Ein Blitz zuckt am Himmel, es ist Nacht, der Himmel erscheint lila.
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Gewitterzeit in Bayern: Um vor Unwettern möglichst genau warnen zu können, suchen die Betreiber der Facebook-Seite „Der Himmel im Südosten“ ehrenamtliche Wettermelder für den Landkreis.

Drei Niederbayern haben eigenen Dienst ins Leben gerufen

Facebook-Seite für Unwettervorhersage: Nur warnen, wenn es wirklich notwendig ist - Wettermelder gesucht

  • Katharina Bromberger
    VonKatharina Bromberger
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Sturm, Starkregen, Unwetter: Die Nachrichten darüber sind voll. Drei Niederbayern haben bereits vor einigen Jahren eine Facebook-Seite gegründet, mit der sie regional und aktuell vor Unwettern warnen wollen.

Landkreis – Als Bub hat sich Kevin Waldinger bei Gewitter unter der Decke versteckt. Oder er ist zu seiner Mama ins Bett gekrochen. So Angst hat er gehabt vor Blitz und Donner. Irgendwann hat das aufgehört. Geblieben sind Faszination und viele Fragen. Wie entsteht ein Hitzegewitter? Was verraten die Wolken über die Wetterlage? Wann entwickeln sich Stürme und Orkane?

Der Niederbayer hat alles über Meteorologie gelesen, was er gefunden hat. Ebenso wie seine beiden Partner und Freunde Georg Nieder und Markus Dorfberger. Jede freie Minute widmen sie dem Wetter. Und vor allem dem Unwetter. In jüngster Zeit haben sie nach all den Ereignissen, die auch den Landkreis getroffen haben - insgesamt kam er glücklicherweise glimpflich davon -, viel zu tun.

Wettermelder auch für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen gesucht: Schnell reagieren

Bereits vor einigen Jahren haben sie auf Facebook einen regionalen Unwetterservice ins Leben gerufen. Sein Name: „Der Himmel im Südosten“. Um diesen zu optimieren, suchen sie nun Wettermelder vor Ort. Auch und gerade für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Dort sind sie schlecht aufgestellt und brauchen Unterstützung. Denn sie wollen sich nicht nur auf Satellitenbilder verlassen. Sie wollen schnell reagieren. Und möglichst genau.

Kevin Waldinger ist einer der drei Hobby-Meteorologen, die einen lokalen Unwetterwarndienst betreiben.

In ihren Prognosen greifen die drei auf verschiedene Wettermodelle und Radare zurück. Auf den Deutschen Wetterdienst etwa sowie den Dienst in Innsbruck, zudem auf Radare von Experte Jörg Kachelmann. Daraus erstellen die Männer ihre eigenen Prognosen und treffen ihre eigenen Einschätzungen. Nichts übernehmen sie eins zu eins. „Das macht uns zur Persönlichkeit“, sagt Waldinger. Ihr Credo: „Wir warnen nur, wenn man warnen muss.“ Wenn also wirklich ein Unwetter, ein Sturm oder Hochwasser drohen. In diesem Punkt unterscheiden sie sich in Waldingers Augen von manch offiziellen Diensten. Diese hält der 26-Jährige „zum Teil für zu dramatisch“. Ein Sommerregen sei kein Grund für eine Unwetterwarnung – überspitzt formuliert.

Unwetterwarnung auf Facebook: Angebot für Ober- und Niederbayern

Mit ihrem Angebot für Ober- und Niederbayern deckt „Der Himmel im Südosten“ 30 Landkreise ab, eingeteilt in vier Zonen: der Nordosten mit Landkreisen wie Passau, Regen, Straubing und Dingolfing, der Nordwesten mit Landshut, Erding, Kehlheim, Eichstätt, der Südosten mit Altöttig, Ebersberg, Rosenheim bis zum Berchtesgadener Land. Und der Südwesten mit Miesbach, München, Dachau, Fürstenfeldbruck, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. Ihre Warnungen veröffentlichen Waldinger und Co. für die vier Regionen. Auf gezielte Nachfrage geben sie individuell Auskunft.

Schnell und unmittelbar auf Wetterlagen und Änderungen einzugehen, darauf legen die Hobby-Meteorologen – studiert hat das Fach keiner der drei – Wert. Mit Wettermeldern, die sie mit aktuellen Infos, Bildern und Videos versorgen, lassen sich die Prognosen verfeinern. Gerade im Landkreis Garmisch-Partenkirchen jedoch sind sie noch dünn aufgestellt. Dafür braucht man kein Experte in Sachen Meteorologie und Wolkenkunde zu sein. „Jeder hat Augen im Kopf“, sagt Waldinger. Das reicht. Allein die Mitteilung, dass eine schwarze Wolkenwand aufzieht, hilft. Daraufhin überprüfen Waldinger, Nieder oder Dorfberger die Radare, beobachten, ob sich ein Unwetter aufbaut. Droht ein Gewitter, beobachten sie genau die Zugrichtung und die Zellen sowie ihre Entwicklung. Im Ernstfall geben sie eine Warnstufe – von eins bis fünf – auf Facebook aus. Und aktualisieren sie ständig.

An intensiven Tagen, an denen sich gleich mehrere Unwetter bilden oder bilden könnten, sitzen die drei im Schichtbetrieb bis zu 13 Stunden an den Rechnern, beobachten die Gewitterzellen bis in den frühen Morgen. Ein enormer Aufwand, den Waldinger, Dorfberger und Nieder sowie ihre 14 Wettermelder und Autoren in ihrer Freizeit betreiben. „Wir verdienen damit keinen Cent.“ Ehrenamtlich wollen sie ihren Beitrag dazu leisten, das Warnsystem zu verbessern.

Als Wettermelder engagieren

Wer Interesse hat, sich als Wettermelder einzubringen, kann sich bei Waldinger, Nieder und Dorfberger auf Facebook unter „Der Himmel im Südosten“ melden. Einfach eine Nachricht schreiben, sie melden sich.

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