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Harald Helfrich arbeitet bald im Jugendzentrum.

Harald Helfrich entsagt der Kommunalpolitik nicht völlig

Der nächste SPD-Mann hört im Gemeinderat auf - der politische Gegner wittert Vetternwirtschaft

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Harald Helfrich verlässt den Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat. Gezwungenermaßen. Der SPD-Mann tritt beim Markt eine Stelle als Erzieher im Jugendzentrum an. Amt und Beruf lassen sich nicht vereinbaren. Der politische Gegner wittert dennoch Vetternwirtschaft.

Garmisch-Partenkirchen – Der SPD-Fraktion geht nach Alfred Heinle, der aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat niederlegt, ein weiterer profilierter Kommunalpolitiker verlustig. Harald Helfrich scheidet ebenfalls zum 31. März aus. Bei Helfrich (52) ist’s der Beruf, der ihn dazu zwingt. Er sieht einen Interessenskonflikt. Der angehende Erzieher tritt zum 1. April eine Stelle bei der Gemeinde an. Er arbeitet zunächst als Berufspraktikant im Jugendzentrum. Ab 1. September, wenn seine Ausbildung abgeschlossen ist, erhält er jene Stelle, die seit Längerem unbesetzt ist. SPD-Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer bewertet Helfrichs Bewerbung und seiner daraus resultierenden Demission, weil sich Amt und Anstellung beim Markt nicht vereinbaren lassen, sehr zurückhaltend. „Ich war nicht begeistert“, sagt sie.

Aus gutem Grund. Sie wusste, dass der politische Gegner versuchen würde, die Tatsache, dass ein SPD-Gemeinderat in einer SPD-regierten Kommune einen Job erhält, auszuschlachten. Genau der Fall ist eingetreten. Verschiedene im Gemeinderat vertretene Parteien wittern Vetternwirtschaft. Allen voran die CSU. Alois Maderspacher, der Stratege der Christsozialen, soll im Finanzausschuss seinen Unmut deutlich Ausdruck verliehen haben. Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch moniert, dass in Personalangelegenheiten weder der Finanzausschuss noch der Gemeinderat ein Mitspracherecht besitzt. Die Causa Helfrich betrachtet sie davon allerdings völlig losgelöst. Sie macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube: „Ich denke, diese Angelegenheit ist ein Problem der Bürgermeisterin und ihrer SPD.“

Am Auswahlverfahren war die Bürgermeisterin nicht beteiligt

Weder Meierhofer noch Helfrich sehen eines. Sie bestehen darauf, alles sei mit rechten Dingen zugegangen. Am Auswahlverfahren war die Bürgermeisterin nicht beteiligt. „Ich habe mich bewusst rausgenommen, weil ich diese Vorwürfe erwartet habe“, sagt Meierhofer. Die Gesprächsrunden mit allen Kandidaten führten Personalchef Florian Nöbauer, Thomas Bader, der Vorsitzende des Personalrats, und der Leiter des Jugendzentrums, Wolfgang Sailer.

Gegen etliche Mitbewerber setzte sich Helfrich in der Endausscheidung durch. Er freut sich, in Zukunft im Jugendzentrum arbeiten zu können. Dort betritt er kein Neuland. Ganz im Gegenteil: Das JUZ ist für ihn vertrautes Terrain. „Ich weiß, wie der Laden dort läuft.“ In seiner Eigenschaft als Schauspieler und Regisseur hat er mit den Jugendlichen mehrere Projekte umgesetzt. „Diese Stelle ist ihm auf den Leib geschrieben“, findet deshalb Meierhofer. Kritiker zweifeln allerdings Helfrichs Qualifikation an.

Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Aus dem Gemeinderat verabschiedet sich Helfrich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend, weil er einen festen Job mit einem geregelten Einkommen erhält und auch mehr Zeit für die Familie hat. „Ich kann zum ersten Mal mit dem Radl zur Arbeit fahren.“ Als Künstler war es zuletzt schwieriger geworden, Engagements zu finden, nachdem der Kultursommer in Insolvenz gegangen war und er beim Chiemgauer Volkstheater, „mein zweites Standbein“, durch den Rückzug des Bayerischen Fernsehens weniger gebucht wurde. Den Gemeinderat, in dem er seit Mai 2018 als Nachfolger von Parteifreund Robert Allmann auch als Kulturreferent fungierte, verlässt er mit einer Träne im Knopfloch. Er hätte gerne die Periode, die am 30. April 2020 ausläuft, zu Ende gebracht. „Ich hatte nicht geplant, dass ich nach drei Viertel der Strecke aufhöre. Es war eine sehr interessante Zeit, in der ich mitgestalten durfte.“

Der Politik entsagt Helfrich, der seit acht Jahren SPD-Mitglied ist, allerdings nicht völlig. Seinen Sitz im Kreistag will er behalten. Kann er auch. Dieses Mandat kollidiert nicht mit seiner neuen Tätigkeit im Jugendzentrum.

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