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In dieser Gruft li egen die sterblichen Überreste von Hermann Levi.  

Der vergessene Ehrenbürger 

Endlich gebührende Ruhestätte für den berühmten Dirigenten Hermann Levi? 

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In der unseligen Geschichte um den Garmisch-Partenkirchner Ehrenbürger Hermann Levi (1839 bis 1900), seit Jahrzehnten vergessen und ignoriert, wird offenbar ein neues Kapitel aufgeschlagen. Eines, das nach vielen dunklen Jahren dem Andenken des berühmten jüdischen Dirigenten endlich einmal gerecht werden könnte.

Garmisch-Partenkirchen – Das Grab von Hermann Levi, das sich an einem der schönsten Flecken im Ortsteil Partenkirchen befindet, sieht aktuell besser aus als vor fast sechs Jahren. Die Sonne scheint durch die dichten Blätter der Bäume, helle Strahlen lassen es in einem warmen Licht erstrahlen. Im November 2012 war es verwahrlost und der letzten Ruhestätte eines Garmisch-Partenkirchner Ehrenbürgers unwürdig gewesen. Doch noch immer nicht wird es dem großen Dirigenten und Wohltäter gerecht. Aber man weiß jetzt endlich, dass (s)ein Leichnam in der Gruft, die sich auf dem Grundstück des ehemaligen FDP-Gemeinderats Ecko Eichler befindet, liegt. Jahrelang war man sich dessen nicht sicher gewesen. Kurz nach der Machtergreifung hatten die Nationalsozialisten nämlich alles daran gesetzt, die Erinnerung an den Ehrenbürger auszulöschen. Die Herman-Levi-Straße in Partenkirchen verlor ihren Namen, Nazi-Vandalen zerstörten das Mausoleum und machten es dem Erdboden gleich. Es gab Befürchtungen, die braunen Schergen hätten auch die sterblichen Überreste geschändet.

Grab wurde geöffnet und brachte Gewissheit

Gewissheit brachte die Öffnung des Grabs vor rund einem Monat. Im Beisein von Shmuel Aharon Brodman, dem Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), Eichler und Mitarbeitern des Friedhofsamts gingen Bauhofs-Beschäftigte mithilfe eines Baggers daran, die äußerst schwere Metallplatte, die das Grab verschloss, zu entfernen. „Es kam eine große Gruft zum Vorschein“, erzählt Meierhofer, „auf deren Grund ein verplombter Zinksarg liegt.“ Brodmann und ein Gemeindebeschäftigter stiegen hinab, um den Sarkophag zu öffnen. Meierhofer riet, ihn einmal anzuheben. Dabei zeigte sich der Leichnam, weil der Boden durchgerostet war. „Die Gruft war völlig trocken“, sagt Eichler.

Auslöser der Graböffnung war ein Besuch von Meierhofer und Eichler bei Charlotte Knobloch in München im Spätsommer des vergangenen Jahres. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern hatte in diesem Rahmen dieses Vorgehen angeregt. Wegen anderweitiger Verpflichtungen fehlte sie allerdings Mitte Mai beim Ortstermin.

Was passiert mit Levis Leichnam?

Was mit dem Leichnam Hermann Levis passiert, darüber hat Knobloch das letzte Wort. Zwei Varianten wurden im Hause Eichler von den Beteiligten bei einer Tasse Kaffee Meierhofer zufolge diskutiert. Die erste: Das Grab wird aufgelöst und Levis Leichnam auf einem der beiden jüdischen Friedhöfe in München bestattet. Die zweite: Eichler ist bereit, das Grab von der Straße aus zugänglich zu machen. „An meiner Bereitschaft daran hat sich nichts geändert“, erklärt er im Tagblatt-Gespräch. Allerdings deutet viel darauf hin, dass Knobloch die erste Möglichkeit wählen wird. „Die Präsidentin trifft womöglich schon in der kommenden Woche eine Entscheidung“, sagt Richard Volkmann, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der IKG.

Hermann Levi ist überall dort, wo er gelebt und Spuren hinterlassen hat, hoch angesehen. Und man hat ihn für seine Verdienste gewürdigt. Das gilt besonders für Karlsruhe. Acht Jahre lang wirkte er am Badischen Staatstheater als gefeierter Hofkapellmeister. Der Platz vor dem Musentempel trägt seit Februar 2017 seinen Namen. Ivica Furlier, Technischer Direktor und im Staatstheater für Levi zuständig, hatte sich bereits 2015 mit Meierhofer und Eichler getroffen, um auszuloten, wie man von Karlsruhe aus helfen könnte. Ein Vorschlag: finanzielle Unterstützung. In Karlsruhe gab es 2015 deshalb eine Benefizreihe, bei der das Publikum aufgefordert war, für den Wiederaufbau des zerstörten Mausoleums in Garmisch-Partenkirchen, zu spenden. Das Geld ruht noch immer auf einem Konto.

Nichts erinnert in Garmisch-Partenkirchen an den Ehrenbürger 

In München, in Bayreuth und in seiner Heimatstadt Gießen gibt es eine Levi-Straße. In dem Ort, der ihn zum Ehrenbürger ernannte, weil er neben seiner großen musikalischen Fähigkeiten auch ein Wohltäter war, erinnert nichts an den berühmten Dirigenten von Wagner-Opern. Die Umbenennung eines Teils der Hindenburgstraße in Hermann-Levi-Straße – der zweite Teil sollte dem schon lange verstorbenen SPD-Bürgermeister Philipp Schumpp gewidmet werden – scheiterte 2013 an einem Bürgerentscheid. Jetzt wäre es an der Zeit, einen zweiten Anlauf zu nehmen. Die Hindenburgstraße kommt nicht mehr in Frage. Im Gemeinderat und der Verwaltung wäre man aber gut beraten, einen Vorschlag von Alois Schwarzmüller, ehemaliger SPD-Kommunalpolitiker und wohlvertraut mit der Nazi-Vergangenheit Garmisch-Partenkirchens zwischen 1933 und 1945, aufzugreifen. Der hatte schon vor etlichen Jahren den Partenkirchner Kurpark, der an das Richard-Strauss-Institut grenzt, ins Spiel gebracht. „Diese Idee finde ich auch gut“, sagt Meierhofer. Würde sich die Politik schnell noch zu einem parteiübergreifenden Beschluss durchringen, gäbe es auch noch einen passenden Anlass. Am 12. Juli 1898 ernannte Partenkirchen Hermann Levi zum Ehrenbürger – vor fast genau 120 Jahren.

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