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Besonders schlecht lief das Stück „Max und Moritz“ beim Kultursommer 2016. Für den Zuschauereinbruch haben die Verantwortlichen keine Erklärung.

Meinung, Analyse, Hintergrund: Betroffene hoffen noch auf Geld

Nach Insolvenz: Veranstaltungsreihe Kultursommer wohl endgültig begraben

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Noch ist die Insolvenz nicht abgeschlossen. Noch können Kultursommer-Akteure hoffen, dass sie zumindest einen kleinen Teil ihrer ausstehenden Gelder bekommen. Die Veranstaltungsreihe an sich ist derweil wohl endgültig begraben.

Florian Zwipf-Zaharia veranstaltet das Orff-Fest am Ammersee.

Garmisch-Partenkirchen/ Füssen – In diesem Jahr wird’s auffallen. Deutlich. Für viele sicher schmerzlich. In diesem Jahr gibt es keine sommerliche Veranstaltungsreihe. Kein Freilicht-Theater. Nichts Außergewöhnliches, um Einheimische und Gäste zu unterhalten. Das ist schade, aber nicht verwunderlich. Nach dem Ende des Kultursommers in Garmisch-Partenkirchen, dessen Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia mit seiner Cultus Production GmbH im Oktober 2016 Insolvenz anmelden musste, ist nie über eine Neuausrichtung gesprochen worden. Auf eine Analyse, wie es dazu kommen konnte, wartet man bis heute vergeblich.

Nach der Spielzeit 2016, bei der die Zuschauerzahlen und damit die Einnahmen weit hinter den Erwartungen geblieben waren, hatte Zwipf-Zaharia die Reißleine gezogen. Und zwar „frühzeitig“, wie Insolvenzverwalter Tobais Sorg bestätigt. Hintergrund war, „die Schäden möglichst gering zu halten“. Die Betroffenen, darunter etliche Künstler und Handwerker aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, hätten inzwischen alle ihre Forderungen bei Sorg angemeldet. „Noch werden diese geprüft“, sagt der Wirtschaftsjurist. Einen Abschluss erwartet er Ende diesen, spätestens Anfang kommenden Jahres. Große Summen werden allerdings nicht verteilt, bedauert Sorg.

Zwipf-Zaharia nicht alleine Schuld

Damit rechnet auch Petra Hebeisen-Unruh nicht mehr. Die Kostümbildnerin, die mittlerweile als Kunsterzieherin arbeitet, hat mit dem Kultursommer längst abgeschlossen. Dass Zwipf-Zaharia Kollegen aus dieser Zeit immer noch gerne engagiert, findet die Murnauerin positiv. Denn „ihm allein kann man nicht die Schuld anlasten“. Damit spricht sie Harald Helfrich aus der Seele. Der SPD-Gemeinderat, der seit Mitte Mai als Kulturreferent wirkt, ist selber einer der Leidtragenden. Von der Insolvenz, schließlich hat er sich als Autor und Regisseur eingebracht. Aber auch von der offensichtlichen Gleichgültigkeit, die ihm entgegenschlägt. „Das grundsätzliche Problem ist, dass im Gemeinderat wenig Interesse an Kultur besteht.“ Um etwas Neues aufzubauen, „braucht’s aber eine breite Mehrheit“. Die erkennt er allerdings nicht.

Deshalb stehen nach dem Jahr des Jubiläums 2017 und der Durststrecke heuer in 2019 alle Zeichen auf „Zamma“. In das einwöchige Kulturfestival des Bezirks Oberbayern setzt insbesondere Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) große Hoffnung: „Die Projekte geben den Impuls für eine nachhaltige Erweiterung des regionalen Kulturangebots.“ Und daraus könne ein Nachfolge-Modell für den Kultursommer entstehen. „Ich sehe ,Zamma‘ als Auftakt, aus dem sich etwas Neues entwickeln soll.“

„Kein privater Produzent trägt das Risiko“

Könnte passieren, aber so ganz glaubt Helfrich noch nicht daran. Zu unterschiedlich ist der Ansatz. Für das Kulturfestival sollen ehrenamtliche Kräfte gebündelt werden, die sich vernetzen. Ergeben sich dabei große Kooperationen, „könnte etwas passieren“. Ein Kultursommer, wie ihn Zwipf-Zaharia 14 Jahre auf die Beine gestellt hat, wird daraus wohl nicht werden. „Kein privater Produzent trägt das Risiko.“

Das macht auch der Füssener nicht mehr, der inzwischen wieder mehr konzeptionell im künstlerischen Bereich arbeitet. Ende Juni endet sein Engagement als Intendant des Festspielhauses Füssen, das ihm zufolge von Anfang an zeitlich befristet war. Projektbezogen bleibt er dem Haus am Forggensee und seinem neuen Direktor Benjamin Sahler verbunden. Mit seiner neuen Firma, der Arte.Musica.Poetica UG, stellt er in diesem Sommer erst einmal das Orff-Fest in Andechs und am Ammersee auf die Beine. Eine Woche lang. Vorsichtig, sagt er, „um zu schauen, wie’s funktioniert“. Mit von der Partie sind etliche Akteure, die auch dem Kultursommer-Publikum bekannt sein dürften: der Komponist Wilfried Hiller, ein enger Freund von Michael Ende, die Schauspieler Peter Weiß, Michael Grimm und Ferdinand Schmidt-Modrow sowie aus Garmisch-Partenkirchen Bühnenbildner Thomas Bruner, Regisseurin Angela Hundsdorfer und Helfrich. „Ich freu’ mich drauf“, sagt Helfrich. „Wir sind eine super Truppe.“ Das bestätigt Zwipf-Zaharia, der froh ist, kompetente Financiers an seiner Seite zu wissen.

Mit der Kunst ist wenig zu verdienen

Eine komfortable Ausgangslage, die er in Garmisch-Partenkirchen nicht hatte. Ohne geht’s aber nicht. Mit der Kunst an sich sei immer weniger zu verdienen, betont Helfrich. Eine vierwöchige Reihe wie den Kultursommer hält er daher für nicht mehr realisierbar. „Eine Freilicht-Produktion wäre sicher zu stemmen.“ Und man müsse Michael Ende wieder mehr in den Fokus rücken. Gerade in Bezug auf den Garmisch-Partenkirchner Schriftsteller wurde unter Zwipf-Zaharias Regie viel aufgebaut. „Das alles unter den Tisch fallen zu lassen, wäre sehr schade.“

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