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Mehr Sicherheit und mehr Platz für Radfahrer soll in Zukunft die stark befahrene Bahnhofstraße bieten.

Drei Varianten gibt‘s

Hauptverkehrsader Bahnhofstraße: Jetzt soll ein Radweg her

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Die Bahnhofstraße in Garmisch-Partenkirchen soll endlich einen Radweg bekommen. Dafür müssen Autofahrer zurückstecken. Die Hauptverkehrsader könnte bald nur mehr einspurig pro Richtung verlaufen.

Garmisch-Partenkirchen – Eine Fahrt auf dem Rad auf der Bahnhofstraße in Garmisch-Partenkirchen gleicht oft einem Drahtseilakt. Christine Wedler kann ein Lied davon singen. Sobald sie versucht, die Straße zwischen der Rathauskreuzung und der Abbiegung St.-Martin-Straße zu queren, wird’s gefährlich. Jetzt sitzt sie mit zwei Mitstreitern der Initiative „Autofreies Garmisch-Partenkirchen“ auf den wenigen Stühlen im Raum 2.03, zweiter Stock des Rathauses. Dort tagt gemeinhin der Bauausschuss. Aufgrund des großen Interesses hat Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) den Tagesordnungspunkt vier nach vorne verlegt: Der Umbau der Bahnhofsstraße im Rahmen der Umsetzung des Radschnellwegs Loisachtal.

Dr. Ralf Kaulen steht im dunklen Anzug vor einer Leinwand. Auf ihr ploppen drei Varianten auf, die der Stadt- und Verkehrsplaner dem Bau- und Umweltausschuss des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats vorstellt. Eine davon soll die Lösung bringen, wie Fahrradfahrer, Fußgänger und Autos künftig auf der Bahnhofstraße miteinander harmonieren sollen. Drei Möglichkeiten, die alle ihre Vor- und Nachteile mit sich bringen. Nur eines haben sie gemein: Fahrradfahrer profitieren von jeder.

Um die Probleme der aktuellen Situation aufzuzählen, braucht Kaulen lange. Konfliktträchtige und Fußgängerübergänge ohne Signal, ungesicherte, zu schmale sowie unzureichende Radwege und vieles mehr. Die Liste ist beachtlich, das Gefahrenpotenzial hoch.

Einbußen für Kfz-Verkehr bei Variante zwei

Variante eins sieht eine Neuordnung mit Betonung der Seitenräume, sprich Gehsteig und Fahrradweg, vor. Dabei sollen die Kfz-Fahrstreifen beibehalten werden. „Die Fahrbahn wird ausgehend von der Mittelachse symmetrisch neu aufgebaut“, sagt Kaulen. Die Gehwege sind dann über vier Meter breit, der Radweg würde beidseitig jeweils zwei Meter Platz bieten. Vier Spuren gäbe es für die Autofahrer samt eines einseitigen Parkstreifens. „Der größte Nachteil an dieser Variante ist die Trennwirkung für Fußgänger.“ Vor allem die breite Fahrbahn würde Überquerungen erschweren.

Deshalb bevorzugt Kaulen die zweite Variante. In dieser wird die Straße städtebaulich und verkehrlich komplett neu geordnet mit einer Betonung der Mittelachse. Als Vorbild dient die Ludwigstraße in Garmisch-Partenkirchen. Die Bahnhofstraße würde ebenfalls einen durchgehenden Mittelstreifen bekommen, mit viel Grün und Platz für Fußgänger und Radfahrer. Einbußen müsste der Kfz-Verkehr hinnehmen. Jeweils eine Spur stünde nur mehr zur Verfügung. Die Kosten belaufen sich auf stattliche drei Millionen Euro. „Sie müssen selbst wissen, was ihnen so ein Umbau wert ist“, sagt Kaulen.

Auch wenn das Planungsbüro diese Variante bevorzugt, einigte sich die Mehrheit der Gemeinderäte auf Variante drei für rund eine Million Euro. Sie orientiert sich am jetzigen Bestand, was die Baukosten senkt. Die Fahrräder bekommen einen zwei Meter breiten Radstreifen, der sich mit Trennmarkierungen von den parkenden Autos absetzt. Für Pkw und Lkw gibt es künftig nur mehr eine Spur pro Richtung, die Trennwirkung für Fußgänger wird verringert. „Die Schwächen des Bestands werden allerdings nicht behoben“, mahnt Kaulen. Die beidseitigen Parkflächen bleiben lediglich 1,90 Meter breit.

Fördergelder gibt‘s nur bis 2020

Sorgen machen der Verwaltung lediglich die Linksabbieger. Die drei Kreuzungen der Bahnhofstraße – allen voran die Rathaus-Kreuzung – stellen bei dieser Option eine enorme Schwierigkeit dar, stellt Meierhofer fest. „Eine Linksabbiegerspur von der Bahnhofstraße in Richtung München ist zu wenig.“ Sie selbst beobachtete aus ihrem Dienstzimmer-Fenster während einer Baustelle die Folgen von nur einer Spur: „Da staut es sich durch den ganzen Ort.“ Allerdings muss auch hier ein Kompromiss eingegangen werden. „Zwei Abbiegespuren erfordern eine längere Grünzeit der Ampel für Fußgänger“, sagt Kaulen. Die Signalisierung müsste also neu berechnet werden. Mit lediglich zwei Gegenstimmen entschied sich das Gremium für diese Variante mit dem Passus, die Linksabbiege-Problematik noch einmal zu überarbeiten.

„Es handelt sich ja lediglich um eine Vorplanung“, sagt Jörg Hahn, Chef des Garmisch-Partenkirchner Bauamts. Aber die Zeit drängt. Denn Fördergelder gibt es lediglich bis 2020. Das ist Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Grüne) ein Dorn im Auge. Denn seine priorisierte Variante zwei wäre bis dahin nicht realisierbar . „Das ist ärgerlich“, sagt er. Ebenfalls dagegen stimmte Hannes Biehler (CSU). Im wäre eine Kfz-orientierte Variante wesentlich lieber. Er fürchtet enorme Staus. Es könne aus einer Hauptverkehrsader „kein Schleichverkehr“ gemacht werden.

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