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Präsentieren den Sicherheitsbericht 2017: (v.l.) Landrat Anton Speer, Polizeipräsident Robert Kopp und dessen Vize Harald Pickert.

Sichere Insel in turbulenten Zeiten

Nicht jede Entwicklung ist positiv: So sieht die Sicherheitslage im Landkreis aus

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Aufgeklärte Einbruchserien, tausende Festnahmen an der Grenze, weniger Diebstähle: Die Bürger im Landkreis können ruhig schlafen. Zumindest fallen die Zahlen des Sicherheitsberichts 2017 für das Polizeipräsidiums Oberbayern Süd zufriedenstellend aus. Trotz einiger Ausreißer.

Landkreis – Es waren schreckliche Verbrechen, die Doppelmorde in Höfen, Rott am Inn und Traunreut. Alle ereigneten sich 2017 und sind bereits aufgeklärt worden. „Wir haben alle Täter ermittelt und festgenommen“, sagt Robert Kopp, Polizeipräsident des Bereichs Oberbayern Süd. Und trotzdem: Solche Fälle hinterlassen Spuren in den Köpfen der Menschen. Sie fühlen sich nicht mehr so sicher wie früher. Steuern kann diese Emotionen niemand. Die Beamten versuchen, Ängste abzubauen, agieren präventiv, um potenzielle Gefahren abzuwehren. Kopp sagt: „Sicherheit wird zur Vertrauenssache.“

Gefühl und Realität klaffen nicht selten auseinander. Egal wo. Dabei gibt es nicht immer einen Grund, beunruhigt zu sein. Das gilt vor allem für die 87 877 Landkreis-Bewohner. „Wir haben hier wirklich eine gute Sicherheitslage“, betont Kopp – trotz der vielen Asylbewerber und der Erstaufnahmeeinrichtung im Abrams in Garmisch-Partenkirchen. Den Beweis hält er im Landratsamt in den Händen: den Bericht gefüllt mit den Statistiken für das Jahr 2017.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 4292 Delikte registriert, neun Prozent weniger als 2016. Die Zahl der Tatverdächtigen beläuft sich auf 1820, wovon 687 Personen Nicht-Deutsche und 285 Zuwanderer waren. Die Aufklärungsquote liegt bei 65 Prozent. „Das ist eine klare Botschaft“, betont Kopp. Besonders erfreulich findet er die Entwicklung bei Diebstählen, bei denen ein Zehn-Jahres-Tiefstand erreicht wurde, sowie bei den Wohnungseinbrüchen. Neben Altötting sind in der Region die wenigsten zu verzeichnen, verdeutlicht Vize-Präsident Harald Pickert.

Sexualstrafrecht hat sich nach Kölner Silvesternacht geändert

Anders sieht es bei Vergehen von Zuwanderern aus. Zwar ebbte die Migrationswelle ab, die Zahlen der von ihnen begangenen Straftaten sei aber mit 1132 Delikten enorm hoch. Vor allem Sachbeschädigungen gab es öfter als sonst, ebenfalls wie so genannte Rohheitsdelikte, also Raub oder einfache bis schwere Körperverletzungen. Von insgesamt 694 wurden 133 von Migranten verübt. „Das ist ein nicht unerheblicher Teil“, sagt Kopp. Oft trägt sich das Ganze in den Unterkünften zu, oft seien die Opfer selbst Flüchtlinge. Den Polizei-Chef stimmt bedenklich, wenn sich Familien in den Einrichtungen verbarrikadieren, damit niemand an sie rankommt.

Einen Anstieg gab es auch bei den Sexualstraftaten. Nicht ohne Grund. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln 2015/16 änderte sich die Gesetzeslage. „Grapschen wurde damals als Beleidigung gewertet“, erklärt Kopp. „Heute ist’s eine sexuelle Belästigung.“ Das wirkt sich auf die Statistik aus.

Obwohl der Polizeipräsident mehrfach wiederholt, wie gut sich im Gesamten die Situation im Landkreis darstellt, stimmt ihn ein Thema nachdenklich: die Rauschgiftkriminalität. 262 Fälle bedeuten den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Kopp zufolge sind zum Beispiel die Liberalisierungs-Diskussionen von weichen Drogen wie Cannabis ein Auslöser. „Die jungen Leute denken: So gefährlich kann’s nicht sein.“ Ein trügerisches Bild. Deshalb leistet die Polizei unter anderem Aufklärungsarbeit in Schulen.

Die Gesetzesverstöße geschehen aber nicht nur in den Landkreis-Orten, sondern an der Grenze zu Österreich – aufgedeckt durch die Schleierfahnder. Diese ziehen laut Pickert Drogen im Kilobereich aus dem Verkehr. „Aus Italien ist viel Rauschgift unterwegs.“ Die Einsatzkräfte, das „Bollwerk gegen internationale Kriminalitätsphänomene“, wie sie Kopp nennt, nahmen im Transitbereich 4193 Menschen fest. „Das hilft ganz Deutschland.“ Für die Sicherheitslage und im besten Fall für das Gefühl der Menschen.

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