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Laura Dahlmeier präsentiert im Rathaus von Garmisch-Partenkirchen die Olympia-Ausbeute.

Zwischen Biathlon und ihren Bergen

Nach dem Olympia-Stress: So erlebte Dahlmeier die ersten Tage in der Heimat

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Laura Dahlmeier ist wieder da. Als Olympia-Heldin kehrt sie nach Garmisch-Partenkirchen zurück. Obwohl auch daheim alle nach Fotos und Autogrammenmfragen, hat sie sich vom Trubel erholt – natürlich in den Bergen.

Garmisch-Partenkirchen– Kurz hinter dem Ortsschild, das in Partenkirchen steht, grüßt seit neuestem Laura Dahlmeier alle Gäste, die nach Garmisch-Partenkirchen kommen. Sie trägt eine Goldmedaille um den Hals und lacht das Laura-Lachen. Ihre Olympia-Ausbeute aus Südkorea, die zwei Goldmedaillen sowie Bronze, ist darunter abgebildet. Der SC Partenkirchen – Dahlmeiers Verein – hat es montiert.

Mann, sind die stolz! Alle wollen ein Bild mit der Olympiasiegerin – auch die Kleinsten vom SCP.

Am anderen Ende des Ortes, in Garmisch, wo die Biathletin wohnt, wirbt die Gemeinde mit einer ähnlich riesigen Tafel für sich. Man sieht die Berge, die genauso wie Dahlmeier Markenzeichen der Ortschaft sind. Vor Jahren hat Garmisch-Partenkirchen einen Spruch entwickelt, der das Image der Zukunft prägen soll. „Entdecke deine wahre Natur“ – das ist überall in der Marktgemeinde zu lesen. Auch auf das Werbeplakat hat es der Ort drucken lassen. Bürgermeisterin Sigrid Meierrofer findet: „Dieser Slogan ist wie für Dich erfunden, Laura.“

Die Natur in und um Garmisch-Partenkirchen hat Laura Dahlmeier in diesen Tagen wieder entdeckt. Mittwoch und Donnerstag stapfte sie mit Tourenskiern in die Berge. „Das ist mir so abgegangen, ich habe es brutal genossen“, sagt die 24-Jährige. Ihr Abenteuer hielt sie im Internet fest. Auf Instagram – der beliebtesten Bilderplattform im Netz – lichtete sich die Biathletin auf einem Gipfel ab. Dazu schrieb sie nur ein Wort – „Freiheit“!

Der Briefkasten war so voll, sie wollte ihn nicht aufmachen

In den Bergen verlässt sie die Welt, die sich auf sie stürzt und sie als Olympia-Heldin verehrt. Der Rummel aus Pyeongchang hat nun Garmisch-Partenkirchen erreicht. Freitagnachmittag hatte sie sich nur mal kurz in den Ort getraut, um ein paar Beschäftigungen zu erledigen. Sie schaffte nicht viel. Die Fans erkannten sie. So viele Selfies und Autogramme habe sie noch nie machen müssen in ihrer Heimat, sagt die Doppel-Olympiasiegerin. Das habe sich über die Jahre sehr verändert. „Ich merke, dass ich einen anderen Stellenwert habe“, sagt sie. Allerdings möchte sie das nur auf den Sport beziehen, auf ihre Karriere als Biathletin. Die Laura Dahlmeier, die im Oberrheintal klettert und in der Bergwachthütte Gaudi macht, sei „der gleiche Mensch wie alle anderen“, betont sie. Gerade deshalb zieht sie sich gerne an diese Orte zurück. Die Gämsen und Hirsche hoch droben kennen Laura Dahlmeier nicht. Die merken höchstens, wie gut sie kraxeln kann.

Die freien Tage nach Olympia haben ihr deshalb eine große Freude bereitet. Sie sah ihre Freunde und die Familie wieder. „Es war unheimlich schön, heimzukommen.“ Nur den Briefkasten wollte sie nicht öffnen. „Ich habe mich nicht getraut. Der ist übergequollen.“ Das wird ihr Bruder Pirmin übernehmen müssen, den sie im Vorjahr als offiziellen Beauftragten für Fanpost engagiert hat. Sie hat sich viel Zeit genommen, um auf Briefe, E-Mails und persönliche Nachrichten zu antworten. Doch es fällt ihr trotzdem so schwer, alles zu begreifen: die Begeisterung in der Heimat, die Eindrücke aus Südkorea. Dort hat sie das Eishockey-Finale der Deutschen gesehen. Das Silber-Märchen zählt sie bei der Frage nach den prägenden Momenten gleich nach ihren eigenen Rennen auf.

„Die Hügel in Korea haben mich nicht ganz überzeugt.“

Als Dahlmeier am Tag darauf mit dem Flieger nach Hause flog, fühlte sie sich seltsam leer. „Ich habe gemerkt, dass die Luft raus ist.“ Doch es stehen noch drei Weltcup-Stationen an. Es geht in den Norden nach Finnland, Norwegen und Russland. Theoretisch besteht noch die Chance, den Gesamtweltcup zu verteidigen. Aber auch eine Kämpferin wie Dahlmeier sieht ein, dass sich 102 Punkte Rückstand auf Kaisa Mäkäräinen in sieben Rennen kaum aufholen lassen. Vor ihr liegen auch noch die Schwergewichte Anastasiya Kuzmina und Dorethea Wierer. Dass alle drei patzen, „sehe ich als unrealistisch“, sagt die 24-Jährige. Auf der Suche nach Motivation für den letzten Monat hat sie den Sommer gefunden, in dem die Wintersportler hart für ihre Saison schuften. Das ganze Jahr bereite sie sich auf die vier, fünf Monate vor, sagt Dahlmeier. Diese Arbeit möchte sie doch nicht jetzt wegwerfen – auch wenn der Höhepunkt Geschichte ist: „Spaß haben, gute Leistung liefern und gesund bleiben.“

Was danach kommt, verrät sie – wenn überhaupt – sehr wenigen. Oft hat man bereits über ein Karriereende gemunkelt. Mit 24 Jahren hat sie sich alle sportlichen Träume verwirklicht. „Ich kann es nicht zu 100 Prozent ausschließen“, betont die Biathletin des SCP. Es hängt – und das war bei ihr schon immer so – vom Spaß ab. Wenn es ihr weiterhin gefällt, sich ein Jahr lang für Biathlon zu knechten, kann sie sich auch vorstellen, zwei, drei Jahre weiterzumachen. „Warum nicht?“, fragt sie. „Aktuell macht’s ja Spaß.“

Aber ihre Liebe gehört eben auch den Bergen. Die ziehen sie an. Sie hat es sich zur Gewohnheit gemacht, in der wettkampffreien Zeit große Bergtouren zu unternehmen. Die Idee lieferte ihr Vater Andreas, der sie mit den Ausflügen auf seine Art belohnte. In diesem Jahr zieht es sie nicht ins Himalaya oder nach Südamerika. Nicht so weit weg gehe es, wahrscheinlich in den Alpenraum. „Wir haben auch schöne Berge“, sagt Laura Dahlmeier. „Die Hügel in Korea haben mich nicht so ganz überzeugt . . .“

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