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St.-Josefs-Heim in Garmisch-Partenkirchen: Landratsamt stellt künftige Pläne vor

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Von: Christian Fellner

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Ortsbesichtigung: Vertreter des Kreisausschusses und der Verwaltung besuchen das bisherige Heim St. Josef.
Ortsbesichtigung: Vertreter des Kreisausschusses und der Verwaltung besuchen das bisherige Heim St. Josef. © sehr

Wie geht‘s weiter mit dem St.-Josefs-Heim in Garmisch-Partenkirchen? Die SPD hat ihre eigenen Vorstellungen, denkt zum Beispiel an ein Wohnheim für die Krankenpflegeschule. Das Landratsamt verfolgt jedoch andere Pläne.

Garmisch-Partenkirchen – Die Zukunft des St. Josefs-Heims in Garmisch-Partenkirchen hat den Kreisausschuss beschäftigt. Das Landratsamt plant dort, nach dem G7-Gipfel das Gesundheitsamt unterzubringen, um dessen Räume an der Partnachstraße endlich renovieren zu können. Die SPD im Landkreis kann mit dieser Zwischenlösung nicht gut leben. Ihre Forderung: Die Räumlichkeiten an der Partenkirchner Blumenstraße sollten schnellstmöglich wieder als Wohnheim beispielsweise für die Krankenpflegeschule oder – wie grundsätzlich auch von der Kreisverwaltung angedacht – für das Berufliche Schulzentrum in der Marktgemeinde genutzt werden.

In der Sitzung musste Harry Helfrich, der SPD-Vertreter im Ausschuss, jedoch erkennen, dass das Vorgehen der Kreisverwaltung durchaus Sinn macht. Eine sofortige anderweitige Nutzung ist nicht möglich. „Ich muss heute dagegen stimmen, aber ich rede mit meinen Kollegen, dass wir den Antrag zum Kreistag vielleicht zurücknehmen.“ Gegen die eine Proforma-Stimme willigte das Gremium ein, den von Kreisbaumeister Alkmar Zenger aufgezeigten Weg einzuschlagen und die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde dort zu parken.

Südtrakt in schlechtem Zustand

Um sich ein Bild von der Situation zu machen, trafen sich die Mitglieder des Ausschusses im Vorfeld zur Ortsbesichtigung, danach ging es in den Sitzungssaal im Garmisch-Partenkirchner Rathaus. Dort legte Helfrich noch einmal dar, warum die SPD-Fraktion den Antrag gestellt hatte. „Wir haben eigentlich einen einstimmigen Beschluss, dass dort wieder ein Schülerwohnheim reinkommt.“ Er habe durchaus Verständnis für die Argumente Zengers, aber: „Dann brauchen wir einen neuen Beschluss.“ Den holten sich die Vertreter der Behörde nun.

Zenger legte die Situation noch einmal dar: Beim St.-Josefs-Heim handelt es sich um einen Gebäudekomplex aus dem Jahre 1957. Die Anlage befindet sich mitten in einem hochwertigen Wohngebiet. Speziell der Südtrakt ist in einem schlechten Zustand. Davon konnten sich die Kreispolitiker überzeugen. „Der Gebäudeteil ist im Grunde nicht mehr zu erhalten“, merkte Zenger an. Abriss und Neubau seien angesagt. Im Nordteil schaut es besser aus. Dort wurde 2015 im Bereich Sanitär und Heizung saniert. Nur, bedauert Zenger: „Energetisch leider nicht, dort gibt es keinerlei Dämmung.“ Dennoch: Diesen Trakt nutzt derzeit die Polizei für den G7-Gipfel. „Diese Büros können danach eins-zu-eins vom Gesundheitsamt genutzt werden.“

Grundsätzliche Bedarfsanalyse nötig

Bei diesem Plan bleibt es auch. Eine schulische Nutzung ist nicht notwendig. „Wir haben derzeit keinen Schulsprengel, der es erfordern würde, ein Wohnheim vorzuweisen“, erläuterte Zenger. Selbstverständlich hoffe man auch im Landratsamt im Sinne des Beruflichen Zentrums auf Neuzuweisungen, um den Bestand langfristig sichern zu können. „Aber nach Rücksprache mit der Schulleitung ist nichts in Aussicht.“

Für Überraschungen möchte sich der Landkreis dennoch wappnen. Daher wurde im Oktober 2021 das Areal von der Caritas gekauft. Aber: „Wenn wir einen solchen Sprengel bekommen sollten, für den Schüler von auswärts größere Strecken zurücklegen müssen,wird das immer mit einem Vorlauf von zwei bis drei Jahren mitgeteilt.“

Architektenwettbewerb durchziehen

Dieses Zeitfenster spielt dem Landratsamt in die Karten. Selbst für eine spätere Nutzung als Schulwohnheim gibt es noch viel zu tun. Zum Beispiel eine grundsätzliche Bedarfsanalyse. „Wir müssen erst einmal mit den Schulen sprechen, was sie brauchen“, sagt Zenger. Dann müsse man auch die Schule für Holz und Gestaltung einbinden, das Projekt planen, einen Architektenwettbewerb durchziehen. All dies frisst viel Zeit. „Eineinhalb bis zwei Jahre für die Planung benötigen wir in jedem Fall.“ Dann folge der Umbau, der aktuell für die Jahre 2025 bis sicher 2028 vorgesehen ist. Bis dahin wäre auch das Gesundheitsamt wieder draußen. Denn die Renovierung an der Partnachstraße, für die rund drei Millionen Euro kalkuliert sind, soll in den Jahren 2024 und 2025 über die Bühne gehen.

Grünen-Sprecherin Christl Freier erachtet das Vorgehen der Kreisverwaltung als „sehr sinnvoll“, ihr ist aber wichtig, „dass wirklich alles straff über die Bühne gebracht wird“. Die Oberammergauerin kritisierte, warum es für jedes Vorhaben einen Architektenwettbewerb brauche. Noch bevor Zenger antworten konnte, ergriff bereits Elisabeth Koch (CSU) das Wort. „Auf unserer Flur würde ich das schon sehr begrüßen, bei dieser Größe gehört ein Wettbewerb her.“ Auch Zenger warb um Verständnis. Man könne bei der Auswahl der Büros Abstriche machen, aber oftmals seien gerade neue Entwürfe durchaus interessant. „Wir haben bisher immer sehr gute Erfahrungen gemacht.“

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