Spartanisch wohnt zurzeit eine Puppenspieler-Familie aus Schwaben auf der Wiese am Garmisch-Partenkirchner Bischofsweg. Am Sonntag muss sie räumen.
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Spartanisch wohnt zurzeit eine Puppenspieler-Familie aus Schwaben auf der Wiese am Garmisch-Partenkirchner Bischofsweg. Am Sonntag muss sie räumen.

Frist läuft am Sonntag ab

Gestrandet in Garmisch-Partenkirchen: Schausteller müssen Camping-Wiese räumen

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Seit März 2020 zieht die Puppenspieler-Familie Sperlich im Landkreis auf der Suche nach Stellplätzen für sich und ihre Begleiter umher. Nicht überall sind sie gern gesehene Gäste. Nun residieren die gestrandeten Schausteller auf einer Wiese am Bischofsweg in Garmisch-Partenkirchen – doch nur noch bis Sonntag. Dann müssen sie weg.

Garmisch-Partenkirchen – Glücklich ist die Situation nicht. Sie wird „geduldet, gezwungenermaßen“. So zumindest schreiben es die Anwohner des Bischofswegs und der Krottenkopfstraße in einem Brief ans Garmisch-Partenkirchner Rathaus. Auf der Wiese vor ihren Grundstücken hat sich eine Gruppe mitsamt deren Wohnwägen sesshaft gemacht, die mittlerweile durchaus einen beachtlichen Bekanntheitsgrad im Landkreis besitzt: die Puppenspieler-Familie Sperlich aus Dillingen. Seit dem 12. August hat sie Bleiberecht auf dem Privatgrundstück. Am 12. September, also kommenden Sonntag, läuft diese Genehmigung aus. Dann müssen die Schwaben den Platz räumen und ihn so verlassen, wie sie ihn vorgefunden haben. Wohin es geht? „Wir wissen es nicht“, sagt Hubertus Sperling gegenüber dem Tagblatt. Ob sie im Landkreis bleiben oder zurück in die Heimat Dillingen – dem Vernehmen nach besitzt die Familie dort ein großes Grundstück – kehren? „Wir wissen es nicht.“ Auch kann Sperlich noch nicht sagen, wann sie wieder ihrer Arbeit als Puppenspieler nachgehen.

Den Anwohnern ist die Camping-Anlage ein Dorn im Auge. Sie sehnen sich dem Sonntag entgegen. Mit dem Schreiben an die Bürgermeisterinnen Elisabeth Koch (CSU) und Claudia Zolk (CSB) wollen sie das Thema „noch einmal in Erinnerung rufen“. Beide waren bereits im August vor Ort und hatten schon damals „massive Bedenken bezüglich Hygiene sowie der Ver- und Entsorgung“, teilt Rathaussprecherin Silvia Käufer-Schropp mit. Sanitäre Anlagen gibt es für die acht Personen, sechs Wohnwägen, Hund und Katze keine. „Wir haben Campingtoiletten dabei“, beteuert Sperlich. Den Müll entsorgen sie seinen Angaben zufolge ordnungsgemäß. Für die fehlenden Anschlüsse für Trinkwasser oder Strom helfen ihnen Nachbarn aus. Mit einer selbst gebastelten Holzkonstruktion führt das Stromkabel über die Straße. Der Wasserschlauch liegt mitten auf dem Weg. Die Anwohner kritisieren, dass dadurch „die Sicherheit des durchfahrenden Verkehrs erheblich beeinträchtigt“ sei. Gegen die Zustände kann die Kommune eigentlich nichts machen: Die Wohnwägen befinden sich auf Privatgrund.

Schausteller-Familie ist nicht unbekannt im Landkreis: Bereits Probleme in Mittenwald und Krün

Doch stößt das Schreiben ans Rathaus auch auf Unverständnis. „Die Bürgermeisterinnen zeigen sich irritiert, dass genau jene Anwohner, die sich nun per Beschwerde über den Zustand des Camps an den Markt gewandt haben, zu Beginn sowohl Strom als auch Wasser kostenfrei an die Familie abgegeben haben“, teilt die Sprecherin mit. Ob aus Gutmütigkeit oder Unwissenheit – vielen Nachbarn stinkt’s mittlerweile. Die Familie sei bereits im Isartal nicht sonderlich gut in Erinnerung geblieben. In Krün zog Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) sogar rechtliche Schritte in Betracht, als sie im April 2021 eine Privatfläche im Gewerbegebiet nicht räumen wollten. Schon damals habe sich laut Schwarzenberger die Familie viel zu spät um ihren weiteren Verbleib gekümmert.

Die Sperlichs suchen nun nach einem neuen Grundstück, auf dem sie bleiben dürfen. Doch die Kommune wird ihnen da nicht entgegenkommen. „Von Seiten des Marktes wird der Familie aufgrund des aktuellen Sachstandes keine öffentliche Fläche zugewiesen“, teilt die Sprecherin mit. Die Nachbarn, die den Campingplatz gerade mit Strom, Wasser und so weiter versorgen, würden laut dem Schreiben „die Versorgung ab dem 13. September einstellen“. Doch verspricht Sperlich: „Wir werden am Wochenende unsere Sachen packen.“ Doch wohin, bleibt offen.

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