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Im Ammertal gibt es bereits drei Ranger: Dort sind im Auftrag des Verein „Naturpark Ammergauer Alpen“ Thomas Weber, Deniz Göcen und Dominik Landerer (v.l.) unterwegs.

Antrag an den Kreistag

Naturschutz: CSU fordert Landkreis-Ranger

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Wildes Campen, zertrampelte Wiesen, Abfälle in freier Natur: Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen bekommt im Corona-Jahr 2020 die Schattenseiten des (Massen-)Tourismus besonders hart zu spüren. Die CSU möchte gegensteuern – mit festangestellten Rangern, die auf den Naturschutz achten.

Landkreis – Florian Lempert, Vize-Chef der CSU-Fraktion im Kreistag, hatte heuer auf einer Wanderung hinauf zum Oberammergauer Hausberg Laber ein einschneidendes Erlebnis. „In der Früh war dort alles picobello – aber am Nachmittag komplett vermüllt“, berichtet er noch immer etwas entsetzt. Besucher hatten einfach ihre Brotzeit-Überbleibsel am Wegesrand liegengelassen.

Kein Einzelfall. Denn die Klagen über Freizeitsuchende, die keinerlei Rücksicht auf die Natur nehmen, häufen sich. Lempert – der ehemalige Landratskandidat aus Seehausen gilt als Nachwuchshoffnung der Christsozialen – spricht von einem „massiven Problem“. Der Hintergrund liegt auf der Hand: Gerade in Corona-Zeiten boomt der Urlaub in Deutschland. Attraktive Naherholungsgebiete wie der Landkreis Garmisch-Partenkirchen werden daher an schönen Tagen regelrecht überrannt.

Dabei geht es nicht nur um die besagten Müllsünder. Die Liste der Schandtaten ist lang: Da werden während der Hegezeit einfach Wiesen, Felder und Almflächen betreten. Wildcamper stellen mitten in sensiblen Schutzgebieten ihre Zelte auf und grillen am Lagerfeuer. Und Wohnmobilisten versperren völlig ungeniert öffentliche Parkplätze, um nur einige weitere Beispiele zu nennen.

Die CSU-Kreistagsfraktion und die CSU-Bürgermeister im Landkreis schlagen Alarm – und wollen etwa gegen die Auswüchse unternehmen: „Diese Situation können wir unserer heimischen Bevölkerung nicht weiter zumuten“, heißt es in einem Antrag an den Kreistag. Die Landschaft und die Natur seien „unser Kapital“. Und dieses müsse man erhalten und pflegen. Die Schwarzen haben einen konkreten Vorschlag, wie dies funktionieren soll: Sie plädieren dafür, dass der Kreis drei Naturpark-Ranger einstellt. Die „Grünen Sheriffs“ sollen in erster Linie an den touristischen Brennpunkten zwischen Staffelsee und Karwendel nach dem Rechten sehen. Und das Landratsamt müsste, so die Vorstellung der CSU, hierfür ein Konzept erarbeiten.

Natürlich seien die Urlauber und Tagesausflügler willkommen, betont Lempert. Nur müssten die schwarzen Schafe unter ihnen zur Vernunft gebracht werden. Im Vordergrund stünden Aufklärung und Information, erläutert der Volksvertreter – sowie eine Sensibilisierung für einen verantwortungsvollen Umgang mit Flora und Fauna. „Wir hoffen, dass sich damit das Verhalten ändert.“ Und wenn gutes Zureden und Ermahnungen nicht helfen? Dann müsse auch über Sanktionen, etwa in Form von Bußgeldern, nachgedacht werden, findet Lempert.

Neu ist die Idee mit den hauptberuflichen Naturwächtern nicht. Im Ammertal läuft bereits seit Ende 2018 ein entsprechendes, vom Freistaat großzügig gefördertes Projekt. Drei Ranger (Thomas Weber, Deniz Göcen und Dominik Landerer) teilen sich zwei Stellen. Ihre Gehälter bezahlt der Verein „Naturpark Ammergauer Alpen“. Die Bilanz klingt vielversprechend: „99 Prozent der Gespräche verlaufen positiv“, berichtet Koordinator Dr. Klaus Pukall. Die Leute seien meist einsichtig, denn: „Keiner will die Natur kaputtmachen.“ Nur im Notfall müsse die Polizei verständigt werden.

Unterstützung für ihr Anliegen erhält die CSU-Fraktion von der Freien Wählergemeinschaft Garmisch-Partenkirchen/Oberes Loisachtal, die sich in der Sache bereits im Juni an das Landratsamt gewandt hatte. „Wir begrüßen die Einstellung von Rangern“, sagt die Fraktionsvorsitzende Lilian Edenhofer. Allerdings müssten diese auch mit Befugnissen ausgestattet werden, um beispielsweise Personalien aufnehmen zu können. „Sonst haben wir eine bessere Sicherheitswacht, die bei jedem festgestellten Verstoß die Polizei ruft.“

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