig wie Gastronomen.

Auf etwa zehn Prozent mehr Umsatz hatte Miriam Messerschmitt mit ihrem Public-Viewing-Angebot im Peaches in Garmisch-Partenkirchen gehofft. Dass dies ausbleibt, sieht sie entspannt. „Jetzt wird es eben ein normales Jahr.“ Trauriger findet sie, auf das WM-Fieber verzichten zu müssen. Zwei Großbildleinwände und knapp zehn Fernseher hatte sie aufgebaut. Am Mittwoch war das Haus voll. Die Stimmung nach dem Abpfiff – gedrückt und traurig. Nun hofft sie, dass die gute Laune bei anderen WM-Spielen zurückkommt. Sie wird diese jedenfalls weiterhin live übertragen – auch wenn Interesse und Euphorie „bestimmt nicht vergleichbar sind“.

Ohne deutsche Beteiligung „interessiert’s nicht“

Darauf reagiert das Team im Mittenwalder Eisstadion. Dort war alles für ein Fußball-Fest vorbereitet. Biertischgarnituren für etwa 600 Zuschauer waren aufgebaut. In den nächsten Tagen räumt Max Mayer, dessen Mutter das Stadion betreibt, alles auf, trägt den Beamer in den ersten Stock. Dort werden die weiteren Partien gezeigt. Etwa 100 Leute finden Platz – reicht leicht, weiß Mayer aus Erfahrung. Ohne deutsche Beteiligung „interessiert’s nicht“. Wirtschaftlich sieht er das sportliche Debakel gelassen. Damit müsse man rechnen. Aus hin oder her – Papistock rechnet nach wie vor mit einer „interessanten WM“. Wie Mayer kann er sich den Sieg eines Außenseiters vorstellen. Das hofft nun Spindler.

Noch am Donnerstag hatte er sich umentschieden: Als Fußball-Fan verfolgt er die WM weiter, drückt jetzt den Belgiern die Daumen. Deren Trikot „muss ich mir erst noch kaufen“. Sein Humor war zurück. Bis er die Niederlage aber ganz verdaut hat, dauert es noch. Womöglich sei er, der mit dem WSV Unterammergau gerade den Aufstieg in die Kreisklasse gefeiert hat, erfolgsverwöhnt. Bislang habe er mit dem Nationalteam viele Siege erlebt, als FC-Bayern-Anhänger ist er Titel gewohnt. „Vielleicht“, frotzelt er, „fällt es einem 60er-Fan leichter, das Ganze zu verarbeiten.“

Problemlos gelingt das offenbar Kindern. Klar waren sie traurig. Das berichten sowohl Angelika Bader als auch Andrea Meder, Rektorinnen der beiden Grundschulen in Murnau. Doch analysierten die Mädchen und Buben die Lage nüchtern. Ihr Fazit: Die Deutschen waren schlecht, die andere besser. In einer Klasse an der Emanuel-von-Seidl-Schule zeigten sich die kleinen Fans flexibel: Deutschland ist raus – jetzt feuern sie Brasilien an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare