1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

Nächstes Geisterspringen droht

Erstellt:

Von: Patrick Hilmes

Kommentare

Das Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Athletendorf und Zuschauertribünen sind bereits aufgebaut.
Wird es so auch wieder am 1. Januar 2022 aussehen? Im Skistadion ist schon vieles für die Zuschauer beim Neujahrsspringen vorbereitet. © PETER KORNATZ

Auf der Ministerpräsidentenkonferenz wurden einige weitreichende Entscheidungen angekündigt, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Markus Söder (CSU) fordert zudem ein Zuschauerverbot in Stadien. Das würde die Veranstalter des Neujahrsspringens hart treffen.

Garmisch-Partenkirchen – Er fliegt und fliegt und hört gar nicht mehr auf zu fliegen. Der Pole Dawid Kubacki landet bei 144 Metern. Schanzenrekord. Nie ist ein Athlet beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen weiter gesprungen. Doch es bleibt so gut wie still. Das Stadion bebt nicht, keine polnischen Fans rasten angesichts dieses Traumsprungs aus, keine anderen Zuschauern zollen dem Sportler ihren Respekt. Nur vereinzelter Jubel von den Teamkollegen, die Durchsage des Stadionsprechers und anerkennender Beifall der Konkurrenz sind im Skistadion zu vernehmen. Mehr nicht. Das war das Neujahrsspringen 2021. Und dieses Szenario könnte sich am 1. Januar 2022 wiederholen. Das nächste Geisterspringen droht.

Bayerns Ministerpräsident plädiert für schärfere Auflagen - Entscheidung am Freitag

Am Donnerstag beschlossen die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs in der Ministerpräsidentenkonferenz neue Maßnahmen, um die vierte Welle der Corona-Pandemie zu brechen, diese betreffen auch den Sport. Bundesweit gilt fortan eine maximale Zuschaueranzahl im Freien von 15 000, im Inneren 5000 – schärfere Auflagen sind den einzelnen Bundesländern möglich. Und genau die will Bayern auch ergreifen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich in einer anschließenden Pressekonferenz dafür aus, dass die Geisterspiele in die Fußballstadien des Freistaats zurückkehren sollen. Dies wird bei der heutigen Kabinettssitzung sein Vorschlag sein. Gelten soll ein solches Verbot zunächst bis zum Jahresende. Dass nur Fußballstadien von dieser Regelung betroffen wären, ist äußerst unwahrscheinlich.

Portraitbild von Michael Maurer, Präsident des SC Partenkichen.
Michael Maurer, Präsident des SC Partenkirchen. © privat

Wird das Neujahrsspringen in der Kabinettssitzung nicht explizit behandelt, dann haben wir das nächste Geisterspringen“

Michael Maurer, Präsident des SC Partenkirchen

Davon geht man auch beim Organisator des Neujahrsspringens, dem SC Partenkirchen, aus. Präsident Michael Maurer und Generalsekretärin des Organisationskomitees Sabrina Pieri setzten sich zugleich nach der Ministerpräsidentenkonferenz mit dem Deutschen Skiverband sowie anderen Weltcup-Veranstaltern deutschlands per Videoschalte zusammen und besprachen den Stand der Dinge. „Mit den bundesweiten Beschlüssen könnten wir leben. Aber der Ministerpräsident hat ja schon einen eigenen Weg angekündigt. Nun bleibt uns nichts anderes möglich, als die Kabinettssitzung abzuwarten“, betont Maurer. Er erhofft sich heute eine explizite Stellungnahme Söders oder von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zum Neujahrsspringen. Denn die Zeit drängt. Der SCP braucht noch diese Woche eine Antwort seitens der Politik, denn die Fristbegrenzungen mit den Dienstleistern für das Großevent laufen ab. „Wird das Neujahrsspringen in der Kabinettssitzung nicht explizit behandelt, dann haben wir das nächste Geisterspringen“, sagt Maurer.

SCP sorgt sich um Finanzen - Sitzplatztribüne kostet 60 000 Euro

Dann müsste der Skiclub auch sämtliche der rund 7000 Tickets zurückerstatten. „Das würde richtig weh tun, denn die Sitzplatztribüne ist bereits fast ausverkauft.“ Und schon aufgebaut. Kostenpunkt 60 000 Euro. Das nächste große Problem. „Denn wir sind ja in vielen Bereichen schon finanziell in Vorleistung gegangen“, erzählt Pieri. Das war im Vorjahr anders. Da wussten die Organisatoren frühzeitig, dass ein Geisterspringen wahrscheinlich ist. Nicht so heuer. „Wir haben ja schon alles durchgeplant – freie Veranstaltung, unter 3G, unter 2G, unter 2G plus.“

Portraitbild von Sabrina Pieri
, Generalsekretärin des Organisationskomitees.
Sabrina Pieri, Generalsekretärin des Organisationskomitees. © FOTOPRESS THOMAS SEHR

Doch nun droht erneut die Null-Kulisse. Nun könnte sich die Geschichte wiederholen und einmal mehr würde kein Zuschauer live vor Ort miterleben, wie sich die weltbesten Skispringer an Neujahr von der Schanze stürzen. Es wäre wieder still.

Auch interessant

Kommentare