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Diskutieren in der Johanneskirche über Martin Luther: Magdalena (Lara Schönauer), die gläubige Protestantin, und Paul (Simon Kauschinger), der Kritiker.

Ökumenische Kirchentage: „Luther für jedermann“ in der Johanneskirche

Theaterpremiere: Martin Luther in all seinen Facetten

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Martin Luther in all seinen Facetten zu zeigen, ihn nicht zu verklären: Dieses Ziel hat sich Margot Schäfer mit ihrer Theatergruppe gesetzt. Dafür schrieb Andreas M. Bräu das Stück „Luther für jedermann“. Im Rahmen der Ökumenischen Kirchentage in Garmisch-Partenkirchen feiert es am 8. Juli Premiere.

Garmisch-Partenkirchen – Natürlich haben sie die Reformation in der Schule behandelt. Irgendwie und irgendwann in Geschichte. Aber so richtig Bescheid wussten Lara Schönauer aus Mittenwald und Simon Kauschinger aus Garmisch-Partenkirchen nicht. Erst jetzt haben sich die 15-Jährigen mit Martin Luther auseinandergesetzt. Und dabei eine „richtig spannende Geschichte“ entdeckt, sagt Schönauer. Diese wollen sie Gleichaltrigen wie Erwachsenen vermitteln. Mit dem Stück „Luther für jedermann“.

Zum Ökumenischen Kirchentag in Garmisch-Partenkirchen (siehe unten)wollte Margot Schäfer mit ihrer Theatergruppe Creme Frech im Lutherjahr etwas Besonderes präsentieren. Nächtelang suchte sie nach einem geeigneten Stück. Nur „Der Fall Luther“ von Karlheinz Komm erschien ihr als geeignet. Doch es war zu lang. So kam Andreas M. Bräu ins Spiel. Der Garmisch-Partenkirchner Autor übernahm wenige Szenen aus dem Original und schuf darauf aufbauend etwas Neues. Bei seiner Arbeit hat sich Bräu vor allem gefragt: „Was hat uns Luther heute noch zu sagen?“ Der große Reformator, der vor 500 Jahren seine 95 Thesen veröffentlichte. In seine vielen Facetten wollte Bräu Luther zeigen, vom Buben bis zum Erwachsenen. „Wir verklären ihn nicht“, betont Schäfer, die die Theatergruppe leitet und auch die künstlerische Leitung für das Luther-Projekt übernahm. Es gehe darum, seine Leistungen zu würdigen, ohne seine Fehlleistungen zu verschweigen. Hier spielen die Darsteller Schönauer als Magdalena und Kauschinger als Paul eine wichtige Rolle.

Kein „Held mit Heiligenschein“

Er, der Kritiker und Zweifler, sie, die Verteidigerin und gläubige Protestantin. In der Partenkirchner Johanneskirche diskutieren sie über einen Mann, der die Kirche, die Sprache, die Welt verändert hat. Paul aber weigert sich, ihn als „Helden mit Heiligenschein“ zu sehen. Zu welchem Preis, will er wissen, habe er die Welt verändert. „Teilung, Gewalt, Krieg?“ – „Er konnte nicht anders“, sagt Magdalena, „trotz Verfolgung, Reichsacht und Kirchenbann.“ – „Er war einmal sicher kein Diplomat, vielleicht ein Fundamentalist?“ Radikal hat er in Pauls Augen seine Pläne durchgesetzt, „auf Kosten Unschuldiger“. Luther, gespielt von Christian Hartelt aus Mittenwald tritt auf, um sich zu verteidigen. In Rückblenden und einer intensiven Diskussion der Jugendlichen entsteht ein vielschichtiges Bild Luthers, das zum Nachdenken anregt, informiert und unterhält. „Das ist nicht nur trockener Stoff“, verspricht Kauschinger. Zur Unterhaltung tragen amüsante Dialoge bei, zudem Musik und Chor.

Etwa 30 Mitglieder von Creme-Frech, zudem 40 der Kantorei Partenkirchen wirken beim Stück mit. Wilko Ossoba, Dekanatskantor und musikalischer Leiter, wählte passende Lieder aus dem 16. Jahrhundert – gespielt auf alten Instrumenten wie der Laute oder dem Dulzian.

Gemeinde unterstützt Theater mit 15.000 Euro

Das Theaterstück, das die Marktgemeinde mit 15 000 Euro unterstützt, ist dabei nur Teil eines Großprojekts zum Ökumenischen Kirchentag in Garmisch-Partenkirchen, den der Ökumenische Arbeitskreis und damit evangelisch-lutherische, katholische und freikirchliche Gemeinden sowie kirchliche Organisationen mit Janine Lobenhofer als organisatorische Leiterin gestaltet. Bereits im April starteten die ersten Aktionen wie das Thesentor am Richard-Strauss-Platz. Zudem organisiert der Arbeitskreis auf dem Gelände der Johanneskirche einen Historischen Markt mit authentischen Kostümen und entsprechender Kulisse. Schäfer verspricht: „Da rührt sich was.“

Die Ökumenischen Kirchentage mit Theater und Markt

7. Juli: 20 Uhr Lichterprozession von der Alten Kirche zur Freien evangelischen Kirche, Andacht. 

8. Juli: 19.30 Uhr Premiere „Luther für jedermann“, Johanneskirche. Weitere Termine: 9.,14. und 16. Juli jeweils um 19.30 Uhr. Karten bei GAP-Ticket (0 88 21/7 30 19 95, www.gap-ticket.de) oder beim Kreisboten (0 88 21/79 90). 

Historischer Markt vor der Johanneskirche am 7., 8., 15. und 16. Juli, jeweils ab 15 Uhr. 

13. Juli: 20 Uhr Podiumsdiskussion „Alles beginnt mit der Sehnsucht“ im Olympiasaal.
16. Juli: 10.30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst im Kurpark Garmisch, bei schlechtem Wetter in der Pfarrkirche St. Martin

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