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Olympia-Bobbahn: Der Schatz vom Rießersee

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Sein Werk: Konrad Spies in der von ihm freigelegten Bayernkurve der Olympia-Bobbahn. Im Vordergund steht das Marterl, das an die dort verunglücklten Sportler erinnert.  foto: privat
Sein Werk: Konrad Spies in der von ihm freigelegten Bayernkurve der Olympia-Bobbahn. Im Vordergund steht das Marterl, das an die dort verunglücklten Sportler erinnert. foto: privat

Garmisch-Partenkirchen - Der Bobsport ist Konrad Spies’ größte Leidenschaft. Vor zehn Jahren hat er es geschafft, dass die Olympia-Bobbahn am Rießersee unter Denkmalschutz gestellt wird.

Damals, als der wichtige Termin mit dem Vertreter des Landesamtes für Denkmalschutz anstand, hatte Konrad Spies ein Problem: vom potenziellen Denkmal, der einstigen Olympia-Bobbahn, war oben am Rießersee nicht viel zu sehen. Alles zugewuchert. „Man konnte nur erahnen, wo welche Kurve lag“, erinnert sich Spies. Dr. Georg Paula folgte dennoch der Einladung von München nach Garmisch-Partenkirchen. Und der Experte machte dem passionierten Bobfan Hoffnung. Zurecht. Die Anlage wurde vor zehn Jahren unter Denkmalschutz gestellt. Und Spies machte sich an die Arbeit.

„Bis 2005 habe ich die Aufräumarbeiten ganz alleine gemacht“, erzählt der 80-Jährige. „Später hatte ich zum einen eine Rentnergruppe, die mir geholfen hat, und zum anderen hat mich auf Nachfrage dann auch die Gemeinde mit einem Trupp von sechs bis acht Leuten unterstützt.“ Mit Kettensägen und anderem Werkzeug wurde die Anlage vom Unkraut befreit.

Der zur Bahn gehörende Schuppen - der wie der Großteil des Areals dem Riessersee Hotel Resort gehört - wurde ebenfalls aufgeräumt. Der alte Stadel hielt noch so manche Überraschung bereit. Spies fand dort einige Überbleibsel von 1966, die nach Verlassen des Gebiets nicht mitgenommen wurden. Sie bilden den Grundstock für das heutige Museum. Auf das legte Spies - nachdem der eigentliche Bahnverlauf freigelegt und für Besucher wieder nachvollziehbar war - nun seinen Schwerpunkt. Die Einrichtung und Ausstellungsstücke des Bobschuppens hat der Rentner nach und nach zusammengesammelt. Dazu gehören Schlitten, Helme und andere Kuriositäten aus alten Zeiten. Diese Artefakte möchte Spies einem größtmöglichen Publikum präsentieren. Deshalb bietet er auf Wunsch zweieinhalbstündige Führungen rund um Bobbahn und Schuppen an.

In Letzterem ist - im Gegensatz zu konventionellen Museen - das Anfassen der Ausstellungsstücke ganz klar erlaubt, sogar erwünscht. Das ist besonders für Kindergruppen interessant ist, die selbst auf die Bobs steigen oder Helme aufsetzen können. „Ich will kein Schnick und kein Schnack, deshalb gibt es hier keine Vitrinen“, erklärt er. Jeden Mittwochnachmittag wartet der Garmisch-Partenkirchner - während er an alten Schlitten werkelt - auf Laufkundschaft, der er seine Leidenschaft näher bringen möchte. „Mir ist es egal, wenn mich Menschen Spinner nennen“, sagt er. „Ich kenne den Wert, den die Olympia-Bobbahn hat. Sie ist derzeit die einzige, die wir in Deutschland haben.“

Finanziert wird das ganze Projekt durch kleine Spenden, die mit einer Spardose am Eingang gesammelt werden. „Große Sprünge schafft man damit nicht.“ Viel problematischer als das Geld ist für Spies aber eine andere Komponente: „Ich brauche eine Vertretung“, betont der 80-Jährige. „Noch besser wäre natürlich eine ganze Truppe, mit der man sich die Arbeit teilen kann.“

Denn gerade am Wochenende ist am Riessersee einiges los. Das bedeutet, es gibt viele potentielle Besucher für den Bobschuppen. Doch Spies kann nicht jeden Tag selbst dort oben sein. Er wünscht sich jemanden, der sein Herzblut-Projekt mit ihm teilt. „Ich möchte einfach wissen, dass diese Sache weiterläuft.“

Maren Bürmann

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