Keine Vorzeige-Einrichtung: die Obdachlosen-Unterkunft mitten im Gewerbegebiet Loisachauen.
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Keine Vorzeige-Einrichtung: die Obdachlosen-Unterkunft mitten im Gewerbegebiet Loisachauen.

Katholischer Männerfürsorgeverein empfiehlt anderen Standort

Neue Perspektiven für Obdachlosenhilfe

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Obdachlosen-Unterkunft in den Loisachauen ist das Sorgenkind der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen. Seit rund sechs Wochen betreut nun der Katholische Männerfürsorgeverein München den sozialen Brennpunkt mitten im Gewerbegebiet. Der Appell der Experten ist eindeutig: Sie drängen auf einen neuen Standort. Die Suche läuft bereit.

Garmisch-Partenkirchen – Gewaltausbrüche, unkontrollierter Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch – dem Obdachlosenheim der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen eilt kein guter Ruf voraus. Immer wieder sorgte die Notunterkunft, die sich in einem Altbau in dem Wirtschaftsareal in den Loisachauen befindet, für Negativ-Schlagzeilen – und trieb den Ortspolitikern die Sorgenfalten auf die Stirn. Es musste sogar ein Sicherheitsdienst engagiert werden.

Fachverband bringt viel Erfahrung mit

Die Kommune möchte das Dauerproblem mit professioneller Hilfe lösen – und schloss einen Vertrag mit dem Katholischen Männerfürsorgeverein München (KMFV). Der caritative Fachverband, der in der Erzdiözese München und Freising tätig ist, bringt reichlich Know-how in der Arbeit mit Wohnungslosen mit. Die Entscheidung sorgte allerdings für Verstimmungen: Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), der sich viele Jahre um das Haus und die Bewohner kümmerte, reagierte verschnupft (wir berichteten).

Seit Mitte März nehmen sich nun die beiden KMFV-Sozialarbeiterin Barbara Cunradi-Rutz und Yara Elsayed der Hilfsbedürftigen an. Ihr erster Zwischenbericht, den sie jetzt in der Sitzung des Sozial- und Ordnungsausschusses vorstellten, machte deutlich, wie schwierig die Situation und wie viel noch zu tun ist. In der Einrichtung leben derzeit 15 Männer und zwei Frauen – mit teils schwerwiegenden Suchtproblemen und psychischen Störungen. „Alle sind ernsthaft erkrankt“, berichtet Cunradi-Rutz im Tagblatt-Gespräch. „Es ist ein Sammelsurium von Menschen in großer Not.“ Die Security ist ihrer Ansicht nach notwendig, da es immer wieder zu Aggressionen und Übergriffen komme.

Der Markt habe zwar bereits Geld in die Hand genommen, um die Liegenschaft etwas auf Vordermann zu bringen. Das Wohngebäude, das nicht gerade einladend wirkt, ist aber nach Ansicht der erfahrenen Sozialpädagogin, die im Kreisort aufwuchs und heute in Oberammergau lebt, „nicht haltbar“. Ihre Bestandsaufnahme fällt ernüchternd aus: „Das kratzt schon ein bisschen an der Menschenwürde“, resümiert Cunradi-Rutz, die im Passionsdorf dem Gemeinderat angehört.

Immobilie in keinem guten Zustand

Das Obdachlosenheim befinde sich baulich in keinem guten Zustand, die Ausstattung – etwa die sanitären Anlagen – lasse zu wünschen übrig, und das Umfeld sei alles andere als ideal. Es sei dort immer staubig und laut – und die Bewohner hätten kaum eine Möglichkeit, ins Zentrum zu gelangen, um beispielsweise eine Behörde aufzusuchen. „Der Standort geht überhaupt nicht“, fasst Cunradi-Rutz zusammen. Für sie steht daher fest: Ein Neubau an einem anderen Standort sei nötig. „Das muss angegangen werden.“

Außerdem brauche die Kommune ein klares Konzept. Nächste Woche soll es weitere Gespräche geben, die sich unter anderem mit der Hausordnung beschäftigen. Trotz aller Schwierigkeiten blickt Cunradi-Rutz optimistisch in die Zukunft: „Wir sind auf einem guten Weg“, findet sie. Die Hilfe werde von den Obdachlosen dankend angenommen. Und die Arbeit sei „erfüllend“.

Zweite Bürgermeisterin Claudia Zolk (CSB) will in der Sache vorankommen. „Wir haben schon vieles angestoßen“, betont sie. Die Gemeinde gibt ihren Angaben zufolge jedes Jahr rund 250 000 Euro für die Obdachlosenhilfe aus. Dass man um einen Ersatzstandort nicht umhin kommt, sei klar. „Wir haben das auf der Agenda“, erklärt die Vize-Chefin im Rathaus. Drei Möglichkeiten würden bereits geprüft. Im Gespräch seien ein Modulbau oder ein klassischer Neubau. Zolk hofft, dass dieses Projekt in den nächsten zwei Jahren angepackt wird – wenn es die Haushaltslage zulässt. Oberstes Ziel müsse es sein, die Betroffenen dabei zu unterstützen, den Weg zurück in ein normales Leben zu finden. Zolk nimmt das Problem der Obdachlosigkeit sehr ernst. Denn: „Das kann jedem passieren.“

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