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Wehrte sich gegen die massive Mieterhöhung: Jennifer Müller. 

Vonovia erhöht Mieten - Steigerung im zweistelligen Prozentbereich

Nach Modernisierung wird Wohnung zu teuer - Mieter ziehen aus

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Es ist ruhig geworden um die Archstraße in Garmisch-Partenkirchen. 2017 hatte sich unter den Bewohnern Widerstand geregt, als massive Mieterhöhungen drohten. Mittlerweile sind die Preise gestiegen. So mancher zog aus.

Garmisch-Partenkirchen – Jennifer Müller ist an- und zur Ruhe gekommen. Ihre zwei Söhne Dean (7) und Leon (9) auch. Das ist das Wichtigste. Ihre Mutter wollte sie nicht wegreißen von ihren Freunden im Haus, vom Spielplatz quasi vor der Tür, von ihrem Zuhause. Doch sie musste gehen. Die Wohnung an der Archstraße in Garmisch-Partenkirchen würde sich die alleinerziehende Mutter nicht länger leisten können. Das war ihr im Mai 2017 klar. 

Damals hatte die Vonovia SE, Besitzer und Deutschlands größter Wohnungsvermieter, angekündigt, die Mieten zu erhöhen. Um bis zu 285 Euro sollte sie in Müllers 89 Quadratmeter großen Fünf-Zimmer-Wohnung steigen. Auf 892 Euro kalt. Der Grund: Modernisierung der 38 Einheiten in den beiden Gebäuden. „Wir legen nur das um, was wir umlegen dürfen“, betonte Vonovia-Sprecherin Bettina Benner damals. Das allein übersteigt die finanziellen Mittel mancher. Müller war mit 607 Euro kalt bereits am Limit.

Im Frühsommer 2017 begann die 35-Jährige mit der Suche nach einer Wohnung. Im März 2018 endlich fand sie eine in Burgrain. Deutlich kleiner mit drei Zimmern und 70 Quadratmetern. Aber gemütlich, mit vielen Kindern im Haus. „Es hat sich alles sehr positiv gestaltet“, sagt Müller. Lange hatte sie gehofft, einen Auszug vermeiden zu können.

„So liebe alten Menschen, bei denen kein Geldesel im Keller steht“

Müller wehrte sich gegen das Unternehmen und eine Pauschalsanierung, forderte Informationen ein. Nicht nur für sich. Auch für andere in den zwei Häusern, darunter „so liebe alten Menschen, bei denen kein Geldesel im Keller steht“. Sogar das Bayerische Fernsehen berichtete in der Sendung „quer“ über den ungleichen Kampf. Mittlerweile hat Müller mit dem Thema abgeschlossen. Von einer Bekannten weiß sie: Die Erhöhungen kamen. Und viele sind gegangen. 13 zogen konkret seit Sommer 2017 aus, sagt Vonovia-Sprecherin Benner auf Anfrage.

Viele von ihnen kannte ein langjähriger Mieter, der namentlich nicht genannt werden will. Die genauen Gründe für den Auszug seiner Quasi-Nachbarn weiß er nicht. Doch ist er davon überzeugt, dass sich so mancher die neuen Preise nicht mehr leisten konnte. Zum 1. Dezember 2018 wurden sie gültig, nachdem die ersten Baumaßnahmen abgeschlossen waren. Um 15 Prozent zahlt der Garmisch-Partenkirchner seitdem nach eigener Aussage mehr. Heftig, sagt er. „Problemlos lässt sich so etwas nicht stemmen.“ Im Durchschnitt stiegen die Mieten Benner zufolge um 1,23 Euro pro Quadratmeter. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. Dafür bekamen die Mieter neue Fenster mit Dreifachverglasung. In allen drei Stockwerken wurden zudem Rollläden eingebaut, die Außenwände sowie Kellerdecken gedämmt.

Sechs zusätzliche Wohnungen durch Aufstockung

Darüber hinaus ließ Vonovia das erste der beiden Gebäude aufstocken. Sechs zusätzliche Wohnungen entstehen, sechs weitere, sobald nach dem Winter das zweite Dachgeschoß gebaut wird. Insgesamt investiert Vonovia Benner zufolge über 4,5 Millionen Euro in ihr Objekt an der Archstraße. Die Aufstockung wird nicht auf die Mieter umgelegt, versichert Benner. Der Aufzug schon. Bis April soll er gebaut werden. Sobald er abgerechnet ist, könnte sich die Miete anteilig noch einmal erhöhen.

Zuletzt befasste sich Benner mit anderen Beschwerden: Mieter beklagten eine starke Lärmbelastung in Sommer und Herbst. „Hier stehen wir in engem Kontakt mit unseren Kunden“, lässt sie wissen. Man arbeite hart daran, „sowohl die Bautätigkeit als auch die mit einer Modernisierung verbundene Mietsteigerung so kundenorientiert wie möglich zu gestalten“.

Ein Ende ist in Sicht: Zum Frühsommer will Vonovia das Projekt abschließen. Die ersten neuen Wohnungen im Dachgeschoss sind voraussichtlich bereits im April bezugsfertig. Zu deutlich höheren, wenn auch ortsüblichen Preisen, versteht sich.

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