Klappe, die Erste für die Werdenfelser Weihnacht: Chiara Nassauer liest ihren Part aus der Heiligen Nacht. Moritz Keller und Joel Junge (l.) von der Filmcrew sowie Regisseur Andreas M. Bräu (r.) setzen alles in Szene.
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Klappe, die Erste für die Werdenfelser Weihnacht: Chiara Nassauer liest ihren Part aus der Heiligen Nacht. Moritz Keller und Joel Junge (l.) von der Filmcrew sowie Regisseur Andreas M. Bräu (r.) setzen alles in Szene.

Nur der Christbaum streikt

Garmisch-Partenkirchen: Dreharbeiten zur „Werdenfelser Weihnacht“ in vollem Gange

Dreharbeiten zur „Werdenfelser Weihnacht“: Aus einer „Kopfgeburt“ wird Realität. Das digitale Weihnachtskonzert und die Lesung „Heilige Nacht“ wird momentan in der Pfarrkirche St. Martin in Garmisch aufgezeichnet. Ab dem 20. Dezember wird die Arbeit des Künstlerbunds zu sehen sein.

Garmisch-Partenkirchen – Live dabei sein: ein selten gewordenes Privileg in diesem Winter. Das Projekt „Werdenfelser Weihnacht“ macht es möglich. Beim Betreten der Pfarkirche St. Martin am vergangenen Freitag sind die Dreharbeiten zu diesem Konzert mit Lesung bereits in vollem Gange. Tannengrün, Strohsterne, vier brennende Kerzen auf dem Adventskranz – ein funkelnder, atmosphärischer Traum. Nur das Personal hinter dem Altar ist ungewohnt: Statt Pfarrer Josef Konitzer sitzt dort die Uffinger Schauspielerin Chiara Nassauer. Umringt von Kamera- und Technikmännern trägt sie einen Abschnitt aus Ludwig Thomas Geschichte „Heilige Nacht“ vor.

Ihre Lesung ist Teil eines digitalen Weihnachtskonzerts, das der Partenkirchner Autor und Schauspieler Andreas M. Bräu auf die Beine gestellt hat (wir berichteten). Die Idee zum corona-konformen Weihnachtsfilm sei ihm bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr gekommen: „Das hat schon länger gebrodelt. All die Kreativität ist in unserem Landkreis ja da, im Moment ist es nur schwierig mit dem Ventil.“ Sämtliche angefragten Künstler waren sofort dabei. Und alle, wirklich alle halfen mit. Mesner Georg Woitich organisierte vor Drehbeginn extra noch den Christbaum – eigentlich hätte man ihn ja erst zehn Tage später gebraucht. Die Produktion sei „a guade Sach“, urteilt Woitich. Gerade für die älteren Leute werde damit ein Ersatz zur Christmette geschaffen. An die 50 Kerzen zündete er für den Dreh an. Und das nicht nur einmal. Er ist immer zur Stelle, geht abends als Letzter nach Hause. Die gelb-schwarzen Abstandsmarkierungen am Kirchenboden stören! Schnell holt Woitich einen Teppich.

Geschwister vor der Kamera: Xaver und Johanna Pongratz aus Partenkirchen musizieren in der Pfarrkirche.

Auf dem musizieren kurze Zeit später die Geschwister Pongratz. So viel Natürlichkeit und echte Freude an der Musik verfehlen ihre Wirkung nie, ganz egal über welches Medium man den beiden lauschen darf. „Geht’s mit mir auf Bethlehem“ sei von den Liedern das persönliche Lieblingsstück, sagt der erst elfjährige Xaver. Seine Schwester Johanna (13), die mehrfach preisgekrönte Harfenistin, verrät sogar noch ihre Tricks zum Spielen im Winter: Mit einem Handwärmer bringt sie ihre Finger auf „Betriebstemperatur“. Denn es ist kalt in der Garmischer Kirche. „Koid, aber schee“, sagt Xaver. Gut, dass die Eltern schon eine Belohnung in Aussicht gestellt haben: Dahoam wartet eine besonders exquisite Brotzeit.

Organisator Bräu lächelt, als er das hört. Drei Tage und Nächte arbeitet er durch, um das bunte Kultur-Potpourri auf die heimischen Bildschirme zu bringen. Dafür tauscht er, der sonst selbst auf der Bühne steht, gerne die Rollen: Er ist Moderator, Regisseur und notfalls Kabelträger in einer Person. Jetzt ist seine „Kopfgeburt“ tatsächlich in der Realität angekommen. Künstler, Geistliche und Politiker ziehen an einem Strang, um das Familienfest im Lockdown wenigstens mit ein bisserl Glanz und Besinnlichkeit zu überzuckern.

Das Plakat zur Aktion hängt ab Mitte der Woche.

Kulturreferentin Sandra Debus war sofort Feuer und Flamme für das Projekt, empfahl das junge heimische Kamerateam aus Luca Imberi (24), Moritz Keller (19) und dem Technik-Allrounder Joel Junge (31). Vor der Pandemie drehten die drei Sportfilme oder Spots für karitative Einrichtungen in Afrika. Jetzt sind sie zuhause, richten Kameras und Scheinwerfer auf die Sprecher, die sich einer nach dem anderen einfinden: Conny Glogger, Elisabeth Hofmeister, Peter Rappenglück, Toni Weinberger, Christian Jungwirth und Kreisbäuerin Christine Singer. Auch die Stamperl Musi, Andi Güntsch & Ensemble und die Pianistin Sylvia Meggyes sind dabei – ebenso wie der „Hausherr“ Pfarrer Josef Konitzer, Pfarrer Andreas Lackermeier und Bürgermeisterin Elisabeth Koch.

Am Samstag bringt Koch persönlich Leberkassemmeln zur Stärkung vorbei. Die sind auch nötig, denn der Dreh verlagert sich von St. Martin hinauf nach St. Anton. Als das kleine Team dort nach Mitternacht aus dem Gotteshaus tritt, sind alle erschöpft, aber auch glücklich. Der Christbaum ist viermal umgefallen, doch ansonsten sei alles prima verlaufen: „Das war ein Gefühl wie Weihnachten und Silvester zusammen“, sagt Andreas M. Bräu selig. Eines verdeutlicht die „Werdenfelser Weihnacht“ jetzt schon: Menschlichkeit ist keine Frage der Distanz.

Die Werdenfelser Weihnacht

ist ab Sonntag, 20. Dezember, 16 Uhr auf der Seite der Marktgemeinde unter www.buergerservice.gapa.de, aber auch über www.gap-tagblatt.de sowie in den sozialen Medien gratis zu empfangen. Internetverbindung genügt. VON EVA KLAEHN

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