+
Zwei Ausweichrouten werden eingerichtet: Eine führt durchs Ammergal, die anderen über den Walchensee.

Staus sind programmiert, zwei Ausweichrouten eingerichtet.

Sperrung der B2: Auf Pendler und Touristen warten harte Zeiten

  • schließen

Die Lebensader zwischen dem Nord- und Südlandkreis wird lahmgelegt: Das Staatliche Bauamt Weilheim sperrt die B 2 zwischen Eschenlohe und Oberau. Ab dem 8. Oktober für fünf Tage voll, bis zum 6. Dezember teilweise. 

Landkreis – „Uns bleibt keine andere Wahl. Wir müssen so handeln“, sagt Nadine Heiß fast entschuldigend. Die Abteilungsleiterin beim Staatlichen Bauamt Weilheim und dort zuständig für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen weiß, dass die kommenden Wochen und Monate eine harte Zeit für Pendler und Touristen werden dürfte, die entweder in Richtung Süden das Nadelöhr zwischen dem Autobahnende bei Eschenlohe und die B 2 nach Oberau befahren wollen oder die Richtung München unterwegs sind. Ihnen werden zwischen dem 8. Oktober und dem 6. Dezember entweder große Umwege oder lange Staus zugemutet. Das Teilstück, das pro Tag ungefähr 20 000 Autos und Lkw nutzen, sperrt das Staatliche Bauamt Weilheim komplett vom 8. bis zum 12. Oktober, danach ist es bis zum 6. Dezember teilweise nur einspurig befahrbar. Den Verkehr regelt in dieser Zeit eine Ampel.

Auf einer Strecke von 77 Metern wird ein neuer Steinschlagschutzzaun errichtet.

Autos und Lkw müssen der Sperrung allerdings weiträumig ausweichen. Eine Strecke führt über Murnau durch das Ammertal, die andere über den Walchensee. Heiß zufolge wird der Verkehr bereits ab der Autobahnanschlussstelle Murnau/Kochel abgeleitet. Die Belastung der betroffenen und belasteten Gemeinden nennt sie „nicht unerheblich“, weil die Umleitungsstrecken „nicht hochleistungsfähig sind“. Ein Ausweichen auf Schleichwegen, die vor allem den Landkreisbewohnern bekannt sind, ist nicht möglich. „Auch die werden dichtgemacht“, erklärt Heiß. Die Bahn ist nicht betroffen. Sie verkehrt auf der Strecke zwischen München und Mittenwald planmäßig. Zwischen dem 22. und 25. Oktober ruhen die Arbeiten. Der Grund: die Tagung der 16 Ministerpräsidenten auf Schloss Elmau.

Gefahr ist im Verzug

Die Maßnahmen an einen 770 Meter langen Teilstück, das am Nordportal des Oberauer Tunnels beginnt, dulden keinen Aufschub. Es ist Gefahr im Verzug, nachdem ein geologisches Gutachten gezeigt hat, dass Felsbrocken den bisherigen Sicherungszaun durchschlagen und auf der Bundesstraße landen könnten. „Wo kleine Steine runterkommen, sind irgendwelche Hotspots“, sagt Heiß. Jetzt soll ein vier Meter hoher Steinschlagschutzzaun errichtet werden, der in der Lage ist, Energie in einer Größe von circa 2000 Kilojoule (kJ) aufzunehmen. Der bestehende besitzt eine Kapazität von lediglich 150 kJ und weist eine Höhe von nur zwei Metern auf. Das Staatliche Bauamt befindet sich unter Zeitdruck. Bis zur nächsten Frostperiode, die in dieses Breiten relativ schnell kommen kann, muss der neue Zaun stehen. „Ich bin mir sicher, das gelingt“, erklärt Heiß. Wenn nicht, droht eine dauerhafte Sperrung der B2, „da die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden könnte“.

Lesen Sie auch:  B2-Sperrung wird verschoben - Bahnverkehr läuft normal

Auslöser der Vollsperrung sind Rodungsarbeiten, die nur mit Spezialgerät vorgenommen werden können. Auf einem 20 Meter breiten und mehr als 700 Meter langen Streifen ist die Firma Mayr aus Kochel beauftragt, rund 400 Bäume zu fällen. „Darunter große Buchen“, teilt Heiß mit.

Verlängerung der Vollsperrung nicht ausgeschlossen

Um die Arbeiten so schnell wie möglich abzuschließen, hat das Staatliche Bauamt ein Bonussystem mit den Unternehmen vereinbart. Konkret: Die Rodungsfirma erhält eine Gratifikation für jeden Tag, den sie schneller fertig ist. Gleiches gilt für die Firma, die den Steinschlagzaun errichtet. Sie bekommt eine finanzielle Zuwendung, sobald sie die Arbeiten ohne Ampelanlage ausführen kann. Und es ist gelungen, die zunächst auf zwei Wochen veranschlage Vollsperrung auf weniger als die Hälfte zu reduzieren. „Damit sind wir den Wünschen aus Garmisch-Partenkirchen und der Region nachgekommen“, sagt Heiß. Allerdings nur auf sanften Druck. Bis Mitte Juli hatte das Staatliche Bauamt geplant, schon am 16. September mit den Rodungen zu beginnen. Dagegen regte sich Widerstand. Politik, Wirtschaft, Verbände, Hotellerie und Gastronomie liefen Sturm. Der September ist der Wandermonat und für den Tourismus von enormer Bedeutung. Eine Totalsperrung hätte fatale wirtschaftliche Folgen gehabt. Auch der Imageverlust wäre nicht zu unterschätzen gewesen. Wer fährt noch einmal in eine Region, in der er während seines Urlaubs ein Verkehrschaos mit Staus erlebt hat und die Erholung mit Frust garniert wird? Die Einwände hatten Erfolg, das Staatliche Bauamt dachte um. „Wir haben die Dauer der Vollsperrung überprüft und auf fünf Tage begrenzt“, sagt Heiß. Allerdings könne eine Verlängerung nicht ausgeschlossen werden. Als Unwägbarkeiten nennt sie die sehr großen Bäume, den steilen Berghang und die ungewissen Witterungsverhältnisse. Heiß zufolge wolle das Staatliche Bauamt alles unternehmen, um den Zeitplan einzuhalten.

Für Oberau und Bürgermeister Peter Imminger (CSU) bieten die Tage, in denen kein Verkehr über die B 2 fließt, einen Vorgeschmack auf jene Zeit, wenn der Tunnel fertiggestellt ist. Imminger will die fünf Tage nutzen, „um völlig entspannt“ die Ortsdurchfahrt, die Oberau seit Jahrzehnten belastet, zu überqueren. „Das ist bestimmt ein schönes Gefühl.“ Die B 23 vom Ettaler Berg Richtung Garmisch-Partenkirchen muss allerdings die zusätzlichen Verkehrsströme bewältigen. „Das ist weniger schön“, meint Imminger. „Aber unvermeidbar.“

Mehr zum Thema: Gefahr durch dicke Felsbrocken: B2 zwischen Eschenlohe und Oberau komplett gesperrt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein
Ein Braunbär ist an der Grenzen zu Bayern in eine Fotofalle getappt. Es ist bereits die zweite Bären-Sichtung in der Region in diesem Jahr. Ist das Tier gefährlich?
Bär an Grenze gesichtet - Almwirte fordern Abschuss - Experte: Tier könnte längst in Bayern sein
Unglück beim Wandern - Frau stürzt vor Augen ihres Mannes in den Tod
Für eine 63-Jährige endete eine Wanderung am Stangensteig bei Grainau in den bayerischen Alpen tödlich. Ihr Ehemann musste das Unglück mitansehen.
Unglück beim Wandern - Frau stürzt vor Augen ihres Mannes in den Tod
Rettungseinsatz im Höllental: Paar findet Weg nicht mehr - bei winterlichen Verhältnissen
Sie waren recht gut ausgerüstet, trotzdem brauchte ein Paar bei ihrer Tour Hilfe von den Bergrettern. Diese mussten teilweise durch knietiefen Schnee.
Rettungseinsatz im Höllental: Paar findet Weg nicht mehr - bei winterlichen Verhältnissen
CSU-Fraktionschefin Samm: James-Loeb-Areal als „Notgroschen“
Das geplante Wohnbau-Projekt auf dem Murnauer James-Loeb-Areal bekommt nach den Anlieger-Protesten jetzt auch politischen Gegenwind: CSU-Fraktionschefin Regina Samm …
CSU-Fraktionschefin Samm: James-Loeb-Areal als „Notgroschen“

Kommentare