Eine Art Planierraupe mit einem Erdbohrer steht vor einer Skisprungschanze. Schnell liegt keiner.
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Der nächste Bauabschnitt steht in den Startlöchern: Am Olympia-Skistadion soll eine Flutlichtanlage entstehen. Für die Fundamente finden bereits Probebohrungen statt.

Kosten noch nicht klar - Mehrere Millionen werden es sicher

Sanierung Olympia-Skistadion: Neuer Glanz für geschichtsträchtigen Bau

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die mehrere Millionen Euro teure Sanierung des Olympia-Skistadions in Garmisch-Partenkirchen könnte 2021 abgeschlossen sein. Mit oder ohne Museums- und Erlebniskonzept.

Garmisch-Partenkirchen – Das Olympia-Skistadion ist nicht nur das imposante Wahrzeichen Garmisch-Partenkirchens, sondern auch eine beliebte Sehenswürdigkeit. Die hufeisenförmige Anlage am Fuße der Skisprungschanzen lockt jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher an. Doch an der historischen Sportstätte, errichtet für die Olympischen Winterspiele 1936, nagt der Zahn der Zeit. Die Bausubstanz gilt als marode, Ex-Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) sprach einst gar von einem „kontrollierten Verfall“.

Dieser soll verhindert werden – mit einer aufwändigen Sanierung, die vor drei Jahren begann. Bauherrin ist die Marktgemeinde. „Ziel ist es, das Denkmal Skistadion in jeglicher Hinsicht fit für die Zukunft zu machen – nicht nur was die Gebäudesubstanz anbelangt, sondern auch im Hinblick auf die Nutzung“, sagt die aktuelle Rathauschefin Elisabeth Koch (CSU). Es gehe darum, beschreibt die Kommunalpolitikerin das erklärte Ziel, das Skistadion mit seiner großen Freifläche zukünftig nicht nur für sportliche Events zu nutzen, sondern auch für kulturelle und gesellschaftliche Open-Air-Veranstaltungen.

Das Wahrzeichen Garmisch-Partenkirchens: das Skistadion, das 1936 eigens für die Olympischen Winterspiele errichtet wurde. Hier findet jedes Jahr das traditionelle Neujahrsskispringen im Rahmen der Vierschanzentournee statt.

Olympia-Skistadion: Arbeiten kommen gut voran

Die Arbeiten kommen offenbar gut voran – trotz der denkmalpflegerischen Vorgaben und Auflagen, die erfahrungsgemäß solche Vorhaben eher erschweren. Man liege, was die baulichen Abschnitte angeht, im Zeitplan, heißt es aus dem Rathaus. Geplanter Abschluss: 2021.

Derzeit finden der Ausbau der Ostkurve sowie Restarbeiten im Rahmen der Sanierung der Gebäudehülle statt. Es stehen dann noch die Instandsetzung der Tribünen und der Neubau einer Flutlichtanlage an. Diese trainings- und wettkampftaugliche Beleuchtung soll die Einrichtung, so der Hintergedanke, für andere Großveranstaltungen besser nutzbar machen. Grünes Licht für diese zusätzliche Infrastruktur – für die Fundamente fanden jetzt Probebohrungen statt – hatte der Gemeinderat in seiner jüngsten Oktober-Sitzung gegeben.

Sanierung des Skistadions: Mehrkosten sind zu verkraften

Eine genaue Kostenberechnung auf Heller und Pfennig für die gesamte prestigeträchtige Unternehmung liegt noch nicht vor. Fest steht: Der Markt muss einige Millionen in die Hand nehmen – trotz üppiger staatlicher Zuschüsse. Und es sind auch Mehrkosten zu verkraften: Bei der Gebäudehülle machen diese 26 Prozent aus. Allein dieser Teilbereich verschlingt voraussichtlich 11,1 Millionen Euro (netto). Die Ausgaben für die weiteren Investitionen lassen sich nur grob schätzen: circa 2 Millionen Euro für die Ostkurve, 3,5 Millionen Euro für die Tribünen und 1,9 Millionen Euro für das Flutlicht. Angesichts dieser massiven Kosten hatte sich Michael Maurer, Präsident des SC Partenkirchen und damit Chef-Organisator des Neujahrsskispringens, mehr erhofft. Er hätte die Prioritäten anders gesetzt, sagte er bei einer Baustellen-Besichtigung vor einem Jahr.

Ursprünglich war als Sahnehäubchen ein fünftes Element vorgesehen: die Umsetzung eines touristischen Museums- und Erlebniskonzepts, das an verschiedenen Stationen auf dem Gelände den Wintersport als Leitthema und die Ortsgeschichte zeitgemäß aufgreift. Ausgetüftelt wurde das Ganze von der beauftragten Kölner Agentur Simple GmbH. Doch vorerst handelt es sich nur um einen Schubladenplan: Über eine Realisierung müsse der Gemeinderat noch abschließend beraten, sagt Rathaus-Sprecherin Ute Leitner – „besonders unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten des Marktes“.

Olympia 1936 in Garmisch-Partenkirchen: Wie geht man mit brauner Vergangenheit um?

Es gibt noch ein großes Fragezeichen: Wie geht man mit der braunen Vergangenheit um? Die Olympischen Winterspiele 1936 wurden bekanntlich von Adolf Hitler politisch instrumentalisiert und als Bühne für seine Propaganda missbraucht. Das Skistadion in Garmisch-Partenkirchen diente dabei den Nazis als Ort der Machtdemonstration. Es handle sich um eine „Stätte der Erinnerung, deren Geschichte in jedem Fall einer fachlich aufbereiteten historischen Einordnung bedarf“, sagt Leitner. Diese werde in jedem Fall auch zukünftig für die Besucher nachzuvollziehen sein. Das besagte touristische Konzept sehe eine entsprechende Dokumentation vor.

Lokalhistoriker Alois Schwarzmüller (2.v.r.) bei der Eröffnung der Ausstellung 2013 – mit dem damaligen Bürgermeister Thomas Schmid (l.) und Ehrengast Dr. Charlotte Knobloch von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Eine fertige Ausstellung, die sich mit dem heiklen Thema auseinandersetzt, existiert bereits. Ihr Titel: „Die Kehrseite der Medaille.“ Das Material – Schautafeln und Exponate – war von 2013 bis zum Sanierungsstart im Ostflügel des Bauwerks zu sehen – ein Gemeinschaftswerk der vier Lokalhistoriker Josef Ostler, Peter Schwarz, Alois Schwarzmüller und Franz Wörndle. Für SPD-Urgestein Schwarzmüller ist die Sache klar: Die Präsentation, derzeit zwischengelagert, gehöre an den angestammten Standort zurück – und möglicherweise erweitert, etwa durch Multimedia-Elemente. „Das ist eine Frage der Finanzierung“, fügt der Ex-Gemeinderat hinzu. Entscheidend sei, dass sich die Marktgemeinde auch mit den dunklen Kapiteln ihrer Geschichte beschäftige. Ob diese Sichtweise alle teilen, daran hat der pensionierte Lehrer seine Zweifel: „Ich habe den Eindruck, dass es Kreise gibt, die die Ausstellung ungern sehen.“

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