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Volle Konzentration: Skisprung-Legende Martin Schmitt (r.) versucht sich als Grillmeister. Gemeinsam schwelgen er und Würschtlmo Claus Berger in Erinnerungen. Eurosport zeigt die Episode zum Neujahrsspringen.

TV-Dreh in Garmisch-Partenkirchen mit Skisprung-Legende

Neujahrsspringen vor 20 Jahren: Martin Schmitt holt mit Bratwurscht Schanzenrekord

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Der Würschtlmo von Garmisch-Partenkirchen hat es Skispringer Martin Schmitt am 1. Januar 1999 prophezeit: Wenn er eine Bratwurscht vor dem Neujahrsspringen isst, gewinnt er. So kam es. Jetzt gab es ein Wiedersehen im Grillhütterl. Mit Fernsehkameras im Schlepptau.

Garmisch-Partenkirchen – Verloren schlendert der junge Mann über den Platz vor dem Skistadion. Wie ein Schulbub schaut er aus. „A Wurscht musst essen“, ruft ihm Claus Berger aus seinem Grillhütterl zu. „Dann gewinnst.“ Er behält recht. Martin Schmitt siegt 1999 beim Neujahrsskispringen von Garmisch-Partenkirchen. Mit Schanzenrekord. Bestimmt, weil er sich davor die weiße Bratwurscht vom Würschtlmo gegönnt hat. Nun ja, vielleicht auch nicht. Aber die Geschichte ist zu perfekt, um sie anders zu erzählen. Zumal Berger seinen Stand damals zum ersten Mal beim Springen aufgebaut hatte.

Mittlerweile ist er eine Institution, seine Premiere vergisst er nicht. Genauso wenig wie Martin Schmitt. Der Überflieger zwischen 1998 und 2000 hat den gebürtigen Franken nun an seinem Stand in der Garmischer Fußgängerzone besucht. Das Fernsehen hatte er dabei. Ebenso wie amüsante Erinnerungen und ein besonderes Andenken.

Plastik-Würschtlmo neben Weltmeister-Trophäen

„Ich glaub’s ned!“, ruft Berger im Hofer Dialekt. „Er hat ihn noch!“ Schmitt stellt einen kleinen Mann mit Koffer und Mütze auf den Tresen, eine „Gallionsfigur in Hof“, sagt Berger. Ein Glücksbringer für alle, die wie er ein mobiles Grillunternehmen betreiben. Berger schenkte Schmitt ein Exemplar. Das Manschgerl bekam einen Ehrenplatz: zu Hause im Pokalschrank. „Wahnsinn“, sagt Berger. Ein Plastik-Würschtlmo neben Weltmeister- und Gesamtweltcup-Trophäen.

Fest hatten die beiden nach Schmitts Rekordsprung vor 20 Jahren vereinbart: Im nächsten Jahr kommt er wieder, dann mit Teamkollege Sven Hannawald. „Wollten wir auch“, sagt Schmitt, mittlerweile 40 Jahre alt und noch immer mit dem ebenso frechen wie jungen Gesichtsausdruck des Schulbuben von damals. Doch vor dem Springen über den Platz zu schlendern – daran war 2000 nicht zu denken. Sobald die beiden aus ihrem Kleinbus stiegen, belagerten sie Fans. „Die waren Superstars“, sagt Berger. Junge Frauen schrien: „Martin, ich will ein Kind von Dir.“ Beim Grillstand kamen sie nicht an. Ohne weiße Bratwurscht in der Semmel wurde Schmitt Elfter.

Schmitt verabschiedet sich nach Karriere: „Servus. Pfiat Eich.“

Am Tag nach dem Springen marschierte er mit seinem Würschtlmo-Glücksbringer zum Olympiastützpunkt, wo die Athleten trainierten. „Also Martin“, sagte er, „im nächsten Jahr weißt Du, wo Du hinmusst.“ Gekommen ist er nicht mehr. Gewonnen hat er auch nicht mehr. Berger lacht. Er bezweifelt dann doch auch, dass es allein an der fehlenden fränkischen Stärkung scheiterte.

2015 besuchte Schmitt Berger und Ehefrau Birgit Gangl noch einmal an ihrem Stand. Am 31. Dezember 2014 hatte er seinen Rücktritt erklärt. Danach schaute er beim Würschtlmo vorbei. „Servus, Pfiat Eich“, damit hat er sich verabschiedet. Bis zum Wiedersehen jetzt.

Eurosport zeigt Episoden

Mittlerweile ist Schmitt als Experte bei Eurosport im Einsatz. Für den Sender dreht die Produktionsfirma Formatfabrik vier Episoden zur Vierschanzentournee, ein Kurzfilm über drei bis dreieinhalb Minuten pro Station. Sie werden an den jeweiligen Veranstaltungstagen ausgestrahlt. Einen besonderen Rückblick mit Martin Schmitt kündigt Martin Weichsler, Geschäftsführer von Formatfabrik, an. „Jenseits vom Sport, mit persönlichen Erinnerungen.“ In Garmisch-Partenkirchen besuchte Schmitt neben dem Würschtlmo auch das Dorint-Hotel, wo die Athleten früher gewohnt und Silvester gefeiert haben.   KATHARINA BROMBERGER

Kartenvorverkauf

Der Vorverkauf für die Vierschanzentournee läuft – und er läuft gut. Laut Veranstalter sind die Tickets für den Auftakt in Oberstdorf bereits weg. Karten für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen gibt es unter www. neujahrsskispringen.de

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