Eine Baustelle ist abgesperrt, im Hintergrund ist eine Bergkulisse zu sehen.
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Die Terrasse vor dem Münchner Haus wird erneuert. Er ist nicht nur kaputt, sondern stellte auch für Rollstuhlfahrer ein großes Hindernis dar.

Mitte August soll Berghütte öffnen

Baustelle am Münchner Haus: Derzeit kein Schlafplatz für Bergsteiger auf der Zugspitze - Eindringlicher Appell

  • Katharina Bromberger
    VonKatharina Bromberger
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Am Münchner Haus wird gebaut. 350 000 Euro investiert der Deutsche Alpenverein in eine neue Terrasse und Schlafräume. Doch die Arbeiten haben sich verzögert, übernachten kann auf der Zugspitze derzeit niemand. Hüttenwirt und -referent richten daher einen Appell an alle Bergsteiger.

Garmisch-Partenkirchen – Noch ist es recht ruhig auf dem Zugspitz-Gipfel. Noch kommen nicht viele Bergsteiger aus dem Höllental herauf. Aber das wird sich ändern. Bald, sehr bald, vermutet Thomas Gesell. „Und dann kann das Ganze zu einem echten Problem werden.“ Der Hüttenreferent der Alpenvereinssektion München macht sich Sorgen über den Start der Bergsteiger-Saison. Wenn der Schnee auf der Route geschmolzen ist und sich nicht mehr nur erfahrene Alpinisten auf den Weg machen. Wenn solche starten, die sich überschätzen. Die aus dem Tal nicht sechs, sondern zehn Stunden benötigen. Die entkräftet am Gipfel ankommen, die letzte Bahn verpassen – und dann keinen Schlafplatz auf Deutschlands höchstem Berg finden. Genau das ist derzeit der Fall.

Appell an Bergsteiger: Tour gescheit planen - Münchner Haus bleibt zu

Das Münchner Haus bleibt bis voraussichtlich Mitte August geschlossen. Dort wird gebaut. Eindringlich appelliert Gesell an die Bergsteiger, dies zu berücksichtigen, lieber früher als später zu starten. Hüttenwirt Hansjörg Barth hat extra den Anrufbeantworter entsprechend besprochen: „Bitte planen Sie Ihre Tour, dass Sie um 16.45 Uhr die letzte Bahn ins Tal erreichen.“ Mit Bangen denkt Gesell an einen Wetterumschwung, an eiskalte Nächte auf 3000 Metern Höhe. „Extrem schnell müssen wir uns dann mit dem Thema Bergnot auseinandersetzen.“

Die Arbeiten auf der Terrasse am Münchner Haus laufen. Der marode Boden wird entfernt und komplett erneuert.

Gehofft hatte er ja, dass er sich mit solchen Angelegenheiten gar nicht befassen muss. Im besten Fall sollten die Bauarbeiten zum 1. Juli schon erledigt sein. Doch da spielte das Wetter nicht mit – immer ein Thema in dieser Höhe. Zuerst der lange Winter, dann regnet es mal, mal schneit es, dann kommen Gewitter. Erst am Montag vor einer Woche konnten die Arbeiter loslegen. Ihr Auftrag: zwei Schlafräume sanieren, den Belag der Terrasse komplett erneuern. Was nicht nach einem riesigen Projekt klingt, kostet ordentlich: 350 000 Euro investiert die DAV-Sektion München. „Wir reden halt nicht von einer Terrasse vor einem Einfamilienhaus im Tal.“ Im Klartext: Alleine die Kosten für den Transport per Hubschrauber belaufen sich Gesell zufolge auf mindestens 30 000 bis 40 000 Euro.

Münchner Haus: Terrasse komplett kaputt, zwei Schlafräume werden erneuert

Seit einigen Jahren schon beschäftigt ihn das Projekt. Der Boden der Terrasse, errichtet 1982, „ist komplett kaputt“. Der Belag war undicht geworden. Dämmung, Kiesbett, „alles ist uns quasi abgesoffen“. Dadurch drang auch in die beiden Schlafräume darunter – 18 Gästen finden dort Platz – Wasser ein. Die Gefahr, dass sich Schimmel bildet, war Gesell zu groß. Er ließ die gesamte Wandverkleidung entfernen, die Dämmung ebenfalls. Glücklicherweise stellte sich heraus: „Alles trocken, alles gut.“ Nun werden die Räume hergerichtet, auf der Terrasse reißen die Arbeiter gerade die maroden Bodenplatten heraus.

Barth, seit 40 Jahren Hüttenwirt am Münchner Haus, seine Frau und sein Sohn nutzen die Baustelle ebenfalls für Renovierungsarbeiten. Wände im Gang und in der Küche schleifen sie ab, jahrzehntealte Lackschichten verschwinden. „Das machen wir jetzt gescheit, wenn wir schon dabei sind“, sagt der 73-Jährige. Die blau-weiße Wand der Küche wechselt in Grau und Dunkelgrau. „Schön modern“, findet Barth. Die Gäste aber werden kaum bemerken, dass sich etwas verändert hat. Das Haus, errichtet 1897, steht unter Denkmalschutz. Im Gastraum bleibt alles, wie es ist. Auch der neue Boden auf der Terrasse, glaubt Gesell, wird kaum einem der Tausenden Besucher auffallen. Einer Gruppe aber sicher: Gästen im Rollstuhl.

Terrasse vor dem Münchner Haus wird nun wieder rollstuhlgerecht

Die Zugspitze, sagt Barth, wurde so erschlossen, damit mittlerweile jeder – egal welchen Alters, ob mit oder ohne Behinderung – die Aussicht auf 3000 Metern Höhe genießen kann. „Das war bei uns nicht mehr der Fall.“ Die Reifen der Rollstühle blieben in den Löchern am Boden hängen, die Rollstühle kippten. Mit der neuen Terrasse ändert sich das. „Wir freuen uns richtig, wenn das alles fertig ist.“ So wie sich Barth und seine Familie generell auf den Start freuen – immer und nach der Corona-Zwangspause besonders. Keine Einnahmen, zudem das Münchner Haus, das Barth „unsere Heimat“ nennt, so verwaist und leer – „das war alles nicht so einfach“. In sechs, spätestens acht Wochen, hofft Gesell, soll das Leben in Barths Zuhause zurückkehren. Und für die Bergsteiger die Übernachtungsmöglichkeit.

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