Hubert Buchwieser bei eienr Schekcübergabe für den SCR-Nachwuchs
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Immer engagiert: Hubert Buchwieser (l.) als Jugendleiter beim SC Riessersee - hier mit seinem langjährigen Vorstandskollegen Johann Oswald (r.) und Sponsor Andreas Zinn.

Nachruf auf SCR-Legende

„Er wird fehlen“: Ex-Eishockeyprofi Hubert Buchwieser verstorben - mit nur 45 Jahren

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Große Trauer in der Garmisch-Partenkirchner Eishockeygemeinde und darüber hinaus: Hubert Buchwieser, von allen nur Hubi genannt, ist im Alter von nur 45 Jahren gestorben. Am Montag findet ein Gedenkgottesdienst statt.

Garmisch-Partenkirchen – Der Winter 2005 markierte eine Zäsur im Eishockey-Leben von Hubert, den alle Welt nur Hubi nannte – Buchwieser – und das im Alter von 29 Jahren. Der Außenstürmer, Liebling der Fans – es hieß viele Jahre lang, die Mehrzahl der jüngeren weiblichen Zuschauer kämen nur wegen ihm –, erklärte seinen Rückzug vom Profisport.

Nachruf auf Hubert Buchwieser: Ex-Eishockey-Spieler war Liebling der Fans

„Zwölf Jahre sind genug. „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, lautete im März 2005 seine Begründung. „Mein Kopf und mein Körper sind einfach müde.“ Er absolvierte im Juli noch ein Abschiedsspiel mit seinen beiden Mannschaftskameraden Martin Holzer und Michael Raubal, um danach eine zweite Karriere zu starten. Als Nachwuchs-Chef des SC Riessersee war er dabei nicht minder erfolgreich als als Außenstürmer. Damals meist an seiner Seite – und das für viele Jahre: Johann Oswald, Vorsitzender des SCR-Eishockey e.V., und Martin Holzer. Insider behaupten, ohne dieses Trio würde es die Nachwuchsabteilung des SC Riessersee in dieser – erfolgreichen – Form nicht mehr geben.

Oswald führte den Club, Buchwieser erledigte das Management und zusammen mit Holzer die Ausbildung der Anfänger und der Kleinst- und Kleinschüler auf dem Eis. Basisarbeit, die nicht hoch genug zu bewerten ist und die nur wenige gewillt sind zu leisten. „Er hat seinen Job immer supergewissenhaft erledigt“, sagt Oswald über Buchwieser. „Eishockey war sein Leben, dem SC Riessersee gehörte über viele Jahre sein Herz.“

Dieses Herz, das ein besonders großes war, hat aufgehört zu schlagen. Am 20. Juli ist Buchwieser (45) für viele völlig unerwartet gestorben. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin Katja und seinen kleinen Sohn Maxi.

Hubert Buchwieser ist gestorben: Nachricht vom Tod traf seine Weggefährten wie ein Schock

Für die meisten seiner Weggefährten war die Nachricht von seinem Tod ein Schock. „Ich werde ihn brutal vermissen. Er hatte so viel Leidenschaft für unseren Sport“, sagt Andreas Raubal. „Und er war ein guter Freund. Er hat für den SCR immenses geleistet. Für mich ist er eine Riesserseer Legende.“ Beide kannten sich von Kindesbeinen an, haben alle Jugendmannschaften durchlaufen und gemeinsam viele Jahre für das SCR-Profiteam ihre Knochen hingehalten.

Raubal als eisenharter Verteidiger, Buchwieser als quirliger Stürmer. Gemeinsamer Höhepunkt für die beiden damals 20-Jährigen: Das eine Jahr in der Deutschen-Eishockey-Liga, als der SCR in der Saison 1995/96 letztmals erstklassig spielte. Und sie verloren sich nie aus den Augen – blieben befreundet, als Raubal im Westen der Republik bei den Krefeld Pinguinen sein sportliches Glück fand.

Lautstarker Trainer - auch das war Hubert Buchwieser, egal ob für die Kleinen oder die Älteren der 1b-Mannschaft.

Buchwieser versuchte zweimal, durch Vereinswechsel seiner Laufbahn einen Schub zu geben. In der Saison 2001/02 folgte er dem Lockruf des Heilbronner EC, wie der SCR Zweitligist, nachdem ihn ein Eishockey-Fachmagazin zum kommenden Nationalspieler hochgejazzt hatte. In Baden-Württemberg wurde er nicht heimisch – und kehrte nach nur einem Jahr zurück zu seiner großen Liebe Riessersee.

Nach der Insolvenz in der DEL 2 im November 2003 wechselte er für die Restsaison zu den Landshut Cannibals. Als den Garmisch-Partenkirchnern im Sommer 2004 unter Manager Ralph Bader ein Neuanfang in der Oberliga gelang, kehrte er erneut zurück – gezeichnet von zahlreichen Verletzungen und Krankheiten und deshalb nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Es reichte noch zu acht Toren und 18 Assists in 32 Spielen.

„Ich wollte meinem Heimatverein beim Neustart einfach helfen“, erklärte Buchwieser damals im Interview mit dem Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt anlässlich seines Abschiedsspiels seine Beweggründe. „Das rechne ich ihm hoch an“, erklärt Bader im Rückblick. Nach etlichen Zwists, die Bader als SCR-Geschäftsführer und Buchwieser als Nachwuchs-Koordinator ausfochten, hatte man sich zuletzt versöhnt. „Wir haben häufiger miteinander gesprochen und waren uns in den meisten Dingen einig“, betont Bader.

Hubert Buchwieser: Kultstatus in Fangemeinde - vor allem bei weiblichen Anhängern des SC Riessersee

Hubi Buchwiesers Kultstatus bei der SCR-Fangemeinde erwarb er sich neben seinem Kämpferherzen – „er ist als Spieler immer dorthin gegangen, wo es wehgetan hat“, betont Oswald – auch durch sein sonniges Gemüt. Er galt als Gaudibursch, stets mit einem flotten Spruch auf den Lippen. „Er konnte Geschichten so lustig und witzig erzählen wie kein Zweiter“, sagt Raubal. Diese Erfahrung hat auch Oswald gemacht.

Er erinnert sich an eine gemeinsame Zugfahrt nach Hamburg. Einer etwas übergewichtigen Schaffnerin soll Buchwieser in netten Worten erklärt haben, wie sie auf angenehme Weise abnehmen könne. „Das ganze Abteil hat gebrüllt vor Lachen – selbst die Schaffnerin.“ Über seinen Heilbronner Mitspieler Oleg Znarok, als Trainer mit der russischen Nationalmannschaft 2018 Goldmedaillengewinn bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang, kannte Buchwieser so manche Anekdote. „Der Hubi hat ihn als ziemlichen Bazi beschrieben“, erzählt Oswald.

Die Fähigkeiten, Menschen mit seinen Geschichten aus einem erfolgreichen Eishockey-Leben als Spieler und Funktionär zu erfreuen, bewahrte sich Buchwieser auch, als er seinen Job als Nachwuchs-Koordinator des SCR 2018 aufgab. „Sein Feuer war irgendwie erloschen“, sagt Raubal. „Er widmete sich einer neuen Aufgabe: seiner Familie.“ Wichtig blieben ihm seine Freunde vom Stammtisch mit den ehemaligen Riesserseern – darunter Andreas Raubal, Stefan Schauer, Hardi und Martin Wild und Florian Schnitzer.

Wegen der Corona-Pandemie waren die Treffen im vergangenen Jahr ausgefallen. „Wir hatten uns längere Zeit nicht mehr gesprochen“, sagt Raubal. Am Freitagabend kam man zusammen – aus einem traurigen Anlass. „Der Hubi wird uns allen sehr fehlen“, erklärt Raubal, Eine Teilnahme an dem Gottesdienst zu seinen Ehren ist für ihn Pflicht. Er glaubt, dass viele kommen werden, um von Buchwieser Abschied zu nehmen. Für alle seine Freunde und jene Menschen, die ihn kannten und mochten, war der 20. Juli eine Zäsur.

Der Wortgottesdienst

zum Tod von Hubert „Hubi“ Buchwieser findet am Montag, 26. Juli, um 14 Uhr an der Aussegnungshalle auf dem Friedhof Garmisch statt. Die Urnenbeisetzung ist zu einem späteren Zeitpunkt im Familienkreis geplant.

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