Besuchermagnet: Touristen und Bergsteiger drängen sich – vor der Corona-Krise – auf dem Gipfel der Zugspitze.
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Besuchermagnet: Touristen und Bergsteiger drängen sich – vor der Corona-Krise – auf dem Gipfel der Zugspitze.

Drei Ranger sollen für Aufklärung sorgen

Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Naturhüter sollen Touristenansturm bändigen

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Nach einem Sommer, der den Landkreis zu einem Ausflug-Hotspot in Deutschland gemacht hat, reagiert die Politik. Drei Ranger, also Naturhüter, sollen in der Region für Aufklärung bei den Gästen aber auch für mehr Ordnung sorgen.

Spatzenhausen – Die Pläne der Unteren Naturschutzbehörde bezüglich der neuen Ranger hat der Kreis- und Umweltausschuss bereits bestätigt. Bindend ist der Entschluss jedoch erst nach dem Votum des Kreistags am 17. Dezember. Das dürfte nur eine Formalie sein. Denn mit Ausnahme von Anton Fischer (Freie Wähler Gemeinschaft) aus Ohlstadt sehen die Räte dringenden Handlungsbedarf, damit sich die Zustände künftig bessern.

Landrat Anton Speer (Freie Wähler) sprach von einem „brutalen Ansturm“. Sein Behördenleiter Peter Strohwasser skizzierte die Zustände zwischen Mai und September en détail, zählte mehr als 20 Universalprobleme wie zugeparkte Einfahrten, gestörtes Almvieh oder zerstörte Vegetation auf, die man im Sommer beobachtet habe. An manchen Tagen warteten Bergsteiger mit dem Aufstieg, weil der Gipfel überfüllt war.

Auf den Seen registrierte das Landratsamt hunderte Schwimmkörper aller Art. Am Lindergries hat Landrat Speer Ausflügler entdeckt, die in einem Großraumzelt für an die 30 Menschen biwakierten. Angeboten als Abenteuer von einer Augsburger Firma. Als „besonders fatal“ stuft Strohwasser diverse Kartensysteme wie Bayern-Atlas oder Google-Maps ein, die sogar illegale neue Wege und Trampelpfade über Privatgrund darstellen. Zusammengefasst sagt Strohwasser: Der Tourismusorkan „führt zu Konflikten mit Natur und Menschen“.

Peter Strohwasser befürchtet Konflikte.

Als Mittelsmänner dienen künftig die Ranger, wie sie die CSU-Fraktion in einem Antrag vom Juli vorgeschlagen hatte. Sie sehen zwar ein bisschen aus wie Natur-Polizisten, tragen etwa im Naturpark Ammergauer Alpen oder in Bayrischzell olivgrüne Montur, sollen aber eine ganz andere Rolle einnehmen: Sie klären auf und sensibilisieren. Stephanie Hintermayr, Rangerin aus Bayrischzell, erklärt beispielsweise, dass ihre Ausrüstung in der Regel aus Flyern und einem Lächeln besteht. Mit vielen Gästen reist Unwissenheit ein – nicht aber Intoleranz. „Die Reaktionen sind fast immer freundlich“, berichtet sie. Sehr wohl dürfen die Ranger auch Platzverweise verteilen, Vorfälle anzeigen oder Bußgelder ausstellen. Die Isar-Ranger in Bad Tölz, als Maßstab, verhängten heuer 2000 Bußgeldbescheide. Der Nachbarlandkreis musste sein Personal in der Verwaltung aufstocken. Über ähnliche Konsequenzen wird auch der Kreis Garmisch-Partenkirchen debattieren.

Hilfe erhalten die Ranger von der, gar nicht so kleinen Zahl der freiwilligen Helfer der Region, Jäger, Flurwärter, Gebietsbetreuer, Naturschutzwachtler. In Uffing hat sich im Sommer eine Gruppe gebildet, die jetzt Vorbildfunktion für den ganzen Kreis einnimmt. 14 Ehrenamtliche bildeten sich spontan bei einem Crashkurs weiter. Nächstes Jahr schließen sie die Ausbildung zum Naturschutzwächter ab und sind damit legitimiert, Platzverweise wie Bußgelder auszusprechen.

Landrat Anton Speer sieht Handlungsbedarf. 

Daniela Feige, eine von drei Gebietsbetreuerinnen des Kreises, hält das Modell für gut genug, um es auf die gesamte Region zu übertragen. Im ganzen Kreis sollen Freiwillige den Rangern Arbeit abnehmen und dafür mit acht Euro in der Stunde entlohnt werden. Klar ist allen Beteiligten auch, dass drei Halbtag-Stellen nicht reichen, um den Massen Herr zu werden und an allen neuralgischen Punkten Streife zu gehen. Die Naturschutzbehörde hat kalkuliert, dass es 30 Teilgebiete mit je zwei Naturhütern bräuchte, um das ganze Areal abzudecken. Macht natürlich keinen Sinn bei geschätzten Kosten von vier Millionen Euro jährlich. Für die angestrebte Lösung plant das Amt etwa 270 000 Euro ein.

Martin Kriner, der Experte für das europäischen Leader-Projekt, hält es für denkbar, dass ein Posten von der EU gefördert wird. An den weniger schönen Tagen, von denen es in den Alpen doch einige gibt, sollen die Ranger beim Artenschutz und in der Pflege mit anpacken.

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