1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

Geheimniskrämerei der Bahn: Verkehr ruht nach Zugunglück bis 16. August - Update: Auch Murnau - Oberau wieder dicht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christian Fellner

Kommentare

Abmontiertes Gleis: An der Unfallstelle ermittelt nach wie vor die Staatsanwaltschaft.
Abmontiertes Gleis: An der Unfallstelle ermittelt nach wie vor die Staatsanwaltschaft. © Bartl

Ein Bahn-Schreiben, das dem Tagblatt vorliegt, offenbart die Probleme im Bereich der Werdenfelsbahn: Nach dem Unglück vom 3. Juni sind die Betonschwellen ins Visier gerückt. Die Ammertalbahn ist wieder gesperrt, und südlich von Oberau fährt bis 16. August wohl kein Zug.

Update, 15. Juli, 13 Uhr: Nicht genug der schlechten Nachrichten in puncto Bahnverkehr: Seit heute Morgen ist auch der Streckenschnitt zwischen Murnau und Oberau wieder dicht – das bestätigt auch der automatisierte Dienst „Streckenagent“ der Bahn AG. Die Sperre soll vorerst bis Mittwoch, 20. Juli, dauern.
Das bedeutet weiteres Chaos: Denn dem Unternehmen gehen nun die Busse für den umfangreichen Ersatzverkehr aus, der derzeit bereits von Oberau aus in alle südlichen Richtungen fährt. Zwischen Murnau und Oberau wurde nun offenbar ein Ersatz per Pendeltaxis eingerichtet, die Bahnkunden als Zubringer transportieren. Das Problem an der Strecke der Werdenfelsbahn: Es sind weitere Reparaturen notwendig, die bei großer Hitze nicht erfolgen können.

Ursprungsnachricht:
Garmisch-Partenkirchen – Auch sechs Wochen nach dem tragischen Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen steht die Bahn südlich von Oberau still. Per Schienenersatzverkehr werden Zugfahrer derzeit von Oberau in alle südlichen Richtung transportiert – mehr schlecht als recht, das klang in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder durch (wir berichteten).

So viel wird sich an der misslichen Lage und vor allem an der Streckensperre in den nächsten Wochen nicht ändern. Denn: Eine „Wiederinbetriebnahme“ ist „frühestens am Dienstag, 16. August, möglich“. Das geht aus einem Schreiben hervor, das der Tagblatt-Redaktion vorliegt, das aber lediglich an Behörden und Rathäusern gegangen ist. Weiterhin verweigert die Bahn öffentliche Informationen, um Medien und Kunden über den Sachstand umfangreich zu informieren.

Eine Pressemitteilung gibt nur zur deutschlandweiten Untersuchung von 200 000 Bahnschwellen

Eine Pressemitteilung aus der Konzernzentrale in Berlin machte am Mittwoch doch die Runde: Die Bahn prüft im Nachgang zum Unglück vom 3. Juni in Garmisch-Partenkirchen nun im großen Stile einen Austausch von Bahnschwellen eines bestimmten Bautyps. Diese Teile sind offenbar Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwalt und so in den Fokus geraten, so viel verrät das Unternehmen. „Auch wenn die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind und die Unfallursache noch nicht feststeht, hat die DB rein vorsorglich entschieden, baugleiche Schwellen im Netz zu untersuchen.“ Nach aktuellen Erkenntnissen sind dies im deutschen Gesamtnetz rund 200 000 Betonelemente. Der Austausch laufe an manchen Stellen schon.

Mit anderen Informationen geht die DB nicht so offen um. So zum Beispiel mit den Plänen für die Wiedereröffnung der Strecke, oder aber mit der Nachricht, dass die Ammertalbahn seit Mittwoch wieder nicht mehr fährt. Zudem finden zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald umfangreiche Sanierungsarbeiten statt.
Eine Übersicht:

Die Unfallstelle

Nach wie vor laufen an der Unglücksstelle die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II. Das bestätigt Christian Steinweg von deren Pressestelle in München. „Die Ermittlungen dauern noch an, der Streckenabschnitt konnte noch nicht freigegeben werden.“ Daher sind Arbeiten der Bahn in diesem Abschnitt untersagt. „Es wurden große Stücke des Oberbaus sichergestellt und abtransportiert, dieser muss nach der Freigabe durch uns neu eingebaut werden“, heißt es im Info-Schreiben der Bahn. Zudem müssten drei Oberleitungsmasten neu errichtet werden. Die Experten für den Gleisbau benötigen gut zwei Wochen für die Wiederherstellung des Gleiskörpers.

Die Bahn geht davon aus, dass die Staatsanwaltschaft bis Ende Juli die Sperre aufrechterhalten wird. Dazu kann Steinweg nicht viel sagen. „Es lässt sich noch nicht im Einzelnen abschätzen, wie lange es dauern wird.“ Immerhin: Die DB stellt die Prognose, dass ein Betrieb vor dem 16. August nicht denkbar ist. Das gilt letztlich für das gesamte Netz südlich der Marktgemeinde (in Richtung Mittenwald und Reutte), da dort eine Stromversorgung nicht verfügbar ist.

Strecke nach Mittenwald

Dieser Abschnitt werde aktuell „gründlich erneuert“, heißt es. Bauarbeiten waren grundsätzlich geplant, sind durch den G7-Gipfel erheblich erschwert worden. Nun gestaltet sich vor allem die Versorgung der Baustelle mit Material als sehr schwierig, da die Strecke bis Garmisch-Partenkirchen bekanntlich nicht in Betrieb ist. Im Zuge der Arbeiten wurden durch die Bahn weitere Mängel festgestellt, die vollständig beseitigt werden sollen. Einen Termin zur Wiederaufnahme des Verkehrs können die Verantwortlichen derzeit nicht nennen. Möglicherweise gilt auch hier der 16. August.

Ammertalbahn

Ganz aktuell ist die Strecke von Murnau nach Oberammergau wieder stillgelegt. Es fährt lediglich ein Schienenersatzverkehr. Als Grund für den Ausfall wird am Murnauer Bahnhof per elektronischer Anzeige auf Reparaturarbeiten verwiesen – wie bereits in den vergangenen Wochen. Offenbar gab es auf der Strecke erneut Meldungen von Lokführern, die von den Bahnverantwortlichen nun sofort aufgegriffen wurden. Fachkräfte begutachten in diesen Tagen erneut die Bahnlinie. Möglicherweise muss der Gleiskörper auch in diesem Bereich mit Großgeräten instandgesetzt werden. Die Sperre der Ammertalbahn ist aktuell mindestens bis zum 24. Juli angesetzt.

Langsamfahrstellen

Durch die Untersuchung der im Visier stehenden Bahnschwellen können auf den Strecken in den kommenden Tagen und Wochen weitere Verzögerungen entstehen. Umleitungen oder Fahrzeitverlängerungen sind nicht auszuschließen. Immerhin: Zwei Langsamfahrstellen bei Wilzhofen nördlich von Weilheim sind bereits entschärft.

Auch interessant

Kommentare