Nikolaus in Corona-Zeiten: Der heilige Mann kommt heuer mit Maske. Foto: Schäfer
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Nikolaus in Corona-Zeiten: Der heilige Mann kommt heuer mit Maske.

Landratsamt stellt Regelwerk vor

Strenge Corona-Auflagen: Nikolaus auf Distanz

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Der Besuch des Nikolaus lässt Kinderaugen leuchten – und ist fester Bestandteil des Kirchenjahres. Doch in Corona-Zeiten ist es schwierig, diese Tradition zu pflegen. Denn für den heiligen Mann und seine Gastgeber gelten natürlich auch die strengen Hygiene-Regeln und Kontakt-Beschränkungen.

Landkreis – Christliche Bräuche haben es im Pandemie-Jahr 2020 schwer. Dies war bereits bei Sankt Martin und an Allerheiligen der Fall. Der Nikolaustag (6. Dezember), der heuer auf den zweiten Adventssonntag fällt, ist die nächste Herausforderung. Schließlich soll verhindert werden, dass sich die beliebten Besuche der Bischofsdarsteller bei Familien zu Hause als Superspreader-Ereignisse erweisen – und das Virus noch mehr unters Volk bringen. Die Landespolitik drückt bereits auf die Bremse – und ruft zur Zurückhaltung auf.

Landratsamt empfiehlt Besuch im Freien

Entsprechend klingen jetzt auch die „Hinweise“, die das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen in Form einer Pressemitteilung veröffentlicht hat. Tenor: Grundsätzlich sei die Visite möglich, aber nur unter Einhaltung der Corona-Auflagen. Die Empfehlung der Kreisbehörde: „Wenn überhaupt, dann lieber im Freien!“ Der Grund liegt auf der Hand: An der frischen Luft ist das Risiko einer Ansteckung geringer als in geschlossenen Räumen.

Sprecher Wolfgang Rotzsche wirbt um Verständnis für den Kurs: „Auch wir im Landratsamt bedauern sehr, dass die Kinder diese lange Zeit so freudlos erleben müssen“, erklärt er mit Blick auf die Einschnitte im Zuge des zweiten Lockdowns. „Nur haben wir leider jetzt im gesamten Bundesgebiet, aber auch im Landkreis, schwerere Verläufe zu verzeichnen, auch bei jungen Patienten.“

In der Praxis dürfte der Nikolaus-Auftritt auf ein kurzes und distanziertes Gastspiel im kleinen Kreis hinauslaufen – mit Mindestabstand (1,5 Meter) und Maskenpflicht. Laut Landratsamt sollte außerdem nach Möglichkeit auf die Übergabe von Geschenken sowie auf Gesangs- und Musikeinlagen verzichtet werden. Ein Engel oder der Krampus dürfen den Ehrengast nur dann begleiten, wenn sie dem gleichen Hausstand angehören. Neben dem Nikolaus dürfen lediglich Angehörige eines weiteren Haushalts an dem Ganzen teilnehmen. Und die Gesamtzahl der anwesenden Personen, die 14 Jahre und älter sind, ist gedeckelt – auf fünf.

Der Seehauser Reinhard Klein ist Nikolaus mit Leib und Seele. Seit 52 Jahren schlüpft er in diese Rolle. Eine Herzensangelegenheit, die sich der Rentner nicht vermiesen lässt: „Ich geh’ raus, ganz klar.“ Schließlich hätten die Kinder in diesem Jahr schon genügend Entbehrungen erlitten. Der Infektionsschutz steht für den 69-Jährigen an erster Stelle. „Der Nikolaus macht heuer kurze und gestraffte Besuche“, kündigt er an. Außerdem informiere er die Familien im Vorfeld über die Auflagen.

Murnauer Nikolaus-Treffen entfällt

Klein muss einen weiteren Wermutstropfen verkraften: Sein geliebtes Murnauer Nikolaus-Treffen – 2018 stellte er damit sogar einen Weltrekord auf – kann diesmal nicht stattfinden. Wegen Corona. „Das ist halt so“, sagt er. Dafür werde er nächstes Jahr die Zusammenkunft mit seinen Amtskollegen umso größer aufziehen.

In Murnau genießt der Heilige Nikolaus einen hohen Stellenwert: Die spätbarocke Pfarrkirche, eines der schönsten Gotteshäuser im Blauen Land, ist nach ihm benannt. Der dortige Dekan und Pfarrer Siegbert Schindele plädiert ebenfalls für eine Corona-konforme Lösung. Die Nikolaus-Akteure könnten ja vor den Häusern stehen bleiben und eine kleine Ansprache halten, schlägt er vor. „Ich glaube, dass dies für die Kinder trotzdem ein schönes Erlebnis ist.“ Wichtig sei die Erinnerung an den Bischof von Myra, der im 4. Jahrhundert in Kleinasien lebte und zu einem der beliebtesten Heiligen avancierte. „Er war ein wertvoller Mensch, den wir auf keinen Fall vergessen sollten.“ St. Nikolaus begeht das Patrozinium gleich mit vier Gottesdiensten, verteilt auf Samstag und Sonntag.

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