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Einen Job mit Zukunft hat Maurerlehrling David Dreher vom Bauunternehmen Kuba. Hier arbeitet er auf einer Baustelle an der Oberammergauer Dorfstraße. 

Der demografische Wandel spielt eine Rolle

Noch 273 freie Lehrstellen im Landkreis: Darum gibt‘s weniger Bewerber

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In gut drei Wochen startet das neue Ausbildungsjahr. Allerdings sind immer noch hunderte Lehrstellen im Landkreis unbesetzt. Die Betriebe suchen händeringend nach Nachwuchs – vor allem die Hotellerie und Gastronomie.

Landkreis – Die Fakten lassen aufhorchen. Um fast 58 Prozent ist die Zahl der jungen Menschen ohne Lehrstelle im Gegensatz zum Vorjahr gesunken. Waren im Juli 2017 noch 161 Bewerber im Landkreis ohne Ausbildungsplatz, sind es heuer nur noch 68. Das geht aus der neuesten Statistik der Bundesagentur für Arbeit in Weilheim hervor. Doch was zuerst äußerst positiv für Gewerbetreibende klingt, hat allerdings einen bitteren Nachgeschmack. Die Zahl trügt. Es sind deutlich weniger Bewerber im Landkreis als noch vor zwölf Monaten: Im Gegensatz zu den 534 Ausbildungssuchenden 2016/17 waren es in diesem Jahr nur mehr 423 – also über 20 Prozent weniger.

Der demografische Wandel macht sich im Landkreis bemerkbar. „Die Schulklassen werden immer kleiner“, erklärt Sandra Perzul, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit. Die Abgänger somit deutlich weniger. Das ist nicht das größte Problem. Die Akademisierung lockt die meisten potenziellen Azubis vom Land in die Ballungsgebiete. Für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen bedeutet das vor allem in die Landeshauptstadt München. „Einige werden wieder zurückkommen“, sagt Perzul aufgrund ihrer bisherigen Erfahrung. Wenn Studiengänge zu schwierig sind beispielsweise.

Hotellerie und Gastronomie hat schwer zu kämpfen

Die Abwanderer aber gleich im Landkreis zu behalten, wäre wünschenswert für Peter Lingg, dem Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses Garmisch-Partenkirchen.

Er appelliert so oft wie möglich an Schüler, Lehrer und Eltern, „eine duale Berufsausbildung mit einem Studium gleichwertig zu sehen“. Damit entstehe beruflich ein „stabiles Fundament“ im Landkreis. Von den 423 Bewerbern sind nun 355 versorgt. 239 davon beginnen eine Ausbildung, 58 besuchen weiterführende Schulen oder studieren im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Dem gegenüber stehen aber 273 offene Stellen.

Zu kämpfen haben nach wie vor am meisten die Hotellerie und Gastronomie. Derzeit sind 45 Ausbildungsstellen zur Hotelfachkraft, 24 zum Koch sowie 13 Lehrplätze zur Restaurantfachkraft unbesetzt. Diese drei Berufssparten alleine machen schon über 30 Prozent aller offenen Lehrstellen im Landkreis aus.

Wie so viele ist auch das Grainauer Hotel Haus Hammersbach betroffen: „Wir suchen händeringend nach Bewerbern“, sagt Marius Madest, stellvertretender Direktor des Betriebs. Von vier Lehrlingen für die kommende Ausbildungssaison sei schon jetzt einer abgesprungen. „In allen Bereichen könnten wir bei uns noch weitere Auszubildende aufnehmen.“ Sogar ein duales Studium im Touristik-Bereich sei in Hammersbach möglich. Zudem will das Hotel auch Ausländern und Asylbewerbern eine Chance auf eine fundierte Berufsbildung geben. Natürlich gehören aber Grundkenntnisse in Deutsch dazu. „Hier wollen wir tatkräftig unterstützen“, versichert Madest.

Lehrlinge im Baugewerbe zählen zu Bestverdienern unter den Azubis

Frei sind auch noch 26 Azubi-Plätze bei Baufirmen im Kreis Garmisch-Partenkirchen. „Schulabgänger haben jetzt noch die Chance, kurzfristig einen Platz zu bekommen“, sagt Michael Müller von der Industriegewerkschaft Bau Oberbayern. Er weiß, dass der alte Spruch „sei schlau, geh’ zum Bau“, mit Blick auf die „Bezahlung und Karrierechancen in der Branche“ aktueller ist denn je. Nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zählen Lehrlinge im Baugewerbe zu den Bestverdienern unter allen Auszubildenden. In ganz Bayern zählt die Branche 5235 freie Stellen. Doch es gibt auch Ausnahmen: Thomas Kuba ist einer der Glücklichen, die sich im Gegensatz zum bundesweiten Trend über einen Ansturm an Bewerbungen freuen dürfen. „Wir haben gerade vier Auszubildende im Maurer-Handwerk bei uns“, sagt der Maurermeister und Bautechniker des gleichnamigen Unternehmens in Oberau. Er investiert damit bewusst in die Zukunft. Denn ein bundesweites Problem hat auch er: „Mir fehlen einfach die Fachkräfte.“ 68 unversorgte Bewerber sind es noch, die im Landkreis nach einem Ausbildungsplatz suchen. „Nicht immer findet ein angehender Berufstätiger die passende Lehrstelle für sich“, erklärt Perzul. Trotz der 273 offenen Stellen.

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