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Schneechaos sorgt für viel Arbeit auf den Dächern.

Experte fordert rasches Handeln

Schneelast-Norm: Landratsamt zögert noch

Mit seiner Überarbeitung der Schneelastnorm hat Wolfgang Schwind aus Mittenwald in der Fachwelt für Furore gesorgt. Jetzt liegt’s an den einzelnen Baubehörden,die Ergebnisse diesesForschungsprojektsanzuwenden. Doch das wird im Landkreis wohl noch etwas dauern.

Landkreis – „Ganze 70 Prozent der Schneelastzuordnungen waren falsch.“ Mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis präsentierte der Mittenwalder Statiker Wolfgang Schwind vor knapp drei Wochen in München die Ergebnisse einer von ihm wissenschaftlich betreuten Studie des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Obwohl diese über zehn Jahre dauernde Neuordnung der Schneelastnorm inzwischen von staatlicher Seite offiziell anerkannt wurde, scheint es im Landkreis mit der konkreten Umsetzung noch zu hapern. Dabei würden die Gemeinden, die allesamt in puncto neuer Schneelastnorm abgestuft wurden, davon profitieren beziehungsweise deren Häuslebauer.

Doch im zuständigen Landratsamt zögert man noch in Sachen praktischer Anwendung der neuen DIN-Norm. Die Untere Baubehörde beruft sich dabei auf Artikel 54, Absatz drei der Bayerischen Bauordnung. Diese bringe die entsprechende Aufsichtsbehörde zwar in die Position, höhere Schneelastmengen für Gebäude festzulegen wie etwa in Traunstein, erläutert Pressesprecher Stephan Scharf. „Es ist derzeit jedoch nicht möglich, geringere Schneelasten festzusetzen, solange die entsprechende DIN noch nicht überarbeitet und eingeführt ist.“ Das wiederum hat laut Scharf zur Folge: „So ist es dem Landratsamt momentan leider noch nicht möglich, neue Schneelastzonen einzuführen.“

„Das ist falsch“

Doch diese Einschätzung bringt Experten Schwind in Rage. „Das ist falsch“, betont der 70-Jährige. „Das ist genau das, was ich befürchtet habe.“ Schwind hegt folgenden Verdacht: „Anscheinend will der Landkreis den Bürger nicht entlasten.“ Dabei stellt sich für den ausgewiesenen Fachmann aus Mittenwald die Sachlage so simpel dar. „Aufgrund dieser wesentlichen Erkenntnisse des Pilotprojekts hat sich das bayerische Innenministerium als oberste Baubehörde entschlossen, sofort im Vorgriff später zu erwartender Regelungen die neuen Schneelastzonen zu veröffentlichen.“ Demnach seien Untere Baubehörden sehr wohl in der Lage, diese Novellierung für neue und bestehende Gebäude übernehmen können.

Positives Signal aus Garmisch-Partenkirchen

Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, die im Gegensatz zu den kleineren Kommunen im Landkreis in puncto Bauvorhaben autark ist, will dieses „Verfahren schon mal angewendet haben“, wie Rathaus-Sprecherin Ute Leitner bestätigt. „Wir sind dem Ganzen positiv gegenüber eingestellt, man sollte es den Bürgern nicht vorenthalten.“

Wasser auf den Mühlen von Schwind. „Ich gehe davon aus, dass das Landratsamt und der Landrat der Wahrheit das Recht geben und die Bürger von nicht verantwortbaren Baukosten aufgrund unangepasster Normen befreien.“ Selbstverständlich profitiert dem Mittenwalder zufolge auch der Landkreis als Bauherr davon – etwa bei der geplanten Sanierung der Berufschule in Garmisch-Partenkirchen. „Da geht es auch um unsere Steuergelder.“ Denn je niedriger die zugrundegelegte Schneelast, desto geringer ist beim Hausbau der Materialaufwand. Was nichts anders bedeutet als: Der Betroffene spart sich viel Bares.

Christof Schnürer

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