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Das Faukenbach-Projekt: Hier ist der Verlauf des unterirdischen Gerinnes entlang der Schnitzschul- und Sonnenbergstraße zu sehen. Insgesamt sind es sieben Bauabschnitte. Die BS-Nummern haben eine andere Bedeutung: Sie beziehen sich auf Einzelpläne.

In Partenkirchen steht Großbauprojekt an

Neues Fauken-Gerinne: aufwändig und teuer

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Hochwasserschutz ist ein teures Unterfangen, aber unverzichtbar – erst recht in einem Risikogebiet wie Garmisch-Partenkirchen. Dem Markt steht das nächste Großprojekt ins Haus: Im Ortsteil Partenkirchen muss das unterirdische Gerinne des Faukenbachs erneuert werden. Kostenpunkt: circa 6,4 Millionen Euro.

Garmisch-Partenkirchen – Gebirgsgewässer sind oft trügerisch, weil sie sich bei Dauerregen, Gewitter oder Tauwetter sehr schnell in reißende Ströme verwandeln können. Der Faukenbach, der seinen Ursprung im Wankgebiet hat, ist solch ein Fall. Gerät er außer Kontrolle, ist der Ortsteil Partenkirchen massiv von Überflutungen bedroht. Immer wieder wird daher kräftig in den Hochwasserschutz investiert. Beispielsweise baute das Wasserwirtschaftsamt im Oberlauf Sperren ein, stabilisierte Hänge und erweiterte Rückhaltebecken (wir berichteten).

Nun steht der nächste große Eingriff an: Das marode Gerinne, durch das der Fauken unter der Oberfläche durch Partenkirchen fließt, muss zwischen Hauptstraße und Floriansbrunnen auf einer Gesamtlänge von circa 820 Metern weitgehend neu gebaut werden – ein technisch anspruchsvolles Vorhaben, das in den Zuständigkeitsbereich der Marktgemeinde fällt. Die Strecke verläuft vor allem unter der Schnitzschul- und Sonnenbergstraße.

Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) sprach in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses, in der ein Entwurf des beauftragten Weilheimer Ingenieurbüros Kokai vorgestellt wurde, von einer „unabdingbaren Maßnahme“. Für die Rathauschefin steht fest: „Wir müssen was tun.“ Dieser Einschätzung schloss sich das Gremium an – und segnete einstimmig die Planung für das Tiefbau-Projekt ab. Die Verwaltung wurde damit beauftragt, das wasserrechtliche Verfahren in die Wege zu leiten sowie staatliche Förderung zu beantragen. Bereits nächstes Jahr im Frühjahr soll es losgehen. Und wenn alles glatt läuft, könnte der in sieben Bauabschnitte aufgeteilte Ausbau 2024 fertig sein.

Die Kommune muss dafür ordentlich Geld in die Hand nehmen. Eine erste Kalkulation geht von Kosten in Höhe von rund 6,4 Millionen Euro aus, wobei mehrere Unsicherheitsfaktoren bestehen, die die Ausgaben weiter in die Höhe treiben können. Das wäre beispielsweise dann der Fall, wenn es zu Verzögerungen kommt und sich der Bau in die Länge zieht. Die engen Platzverhältnisse in dem Viertel machen es nicht einfach, im Untergrund den neuen und größeren Stahlbeton-Kanal (1,60 Meter hoch, 2,50 bis 3 Meter breit) zu verlegen. So muss etwa Rücksicht genommen werden auf bestehende Versorgungsleitungen, die Straßenführung und die Statik der angrenzenden Gebäude.

Eine Sanierung des alten Gerinnes, das zu klein dimensioniert ist, um die erforderlichen Wassermassen abzuleiten, komme nicht in Frage, betonte Kokai-Mitarbeiter Max Weiß in der Sitzung. „Die Bausubstanz ist sehr schlecht. Ohne Neubau geht es nicht“, lautet das Urteil des Experten, der empfahl, in der Sache Gas zu geben. Denn: „Die Situation wird von Jahr zu Jahr dramatischer.“ Bei den Plänen habe man sich weitgehend an der bestehenden Trasse orientiert.

Das Ganze hat noch einen Pferdefuß: Die Fahrbahnen müssen während der Arbeiten teilweise oder komplett gesperrt werden. Die Folge: Es sind Umleitungen nötig – keine leichte Aufgabe in dem historisch gewachsenen Ortsteil. „Die Verkehrsführung ist eine große Herausforderung“, kommentierte Weiß. Und Koch stimmte schon mal auf Verkehrsprobleme ein: „Wir werden eine schier unerträgliche Situation haben.“

Anton Hofer (Garmisch+Partenkirchen miteinander) appellierte an die Verwaltung, Bürger und Anlieger mitzunehmen und ausreichend zu informieren. Denn: „Das ist eine extreme Belastung“, meinte der Gemeinderat mit Blick auf den anstehenden Baustellenbetrieb. Gemeindechefin Koch stimmte zu: „Die Kommunikation nach außen ist wichtig.“ Und etwas später ergänzte sie: „Ich bin für absolute Transparenz.“

Neugestaltung: Der Bau- und Umweltausschuss des Marktes Garmisch-Partenkirchen hat im Zusammenhang mit dem Faukenbach-Projekt ein zusätzliches Vorhaben in die Wege geleitet: Demnach soll der Bereich zwischen Hauptstraße und Ludwigstraße (Schnitzschulstraße) für eine Neugestaltung städtebaulich überplant werden.

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