Herrlich gelegen, aber sanierungsbedürftig: der Rasenplatz im Gröben-Stadion.
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Herrlich gelegen, aber sanierungsbedürftig: der Rasenplatz im Gröben-Stadion.

Garmisch-Partenkirchen als „Base Camp“ im Gespräch

Neuer Rasen für EM-Traum

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die Vorstellung ist schon verlockend: Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen könnte zur Fußball-Europameisterschaft 2024 ein Basislager für eine der teilnehmenden Mannschaften stellen. Doch dafür müsste zuerst in einen neuen Rasenplatz am Gröben investiert werden. Es geht um Kosten in Höhe von rund 600 000 Euro.

Garmisch-Partenkirchen – Dieser prominente Besuch blieb sicherlich den Garmisch-Partenkirchner Gemeinderäten fest in Erinnerung: Heuer im Juni war Philipp Lahm, der 2014 als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien den Weltmeistertitel holte, zu Gast im Kongresshaus, um eine hochinteressante Partnerschaft vorzuschlagen. Denn die DFB Euro GmbH – Lahm ist Geschäftsführer dieser Tochtergesellschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – könnte sich vorstellen, dass der Kreisort zur Euro 2024 im eigenen Land ein so genanntes „Base Camp“ stellt. Darunter versteht man ein Basislager, wo eines der 24 Nationalteams während des vierwöchigen Turniers im Sommer sein Quartier hat und trainiert. Die DFB-Scouts haben dazu das Vier-Sterne-Superior-Hotel Obermühle sowie die Sportanlage am Gröben ins Auge gefasst.

Imagegewinn und Medieninteresse

Doch ganz ohne Gegenleistung gibt es dieses PR-Geschenk, das einen Imagegewinn und großes Medieninteresse verspricht, nicht. Der Markt müsste zuerst richtig viel Geld in die Hand nehmen, um den Profi-Kickern im Stadion am Gröben beste Bedingungen bieten zu können. Der dickste Brocken: ein komplett neuer Rasenplatz. Billig ist solch eine Anlage nicht, die den Bedürfnissen eines Edelkaders genügt. Im Raum stehen Kosten in Höhe von rund 600 000 Euro – eine Menge (Steuer-)geld für die dauerklamme Kommune.

Diese Zahl nannte der Frankfurter Landschaftsarchitekt Rainer Ernst, der jetzt zu Gast in der Gemeinderatssitzung war. Der Experte, der in der Branche ehrfurchtsvoll „Rasen-Papst“ genannt wird und vom DFB für ein Gutachten ins Werdenfelser Land geschickt worden war, kam zu einem wenig schmeichelhaften Urteil: „Natürlich kann man dort Fußball spielen. Aber es macht keine Freude“, meinte er über den Landesliga-Platz, der auch für den Breiten- und Schulsport genutzt wird.

Konzept für Sanierung vorgestellt

Die Mängelliste ist lang. Die Rede ist zum Beispiel von Unebenheiten und einer fehlenden Entwässerung – alles Punkte, die einem schnellen, trittsicheren Spiel und einem möglichst verletzungsfreien Trainingsbetrieb im Wege stehen. Ernst stellte sogleich ein Konzept für eine Neuanlage vor – mit verschiedenen Bodenschichten, einer Drainage und einem Fertigrasen. Der Spezialist, dessen Firma Aufträge dieser Art erfüllt und beeindruckende Referenzen vorweisen kann, stellte klar, dass sich solch eine Mammutinvestition nicht nur für das Mega-Event Euro 2024 lohne. Überraschend kamen seine schlechten Noten übrigens nicht. In Sportkreisen wird das Fußballfeld unumwunden „Acker“ genannt. Beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen ist daher die Vorfreude auf eine eventuelle Sanierung groß: „Wir würden das natürlich sehr begrüßen“, erklärte Präsident Sigi Riesch.

Entschieden wurde in der Sitzung des Gemeinderats noch nichts. Das vertagte Thema soll im Oktober erneut aufs Tapet kommen. Dann aber muss sich die Ortspolitik, wie zu hören war, festlegen. Im Gespräch ist, auf Nummer sicher zu gehen und das Rasen-Projekt nur unter der Bedingung zuzusichern, dass man beim Bewerbungsverfahren auch tatsächlich zum Zuge kommt. Dann aber bliebe für die Umsetzung wenig Zeit, vermutlich nicht einmal ein halbes Jahr. Ernst sicherte zu, dass dies funktioniert: „Da habe ich keine Bedenken.“ Martin Kurschatke (Freie Wähler) hat diese sehr wohl: „Ich sehe die Zeitschiene kritisch. Es muss alles optimal laufen.“

Überhaupt wurden in der Diskussion skeptische Stimmen laut. Vor allem die weiteren Folgekosten bereiten einigen Volksvertretern Kopfschmerzen, sollte man sich auf den „Base Camp“-Deal mit dem DFB einlassen. „Da sind viele Fragezeichen dahinter“, sagte etwa Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander).

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