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Da war die Welt noch in Ordnung: Thomas Bruner (l.) und Florian Zwipf-Zaharia vor der Lumpazivagabundus-Bühne im Amphitheater des Michael-Ende-Kurparks.

Kultursommer-Mitwirkende warten auf ihr Geld

Die Leidtragenden der Insolvenz

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Um die 100 Mitwirkende haben vor und hinter der Bühne den Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen zum Leben erweckt. Unermüdlich seit 2003. Die Insolvenz des Veranstalters hat viele von ihnen hart getroffen. Einige haben von der Spielzeit 2016 bislang gar kein Geld gesehen.

Liebe zum Detail beweist Petra Hebeisen-Unruh (l.) bei ihren Kostümen – wie denen für „Romeo & Julia“.

Garmisch-Partenkirchen – Eine Entschuldigung. Zumindest die hätte Petra Hebeisen-Unruh erwartet. Gekommen ist bislang nichts. Kein Wort des Bedauerns von Florian Zwipf-Zaharia, kein Angebot der Unterstützung. Auch nicht von Seiten der Gemeinde, in deren Auftrag Zwipf-Zaharia schließlich die Reihe seit 2003 veranstaltet hatte. „Keine Ausfallbürgschaft, kein Kultursommer 2017 in Folge, keine rechtliche Beratung, etwa über die Möglichkeit, Insolvenzgeld zu beantragen, nicht einmal ein persönliches Gespräch oder der Ausdruck des Bedauerns“, sagt Hebeisen-Unruh. „Und das für 14 Jahre kulturelles Engagement in der Marktgemeinde.“ Sie und viele andere Mitwirkende des Kultursommers in Garmisch-Partenkirchen fühlen sich völlig allein gelassen. Allein mit der Insolvenz der Cultus Production GmbH, deren Geschäftsführer Zwipf-Zaharia war. Die Pleite hat sie im vergangenen Herbst ganz unvorbereitet getroffen. Und gewaltig ins Schleudern gebracht – emotional wie finanziell.

Für das, was Hebeisen-Unruh als Kostümbildnerin für die Veranstaltungsreihe geleistet hat, gab’s bisher nämlich keinen Cent. Die Murnauerin ist sogar doppelt betroffen. Nicht nur sie, sondern auch ihr Mann Thomas Unruh hatte sich im vergangenen Jahr gut sechs Monate den Produktionen gewidmet. Unbezahlt. Unruh war für die Musik von „Räuber Kneißl“ und der „Kindertragödie“ zuständig – und er hat zudem die Vorstellungen in der Bayernhalle live begleitet. Einen niedrigen fünfstelligen Betrag hat das Ehepaar dafür in Rechnung gestellt. Genau wie bei früheren Kultursommern. Beide zählen zu den Urgesteinen der Reihe und waren regelmäßig dabei. Besonders hart: Nicht nur auf ihren Lohn, sondern auch auf Auslagen für Material in Höhe von etwa 500 Euro wartet Hebeisen-Unruh – bislang vergeblich.

Gut 1000 Euro hat auch Thomas Bruner aus eigener Tasche vorgeschossen – für alles mögliche, das für seine Bühnen noch gebraucht wurde. „Wir haben das immer so gehandhabt“, sagt der Garmisch-Partenkirchner, der insgesamt ebenfalls gut sechs Monate in die Reihe investiert hat. Man vertraute sich schließlich. Dass 2016 alles anders ist, damit hat er nicht gerechnet. Wie die Murnauer hat er bislang kein Geld für seine Leistungen gesehen. Zwei neue Bühnen – eine in der Bayernhalle für den „Räuber Kneißl“, eine für die „Kindertragödie“ am Rießersee – hat er neu geschaffen. Eine weitere, die für „Momo“, galt es, zu reaktivieren. 10 000 Euro hat Bruner dafür veranschlagt. Ein Sonderpreis, wie ihn auch viele weitere Mitwirkende angesetzt haben. Der Kultursommer – für sie eine Herzensangelegenheit. Was sie einte: Etwas für ihren Heimatort zu schaffen. Einen Gewinn machte der Architekt, der in der heißen Phase vor den Premieren im Schnitt sechs Wochen am Stück vor Ort war, damit nicht. „Ich kann mir Garmisch-Partenkirchen immer nur durch andere Jobs leisten.“

Überzeugt als Graue Herrin: Stefanie von Poser.


Ein Luxus waren die sommerlichen Engagements nicht nur für die einheimischen Künstler, sondern auch für die von außerhalb. Steht sie auf der Bühne, wie vergangenes Jahr als Graue Herrin in „Momo“, gehen Stefanie von Poser lukrative Drehtage durch die Lappen. Darauf verzichtet die Schauspielerin, die als Emilie Hofer in der ZDF-Serie „Die Bergretter“ die Herzen der Fernseh-Zuschauer erobert hat, aus Liebe zum Theater und aus Idealismus. Und auch, weil sie die Garmisch-Partenkirchner Reihe, bei der sie erstmals 2013 mitgewirkt hatte, überzeugte. „Den Ort und die Leute behalte ich in guter Erinnerung“, versichert die Münchnerin. Das gilt allerdings nicht für das unrühmliche Ende. Sie bekommt nicht nur keine Gage für ihr zweiwöchiges Engagement, ihr gingen außerdem 17 000 Euro durch die Lappen. „Ich musste für zwei geplante Vorstellungen von Momo im Gasteig eine Tournee absagen.“ Nachdem das Gastspiel in München aber insolvenzbedingt gestrichen wurde, bedeutete das für sie einen doppelten Verlust. „Bitter“, findet von Poser. Und das vor allem vor dem Hintergrund, „dass auch ich noch wenigstens auf eine Entschuldigung warte.“

Dem kann sich Hebeisen-Unruh nur anschließen. „Florian Zwipf-Zaharia bat lediglich darum, man solle ihm nicht böse sein, weil er selbst der größte Leidtragende sei“, erinnert sie sich. Eine Farce, wenn man bedenkt, wie hart die Insolvenz sie und viele Mitwirkende getroffen hat. Inwieweit ihre Ansprüche, die bei der Sorg Insolvenzverwaltung mit Sitz Ulm gebündelt werden, letztlich befriedigt werden, steht in den Sternen. Bislang ist nicht klar, wie viel Masse, das heißt wie viel Geld, tatsächlich von der Cultus Production GmbH zum Verteilen an Gläubiger übrigbleibt. „Das kann noch ein paar Monate dauern“, sagt Silvia Ender, Sprecherin des Insolvenzverwalters.

Was Hebeisen-Unruh unabhängig davon aufbringt, ist die Rolle der Gemeinde in dieser tragischen Geschichte: „Im Nachhinein frage ich, ob sie nicht mitverantwortlich ist, weil ihr Zuschuss von 220 000 Euro nicht in einer rechtlich geschützten Form verteilt, sondern einer GmbH in die Hand gegeben wurde, die mehrere Projekte anscheinend unglücklich finanziell miteinander verquickte.“

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