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Gottes Segen für die neue Bahn erteilen die Pfarrer (v. l.) Andreas Lackermeier und Irene Konrad. Der ist Katrin Ostermair-Maurer und Hansjörg Ostermair wichtig.

Ein Fest mit viel Herz und ein bisschen Wehmut

Neue Eckbauerbahn in Garmisch-Partenkirchen offiziell eröffnet

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Rund zehn Millionen Euro kostet das Eckbauerbahn-Projekt mit Talstation, Café – und natürlich neuer Bahn in Garmisch-Partenkirchen. Nun wurde sie offiziell eröffnet. 

Zwei Urgesteine der Eckbauerbahn: Michael Weber (l.) und Franz Dengg.

Garmisch-Partenkirchen – Michael Weber ist schon mit ihr gefahren. Franz Dengg auch. „Und?“, fragt Weber seinen Spezl. „Subba, oder?“ – „Wahnsinn. Hast gemerkt, wie leise das alles ist?“, fragt Dengg. Und alles gehe automatisch. Ja, sagt Weber, heute muss da keiner mehr Kabinen zum Start schieben. „Mei, was hatten wir Muskeln davon.“ Dengg lacht, hebt den linken Arm, ballt die Faust, um die Muskeln von damals unter dem Trachtenanzug anzuspannen.

90 Jahre ist er alt. Ein Eckbauerbahn-Urgestein. Genau wie Weber, neun Jahre jünger. 1959 fing er bei der Bahn an. Drei Jahre, nachdem sie in Betrieb gegangen war. Dengg war von Anfang an dabei, schon beim Bau. Am Freitag feierte er seine zweite Eckbauerbahn-Eröffnung: Die neue Anlage wurde offiziell eingeweiht. Sie gefällt den zwei langjährigen Maschinisten. Die alte, an der sie jede Schraube kannten, werden sie dennoch vermissen. „Man hängt ein bisschen an ihr“, sagt Dengg. Ein bisschen weh tut’s, sagt Weber. Beide aber wissen: Die Entscheidung war richtig.

Entscheidung für Neubau der Eckbauerbahn nicht leicht gefallen

Geschäftsführerin Katrin Ostermair-Maurer hat sie sich nicht leicht gemacht. Auch sie hing an der Nostalgiebahn. Doch sie zu sanieren – die Fundamente waren marode, Ersatzteile hätte man per Hand fertigen müssen – wäre einem Himmelfahrtskommando gleich gekommen.

Am 7. Oktober 2018 fuhr die alte Bahn ein letztes Mal. In sieben Monaten Bauzeit entstand eine topmoderne Bahn sowie eine neue Talstation samt Café und ein Anbau an der Bergstation. Gut zehn Millionen Euro kostete das Projekt, 3,2 Millionen Euro kamen vom Freistaat an Zuschüssen. Seit 16. Mai, nur zwei Wochen später als ursprünglich geplant, bringen 45 Sechser-Gondeln 570 Menschen pro Stunde nach oben – fast doppelt so viele wie bislang. Viele Besucher hatten die neuen Kabinen schon getestet, darunter viele Rollstuhlfahrer, die bislang kaum die Bahn nutzen konnten. Das zu sehen und „viele positive Rückmeldungen“ zeigen Ostermair-Maurer: „Wir haben alles richtig gemacht.“ Wehmut spürt sie bei der Eröffnungsfeier deshalb keine. Zumal die Kabinen nicht verschwinden: Viele wurden verkauft, eine steht bei ihr im Garten, geschmückt mit Blumen. Für ihre Lieblingsgondel, die rote – auch die neue Bahn hat ein farbiges Sonderexemplar – sucht sie noch einen Ehrenplatz. Zudem erwartet die Gäste am Gipfel eine Gondel zum Hineinsetzen und Fotomachen, Alp- und Zugspitze im Hintergrund.

Schlaflose Nächte: Der Bau der Eckbauerbahn in Garmisch-Partenkirchen war eine intensive Zeit

Intensive Monate liegen hinter Ostermair-Maurer. Schlaflose Nächte waren dabei, Tränen flossen, auch „richtig narrisch“ ist sie zwischendurch mal geworden. Die schlimmsten Minuten aber erlebt sie am Freitag. „Ich bin brutal nervös.“ Reden zu halten, ist nicht ihr Ding, an diesem Tag aber wichtig. Sie will all die Menschen – Mitarbeiter, Handwerker, Firmenvertreter, Projektleiter, Steuerberater und viele mehr – hervorheben, die das Projekt erst ermöglichten. Die „uns in kritischen Momenten unendlich viel Zuversicht und Kraft gegeben haben“. Die zur Stelle waren, „wenn die Lage mal nicht rosarot war“. Die mit der Familie an das Projekt geglaubt haben.

Eckbauerbahn in Garmisch-Partenkirchen offiziell eröffnet: Das Fest in Bildern

Die Familie – ihre wichtigste Stütze. „Jetzt wird’s bisserl sentimental für mich“, sagt sie und richtet sich unter anderem an ihre drei Söhne, die nächste Eckbauerbahn-Generation, die ihr die Perspektive für den Neubau eröffneten. Und an ihren Ehemann Hansjörg Ostermair. Um sie voll zu unterstützen, gab er sogar den Posten als Vorsitzender des Partenkirchner Volkstrachtenvereins „Werdenfelser Heimat“ auf. „Ohne Dich“, sagt sie, „wäre ich dieses Wagnis niemals eingegangen.“ Eine Rede, die von Herzen kommt. Für eine Bahn, in der so viel Herzblut steckt.

Eckbauerbahn untrennbar mit Franz Dengg, Michael Weber und Willi Sebrich verbunden

Untrennbar ist sie mit Franz Dengg, Michael Weber und Willi Sebrich, alle Mitarbeiter der ersten Stunden, verbunden. Ostermair-Maurer nennt sie liebevoll „meine Senior-Bauleiter“. Sie weiß: „Euch hat das Herz geblutet, als die alte Bahn abgerissen wurde.“ Umso mehr freute sie sich darüber, dass sie den Bau der neuen Anlage Schritt für Schritt verfolgten. Die Besitzerin hofft, sie sind mit dem Ergebnis zufrieden. Es bleibt viel Gelegenheit, die Bahn genau zu testen: Sie dürfen künftig jederzeit kostenlos damit fahren.

Lesen Sie auch: Eckbauerbahn-Prototyp sorgt für Gerede

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