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Bei der Besichtigung erläutert Jakob Feierabend (2.v.l.) die Probleme bei der Arbeit im Kongresshaus. 

Kritiker haben die Kosten im Blick

Neubau des Kongresshauses spaltet die Meinungen

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Die Neubau-Pläne des Kongresshauses in Garmisch-Partenkirchen rufen Befürworter wie Gegner hervor. Beide Seiten machten sich ein Bild vor Ort. Jeglicher Zweifel über das Millionen-Euro-Projekt wurde bei dem informativen Abend aber nicht aus der Welt geschafft.

Garmisch-Partenkirchen– Jakob Feierabend wusste es noch nicht, als er seine Führung durch das Garmisch-Partenkirchner Kongresshaus gestartet hatte. Es dauerte keine fünf Minuten bis feststand: Mit dieser Besichtigung hat der Technische Leiter kein einfaches Los gezogen. Kaum war er mit seinen Erläuterungen über das Foyer fertig, unterbrach ihn einer der rund 30 Interessierten. Thomas Goetze versuchte – in forderndem Ton – das Gespräch auf die aktuellen Pläne zu lenken. Doch Feierabend ist wie Claudia Käsbohrer (zuständig für Kongresse) der falsche Adressat. „Die beiden sind nicht aus der Politik“, stellte Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) klar und wies auf den Ablauf des Abends hin: Führung machen, Sachstand anschauen, danach diskutieren. Die Ansage zeigte Wirkung – vorerst. Denn eine leicht aggressiv-aufgehitzte Stimmung begleitete die Teilnehmer durch die Gemäuer des Kongresshauses. Gestänkert wurde an diesem Freitagabend mehrfach.

Der Technische Leiter ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, zeigte den Anwesenden sämtliche Räume, Lager und Säle und machte sie auf die Probleme aufmerksam. Sei es der alte Aufzug, der mehrmals im Jahr streikt, nicht-behindertengerechte Toiletten im „Kasernenflair“ und vor allem die Schwierigkeiten bei den Transportwegen durch die verschiedenen Ebenen und zahlreichen Treppen. Sein Team und er fungieren mehr und mehr als Packesel, die Stühle und Tische mit den Händen herumschleppen. Das frisst Zeit, das beansprucht Personal.

Bürgermeisterin gibt einen Rückblick

Der SPD-Ortsverein um Vorsitzende Ulrike Bittner-Wolff hatte zu dem Termin geladen. Aus Leserbriefen im Tagblatt hatte sie entnommen, dass noch einige Unklarheiten herrschen, warum sich der Gemeinderat heuer mehrheitlich dazu bekannte, einen Neubau in kleinerer Version zu verfolgen. Mit der Einschätzung lagen die Sozialdemokraten richtig. Feierabend wurde in der gut einen Stunde gelöchert mit Fragen. Von denjenigen, die den vollumfänglichen Handlungsbedarf mit Neubau nachvollziehen können, und von denjenigen, die den Charme des Hauses in seiner bisherigen Form erhalten wollen.

Nicht nur wegen der emotionalen Komponente – viele verbinden mit dem Kongresshaus in seiner jetzigen Form Erinnerungen – wurde an diesem Abend das Vorhaben kritisiert. Sorgen bereitet die Finanzierung. Das zeigte sich bei der anschließenden Gesprächsrunde im Kurpark-Pavillon einmal mehr. Die Kostenexplosion bei der Skisprungschanze unter der Ära von Ex-Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) bleibt das Schreckgespenst von Garmisch-Partenkirchen.

Anpassung auf Ansprüche der Kongressausrichter

Ein langer Weg liegt in puncto Kongresshaus hinter der Marktgemeinde. Meierhofer zeichnete ihn seit 2005 nach, erläuterte illusorische Vorhaben, die Summen von bis zu 75 Millionen Euro verschlungen hätten und vom Kommunalparlament deshalb verworfen worden sind. Die Bürgermeisterin erklärte außerdem im Detail, warum das Konzept der Berliner Planer Henchion und Reuter gestoppt werden musste. Im Zuge der so genannten Leistungsphase zwei ereilte sie die Hammernachricht: Zehn Millionen Euro muss die Gemeinde investieren, ohne dass sich funktionell etwas am Gebäude verbessert. Geld, das ausschließlich in den Brandschutz und die Hygiene in der Küche fließt. Maßnahmen, die zügig umgesetzt werden müssen, um das Kongresswesen überhaupt zu erhalten.

Das neue Modell, die „erweiterte Altötting-Variante“, wie sie Meierhofer bezeichnete, beziffert man mit rund 31 Millionen Euro für Abriss, Neubau und Errichtung einer Tiefgarage – für „ein nagelneues Haus“, das den Ansprüchen der Kongressausrichter ihr zufolge entspreche.

Doch die Garmisch-Partenkirchner sind gebrannte Kinder. Heidemarie Trickl zweifelte die Kostenrechnung an. „Grau ist die Theorie“, sagte sie. Goetze erkundigte sich sogleich über Zuschüsse. Von der Städtebauförderung gebe es nichts, sagte Meierhofer. Von RÖFE (Richtlinien zur Förderung von öffentlichen touristischen Infrastruktureinrichtungen) „wahrscheinlich 60 Prozent von der Kulturnutzung“. Das entscheide sich aber erst, wenn die Pläne eingereicht werden.

Für viele Teilnehmer gibt es bei diesem Thema zu viele Unsicherheits-Faktoren: Was passiert in der Bauphase? Kommen die dadurch verlorenen Kongresse wieder zurück? Meierhofer räumte Unklarheiten aus und hatte stets eine Antwort parat. Nur eine blieb sie schuldig. Was mit U1 und Kleinem Theater passiert. Diese Entscheidung steht noch aus.

Während Goetze und andere Zweifler mit ihrer Abneigung bezüglich der aktuellen Pläne nicht hinterm Berg hielten und gerne vor sich hin grummelten, ließen sich andere von Feierabend und Meierhofer überzeugen. „Ich habe mein Denken nach der Begehung geändert“, sagte eine Frau, die namentlich nicht in der Zeitung genannt werden möchte – zugunsten des Neubaus. Diesen sieht Hans-Georg Sante sogar als Chance, den Ort weiterzubringen Der Einheimische zeigte sich „erschreckt von manchem Diskussionsbeitrag“. Schließlich müsse sich die Gemeinde für die Zukunft und für die nächsten Generationen ausrichten. „Wir dürfen nicht nur an uns denken und an Altem festhalten.“ Meierhofer nickte. Nicht alle taten es ihr gleich.

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