Eine Eishockey-Mannschaft steht vor ihren Fans. Diese jubeln ihnen zu.
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Ein rauschendes Fest war das Derby gegen Rosenheim - zumindest für den SCR. Für einen 23-Jährigen endete es vor Gericht.

Eishockey-Derby in Garmisch-Partenkirchen endet vor Gericht

Nach Eishockey-Spiel gegen SC Riessersee: Starbulls-Ultra wegen Faustschlag gegen Polizisten verurteilt

  • vonAlexander Kraus
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Er war frustriert: Sein Team, die Starbulls Rosenheim, hatte die Eishockeypartie beim SC Riessersee verloren. Das machte den 23-Jährigen so wütend, dass er nach dem Spiel einen Polizisten schlug. Nun saß er vor dem Richter.

Garmisch-Partenkirchen – Es war das letzte Heimspiel mit Zuschauern – vor der Corona-Krise. 3023 Fans waren am 6. März zum Eishockey-Klassiker SC Riessersee gegen Starbulls Rosenheim nach Garmisch-Partenkirchen gekommen. Darunter ein 23-Jähriger. Einer aus der Ultra-Szene der Rosenheimer. Die gingen als Verlierer vom Eis. 3:1 endete die Partie. Im Fanpulk und begleitet von Polizeibeamten verließ der Mann das Stadion. Auf dem Weg zum Bahnhof verlor der 23-Jährige offenbar die Fassung. Einem Beamten schlug er mit der Faust ins Gesicht. Gegen die Fesselung wehrte er sich massiv. Schon während des Spiels hatte er den Polizisten beleidigt. So schilderte der Staatsanwalt nun am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen den Abend nach dem SCR-Heimspiel vor sieben Monaten. Neun Polizeibeamte sagten aus, die Vorwürfe bestätigten sich. Dr. Benjamin Lenhart verhängte für den Industriekaufmann eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung. „Strafrechtlich sind Sie auf einem sehr unschönen Weg“, schimpfte der Richter.

Angeklagter hat seit 2017 in Rosenheim Stadionverbot

Zu Beginn der Verhandlung versuchte es Dr. Markus Frank mit einem juristischen Kniff. Der Verteidiger bat um ein Rechtsgespräch mit dem Ziel, dass sein Mandant eine Geldstrafe erhält, die nicht im Führungszeugnis erscheint. Zudem sollten die Beleidigungen als Vorwurf gestrichen werden. Im Gegenzug räumte der Angeklagte die Körperverletzung und den Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamten in vollem Umfang ein. Der Staatsanwalt spielte nicht mit. „Ohne Beweisaufnahme kommt eine Teileinstellung nicht in Betracht“, betonte Christian Schuster. Eine Geldstrafe für den Beschuldigten hielt er für ausgeschlossen, für ihn kam nur eine Bewährungsstrafe in Betracht.

Nach einem kurzen Gespräch mit seinem Mandanten gab Frank eine Erklärung ab: Zu den Vorwürfen wolle sich der Angeklagte nicht äußern, an die Beleidigungen erinnere er sich nicht. Den tätlichen Angriff und den Widerstand gestehe er. Über seinen Rechtsanwalt ließ der 23-Jährige, der im heimischen Rosenheim schon seit 2017 Stadionverbot hat, die Situation als „aufgeladen, emotional“ beschreiben, zudem sei er „deutlich alkoholisiert“ gewesen. Provokant trat der Mann offenbar auf. Dies sagten die Polizisten aus Dass er betrunken war, konnte keiner bestätigen. Jedoch: Als der Raublinger damals auf die Inspektion in Garmisch-Partenkirchen kam, zeigte das Atemalkoholgerät 1,3 Promille.

Starbulls-Fan beleidigt Polizisten schon während des Eishockey-Spiels

Schwer belastete ihn das Opfer. Der Polizeihauptmeister aus Rosenheim war an dem Abend im Einsatz für die Gästefanbetreuung. Die Stimmung war aufgeheizt. „Die Starbulls wollten Ärger machen und zeigen, dass sie zahlreich da sind.“ Im Kassenbereich bezeichnete ihn der Angeklagte als „Kasperl“. „Als Provokation hat er das laut gesagt. Es war deutlich auf mich bezogen“, betonte der 29-Jährige. Die zweite Beleidigung folgte im letzten Drittel. Der Beschuldigte ging zur Tribüne und beschimpfte den Polizisten mit „Du Hure“. Den Faustschlag des 23-Jährigen bekam der Beamte nicht mit. Er begleitete die Fans vom Stadion zum Bahnhof, und war gerade mit einem anderen Ultra beschäftigt, als der Angeklagte zuschlug.

Der Verteidiger hielt eine Geldstrafe von 3150 Euro für angemessen. Er attestierte seinem Mandanten eine „verminderte Einsichts- und Steuerungsfähigkeit“ aufgrund der Alkoholisierung. Der Staatsanwalt hingegen hob die feindliche Gesinnung des Angeklagten gegenüber Polizisten hervor. Schon zweimal sei er wegen Vergehen in Bezug auf Eishockey verurteilt worden. 15 Monate auf Bewährung seien angebracht.

Angeklagter nach Faustschlag gegen Polizisten Geldstrafe und Bewährung verurteilt

Dem schloss sich Lenhart an. „Ein Faustschlag gegen einen uniformierten Polizisten, da gehört schon was dazu.“ Darüber hinaus verurteilte er den Raublinger zu Geldstrafen von je 1200 Euro an den Förderverein der Polizei und den Tierschutzverein, zudem muss er ein Anti-Aggressionstraining machen. Zugute hielt ihm Lenhart, dass er mit der Eishockey-Szene abgeschlossen hat. Die folgenschwere Partie war offenbar eine Ausnahme: Freunde hatten den Angeklagten überredet, mitzukommen. Davor habe der junge Mann ein gewisses „Doppelleben“ geführt, sagte Lenhart. Der 23-Jährige sei geschätzt am Arbeitsplatz, das Leben sei intakt. „Auf der anderen Seite randalieren und Polizisten angreifen – das geht ganz schwer zusammen.“

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